Zum ersten Jahrestag: Was bringt dem Erzgebirge der Welterbe-Titel?

Erzgebirge - Happy Birthday, Unesco-Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí! 

Welterbe trifft Wirtschaft: Im Werk der Nickelhütte Aue werden Galvanikschlämme und metallische Rückstände geschmolzen. Die Wurzeln des Betriebes gehen auf das Jahr 1635 und ein Blaufarbenwerk zurück.
Welterbe trifft Wirtschaft: Im Werk der Nickelhütte Aue werden Galvanikschlämme und metallische Rückstände geschmolzen. Die Wurzeln des Betriebes gehen auf das Jahr 1635 und ein Blaufarbenwerk zurück.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Jahr ist es morgen auf den Tag genau her, dass die Vereinten Nationen die Region geadelt haben. 

Das Erzgebirge spielt seither Weltliga und wird durchaus auch mal in einem Atemzug mit der Freiheitsstatue und den Pyramiden von Gizeh genannt. 

Die vergangenen zwölf Monate haben die Welterbe-Macher genutzt, um ihre Hausaufgaben zu machen und Weichen für die Zukunft zu stellen.

19 Jahre haben die Spitzen von Wissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft um den Welterbe-Titel gekämpft. 

Schon im Rausch des Jubels bei der Beurkundung war ihnen allen klar: Jetzt geht die Arbeit erst richtig los. 

Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge hat damit angefangen. 

UNESCO macht klare Vorgaben

In der Bergstadt Annaberg soll in naher Zukunft ein Welterbezentrum entstehen. Insgesamt vier solcher Einrichtungen werden im sächsischen Teil des Erzgebirges erbaut.
In der Bergstadt Annaberg soll in naher Zukunft ein Welterbezentrum entstehen. Insgesamt vier solcher Einrichtungen werden im sächsischen Teil des Erzgebirges erbaut.  © PR/Tourismusverband Erzgebirge e.V./René Gaens

Am 1. Juli übergab sie den Staffelstab an den Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge.

"Wir haben die Ärmel hochgekrempelt", sagt Vereins-Geschäftsführer Michael Riedel (52) voller Elan.

Riedels Terminkalender ist in diesen Tagen prall: Die Bergstädte Freiberg, Marienberg, Annaberg und Schneeberg sollen je ein Welterbezentrum bekommen.

Die individuellen Planungen verdienen das Prädikat: anspruchsvoll.

Das trifft auf die Wahl der Gebäude (Schneeberg will vorhandene, alte Bausubstanz nutzen, Freiberg diskutiert über einen Neubau) ebenso zu wie auf die inhaltlichen Konzepte. Riedel: "Die Unesco macht uns zahlreiche Vorgaben. Die gilt es alle zu beachten."

UN-Richtlinien müssen auch bei der Ausschilderung der Welterbestätten berücksichtigt werden.

In den kommenden zehn Jahren sind Projekte im Wert von 90 Millionen Euro geplant

Michael Riedel (52) war Manager in der Wirtschaft, bevor er die Leitung des Welterbevereins übernahm
Michael Riedel (52) war Manager in der Wirtschaft, bevor er die Leitung des Welterbevereins übernahm  © Ronny Küttner

Riedel: "Nur in der Verbindung aller 22 Bestandteile liegt die Bedeutung der künftigen Welterbestätte im Sinne der Unesco begründet." Der Verein tüftelt darum gegenwärtig an einem einheitlichen System mit "Wiedererkennungs-Garantie".

Der Welterbeverein, dem Kommunen und drei Landkreise angehören, möchte in den kommenden zehn Jahren zwischen Altenberg und Eibenstock Projekte im Gesamtvolumen von 90 Millionen Euro anschieben.

Das Geld dafür soll von der öffentlichen Hand (Kommunen, Land, Bund) kommen und Zeichen setzen.

Apropos Zeichen: "Am Dienstag und Mittwoch werden an den Autobahnen 4 Höhe Hohenstein-Ernstthal und 72 Höhe Zwickau-West zwei große Werbetafeln als Wegweise zum Welterbe aufgestellt", kündigt Michael Riedel an.

Auch Tschechien investiert

Weltkulturerbe zum Anfassen: Das Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf zeigt Gästen, wie einstmals Zinn gefördert wurde.
Weltkulturerbe zum Anfassen: Das Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf zeigt Gästen, wie einstmals Zinn gefördert wurde.  © imago images / Rainer Weisflog

Das grenzübergreifende Sammelgut Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří setzt sich aus insgesamt 22 Bestandteilen zusammen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite.

Auch jenseits der Landesgrenze wurde in den vergangen zwölf Monaten viel investiert, um technische Denkmale fit und noch präsentabler zu machen. Vorreiterrollen haben dabei Jáchymov (Joachimsthal) und Boží Dar (Gottesgab) übernommen.

Wussten Sie, dass 1716 in Jáchymov die erste Bergschule der Welt gegründet wurde? Stumme Zeugen des Bergbaus in der Landschaft sind die Zinnseifen westlich von Boží Dar. Hunderte gut erhaltene, winzige Hügel (sogenannte Raithalden) "berichten", wie Bergleute ab dem 16. Jahrhundert dort mühsam Zinnstein "geseift" haben.

Absolut sehenswert: Die Altstadt von Horní Blatná, die sich immer mehr herausputzt. 

Das ist erst der Anfang

Landschaft mit Geschichte: Das Erzgebirge will als Tourismusdestination mit dem Welterbe-Titel national und international punkten.
Landschaft mit Geschichte: Das Erzgebirge will als Tourismusdestination mit dem Welterbe-Titel national und international punkten.  © PR/Tourismusverband Erzgebirge e.V./René Gaens

Das Label "Welterbe" bringt der Region einen geldwerten Vorteil - davon sind Tourismus und Wirtschaft überzeugt.

"Die Verleihung des Titels hat zu einer noch größerer Bekanntheit der Region geführt", stellte der Chef der Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE) Matthias Lißke bereits vor Wochen fest. Tatsächlich berichten Unternehmer, dass vor allem ihre Kunden jenseits der Elbe, die Grenzregion jetzt mit größerer Neugier und Interesse betrachten. 

Ob das Erzgebirge nun endlich sein Image als Armutsregion abstreifen kann, muss allerdings erst die Zeit zeigen.Die Tourismus-Branche verbindet große Hoffnungen mit dem Titel. Hotels wie die Saigerhütte in Olbernhau und das Besucherbergwerk "Markus-Röhling-Stolln" in Frohnau vermarkten schon offensiv den "Adelstitel". 

Die Städte Altenberg, Freiberg und Olbernhau präsentieren auf ihren Homepages attraktiv das Erbe für ihr Stadtmarketing. Matthias Lißke zuversichtlich: "Das ist erst der Anfang."

Urlaub im Erzgebirge

Rene Maier (50) gehört zur Saigerhüttenknappschaft in Olbernhau-Grünthal, die alte Traditionen bewahrt. Maier trägt mit Stolz sein schmuckes Habit.
Rene Maier (50) gehört zur Saigerhüttenknappschaft in Olbernhau-Grünthal, die alte Traditionen bewahrt. Maier trägt mit Stolz sein schmuckes Habit.  © Uwe Meinhold

Neugierig auf das ausgezeichnete Erzgebirge? Dann könnte Sie die aktuelle Aktion "Meine Auszeit im Welterbe" der örtlichen Tourismusmanager locken.

Die Spezialofferte führt Gäste an ausgewählte Orte mit Bergbautradition. Im Paket gibt es Übernachtungen plus Führungen/oder Eintrittskarten.

Beispiel: 3 Übernachtungen mit Halbpension im 4-Sterne Wohlfühlhotel Saigerhütte Olbernhau mit freiem Eintritt ins Museum Saigerhütte kosten ab 219 Euro pro Person. Eine Ferienwohnung kann zum Komplettpreis von 325 Euro (fünf Übernachtungen inkl. Brötchenservice) gemietet werden. Angebote: www.erzgebirge-tourismus.de/urlaub-im-erzgebirge/

Für Wanderfreunde hat Altenberg eine "Kleine Welterbe-Tour" (10,4 km lang) ausgeschildert und Annaberg-Buchholz bietet thematische Stadtführungen an. Nächster Termin: 11.7.2020 (Start 14 Uhr Tourist-Info/Tickets vorab in der Information erwerben!).

Achtung: Aufgrund der Corona-Einschränkungen haben noch nicht alle touristischen Einrichtungen in der Region geöffnet. Infos: www.erzgebirge-tourismus.de

Fotowettbewerb

Pünktlich zum ersten Geburtstag rufen die Welterbemacher in den sozialen Netzwerken zu einem Fotowettbewerb auf. Motto: "Zeig uns deinen Lieblingsort!".

Sie fordern auf, ein Bild samt Beschreibung unter #welterbesommer bei Instagram oder Facebook zu posten. Alle Bilder sollen auf den "Unser WeltErbe"-Kanälen geteilt werden.

Die schönsten Motive werden mit einem Schlemmerkorb prämiert und 2021 in einem Kalender gedruckt. 

Titelfoto: PR/Tourismusverband Erzgebirge e.V./René Gaens, Uwe Meinhold, imago images / Rainer Weisflog

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