Diese Dresdnerin (87) kennt Glanz und Elend der besetzten Villa

Dresden - Seit mehr als zehn Jahren steht sie leer. Doch Anfang der Woche hatte eine Jugendgruppe die Villa in der Jägerstraße besetzt und damit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Für Renata Junghanns (87), geborene von Kirchbach, ein schmerzlicher Moment, denn dieses Haus gehörte einst ihrem verstorbenen Mann Günter (†83). Schon damals gab es Streit um das Haus und dessen Zustand.

Witwe Renata Junghanns (87) fand in den Memoiren ihres Gatten Kindheitserinnerungen an die umstrittene Villa.
Witwe Renata Junghanns (87) fand in den Memoiren ihres Gatten Kindheitserinnerungen an die umstrittene Villa.  © Ove Landgraf

Renata Junghanns kennt das Viertel gut: "Nachdem wir ausgebombt worden waren, haben wir bei der Großmutter in der Zittauer Straße gewohnt", sagte die Adelige aus berühmtem Haus.

General Hans-Peter von Kirchbach (79), Generalinspekteur der Bundeswehr und Held der Oderflut von 1997, ist ihr Cousin.

"Auf dem Grundstück der Villa haben wird Verstecken gespielt, ich habe immer Mimosen gepflückt. Damals wusste ich nicht, dass das etwas mit meinem späteren Mann zu tun haben würde."

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In der Villa hat ihr Gatte Günter ab 1936 mit seinen Brüdern herrschaftlich gelebt: sechseinhalb Zimmer im ersten Stock, in der zweiten Etage eine Kammer für die Haushaltshilfe.

Eine schöne Kindheit hat er dort verlebt - so steht es in den Memoiren des inzwischen Verstorbenen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen Russen die Villa

Anfang des 20. Jahrhunderts war das umstrittene Haus ein Schmuckstück.
Anfang des 20. Jahrhunderts war das umstrittene Haus ein Schmuckstück.  © altesdresden.de

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet, Russen bezogen die Villa: "Die hielten da sogar Pferde im Erdgeschoss, es war in einem erbärmlichen Zustand", erinnert sich die Rentnerin.

"Mein Mann hat trotzdem darum gekämpft, es wiederzubekommen. Dabei war es damals lebensgefährlich, auf die Ämter zu gehen. Sie haben ihm immer gedroht, das an die Russen zu melden."

Doch die Beharrlichkeit zahlte sich aus: In den 60er Jahren bekam Günter das Haus mit seinen beiden Brüdern wieder.

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Eine Zeit lang vermieteten sie die Wohnungen, Renata holte oft die Miete ab: "Aber die Mieter haben sich beschwert", sagt sie. "Es hieß schon damals, da wär der Schwamm drin."

Schließlich verkauften die Brüder das Haus wieder: "Für 6000 DDR-Mark", so Günters Witwe.

"Und das durch drei Brüder, aber wir mussten damals eine Hypothek tilgen."

Seit 2008 steht die Villa leer

Hausbesetzer begründeten aus dem Fenster ihre Aktion mit dem Leerstand.
Hausbesetzer begründeten aus dem Fenster ihre Aktion mit dem Leerstand.  © Ove Landgraf
Das seit mehr als zehn Jahre verfallende Haus wurde am Anfang der vergangenen Woche besetzt.
Das seit mehr als zehn Jahre verfallende Haus wurde am Anfang der vergangenen Woche besetzt.  © Steffen Füssel

Gekauft hatte es das benachbarte Labor, dort wo heute die Landesuntersuchungsanstalt beheimatet ist: "So kam dann wahrscheinlich auch das A zu der Hausnummer 10", sagt Renate Junghanns. "Aber vermutlich hatten sie nur Interesse an dem Grundstück."

Noch über Jahre hinweg sahen sich die Brüder ihr altes Haus von außen an, irgendwann konnten sie es nicht mehr: "Vor ungefähr zehn Jahren sagte mein Schwager, dass er nicht mehr sehen kann, wie das Haus immer mehr verkommt", so die Rentnerin.

"Mein Mann war schon länger vor seinem Tod 2021 nicht mehr da." Leer steht das Haus seit 2008 wieder.

Nun wäre Renata Junghanns fast wieder in die Jägerstraße gefahren, wegen der Besetzer: "Man muss mit ihnen reden", meint sie.

Anfang der Woche sorgte eine Besetzung für einen Polizeieinsatz in der lange leerstehenden Villa.
Anfang der Woche sorgte eine Besetzung für einen Polizeieinsatz in der lange leerstehenden Villa.  © Tino Plunert

"Man muss sehen, was sie wirklich mit dem Haus anfangen wollen. Dass es so lange leersteht und nichts passiert, ist sehr schade."

Titelfoto: Ove Landgraf

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