Achtung, Ehrengräber-Kontrolle! Ruhestätten von 250 Dresdnern werden überprüft

Dresden - Die Landeshauptstadt hat auf 58 Friedhöfen über 250 Ehrengräber, deren dauerhaften Erhalt und Pflege die Stadt sicherstellt. Doch liegen dort tatsächlich ausschließlich ehrenhafte Menschen?

Die 58 Dresdner Fried- und Kirchhöfe sind auch ein Erinnerungsort. Über 250 Ehrengräber gibt es, viele liegen auf dem Johannisfriedhof.
Die 58 Dresdner Fried- und Kirchhöfe sind auch ein Erinnerungsort. Über 250 Ehrengräber gibt es, viele liegen auf dem Johannisfriedhof.  © Andreas Weihs

Das Rathaus will das per Expertenkommission (20.000 Euro Jahresbudget) prüfen lassen. Im Fokus stehen neben Antisemitismus und Antirassismus auch die Themen Postkolonialismus und Geschlechtergerechtigkeit.

Zuletzt 1987 hat Dresden die Übersicht der Ehrengräber umfangreich aktualisiert. Doch mittlerweile sind "jüngere Themen wie Postkolonialismus, Antirassismus, Geschlechtergerechtigkeit, Antisemitismus und Migration stärker im Fokus", sagt Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (44, Linke).

Acht Wissenschaftler und drei Stadträte sollen daher in einer Fachkommission die komplette Liste erneut prüfen.

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Jährlich 20.000 Euro fließen, stimmt der Rat zu, zudem in wissenschaftliche Recherchen und Dokumentationen.

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch will alte Ehrengräber kritisch überprüfen lassen

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (44, Linke) will neue Ehrengräber ermöglichen, alte aber auch kritisch überprüfen lassen.
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (44, Linke) will neue Ehrengräber ermöglichen, alte aber auch kritisch überprüfen lassen.  © Thomas Türpe

Ein mögliches Beispiel: Sebastian Abratzky (1830-1897) bestieg als Erster ohne Hilfsmittel die als uneinnehmbar geltende Außenwand der Festung Königstein. Der Dresdner Schornsteinfeger wurde dadurch berühmt, saß aber auch fünf Jahre Arbeitshausstrafe wegen Diebstahls und Landstreicherei ab.

"Nazis, Monarchen, Reaktionäre und Nationalpatrioten auszusortieren, klingt nach einer guten Idee", sagt Dissident Max Aschenbach (36).

Rätin Susanne Dagen (49, Freie Wähler) sieht in dem Plan hingegen eine "ideologisch ambitionierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Dem Dresdner, der kein betreutes Denken braucht, entsteht kein Mehrwert".

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FDP-Rat Holger Hase (45): "Die Kommission ist ein guter Ansatz. Es wäre zum Beispiel zu prüfen, ob aus Bequemlichkeit Dinge aus der DDR-Zeit einfach fortgeschrieben wurden. Ob wirklich die 'MeToo'-Bewegung oder Kolonialismus Schwerpunkt sein müssen, bleibt abzuwarten."

Petition für "Zigeuner", "Mohr" und "Eskimo"

Torsten Küllig (53, Freie Wähler, l.) übergibt die Petition an Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU).
Torsten Küllig (53, Freie Wähler, l.) übergibt die Petition an Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU).  © Petra Hornig

Die Staatlichen Kunstsammlungen haben 143 Kunstwerke umbenannt, da deren Titel rassistisch oder diskriminierend seien.

"Mohr", "Zigeuner" und "Eskimo" wurden durch Pünktchen ersetzt. Eine Petition dagegen wurde am gestrigen Montag dem Landtag übergeben.

Trotz Absperrungen und Polizeipräsenz wegen der angekündigten Demo übergab Initiator Torsten Küllig (53, Freie Wähler) 8001 Unterschriften an Landtagspräsident Matthias Rößler (66, CDU).

Das Thema kann nun im Petitionsausschuss beraten werden.

Külligs Wunsch: "Sofern heute bestimmte Begriffe aus früheren Zeiten negativ besetzt sind, kann dem Kunstwerk eine Erläuterung hinzugefügt werden. Die originalen Namen müssen aber erhalten bleiben."

Titelfoto: Andreas Weihs

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