Altersheim war zu langweilig: Seniorin zieht aus und verschenkt ihr Vermögen

Dresden - Wer einmal in einer altersgerechten Wohnung mit der Möglichkeit der Pflege wohnt, zieht dort normalerweise nicht mehr aus. Rosemarie Fischer (86) hat genau das getan, obwohl sie seinerzeit schon 80 Jahre alt war.

Auf Anregung von Rosemarie Fischer (86, r.) wurde die Blasewitzer Kaffeetafel ins Leben gerufen. Mit dabei: Die Chefin der Bürgerstiftung Katrin Sachs (52).
Auf Anregung von Rosemarie Fischer (86, r.) wurde die Blasewitzer Kaffeetafel ins Leben gerufen. Mit dabei: Die Chefin der Bürgerstiftung Katrin Sachs (52).  © Holm Helis

Sechs Jahre später wohnt sie noch immer in ihrer eigenen Wohnung. Und sie macht sich Gedanken, wie sie das Stadtviertel unterstützen kann, an dem seit frühester Kindheit ihr Herz hängt - Blasewitz.

Deshalb sitzt die fitte Seniorin an diesem Nachmittag auch im Garten der dort ansässigen Bürgerstiftung Dresden. Dort werden die letzten Handgriffe am neuen Holzzaun gemacht, der gerade denkmalgerecht gebaut wird. Den hat sie gespendet, genau wie das dazugehörige Tor. Die Kosten: mehrere Tausend Euro. 

Und das ist nicht die einzige Unterstützung. "Ich habe überlegt, was mit meiner Wohnung, den Bildern, Möbeln und dem Meissener Porzellan wird. 

"Ich will ja noch sehen, wie sich jemand freut", sagt die hochbetagte Dame, die keine Angehörigen mehr hat.

So entstand die "Blasewitzer Kaffeetafel"

Rosemarie Fischer hat Zaunfelder und ein neues Tor für die Bürgerstiftung in ihrem Heimatbezirk Blasewitz gespendet.
Rosemarie Fischer hat Zaunfelder und ein neues Tor für die Bürgerstiftung in ihrem Heimatbezirk Blasewitz gespendet.  © Holm Helis

Deshalb soll das Porzellan an die Bürgerstiftung gehen. Dort ist die Freude groß. "Ich habe gesagt, wir warten nicht, bis sie nicht mehr da sind", sagt Geschäftsführerin Katrin Sachs (52).

Deshalb trifft man sich jetzt regelmäßig zum Kaffee. Damit war die Idee der "Blasewitzer Kaffeetafel" geboren, die im nächsten Jahr zum hundertjährigen Jubiläum der Eingemeindung durch das Viertel wandern soll.

Zu dem hat Rosemarie Fischer eine besondere Beziehung. "Mein Großvater Helmuth Schreck war mit dem bekannten Architekten Emil Scherz befreundet und hat sich von ihm 1896 am Schillerplatz ein Geschäftshaus bauen lassen." 

Das wurde 1945 allerdings ausgebombt. Das Grundstück blieb bis zur Wende leer. Danach holte sie es sich zurück. 1993 verkaufte sie das Grundstück an einen Dresdner. 

Malerisch liegt er da, der Dresdner Stadtteil Blasewitz am linken Ufer der Elbe. Seit frühester Kindheit hängt das Herz der Seniorin an dem historischen Villenviertel.
Malerisch liegt er da, der Dresdner Stadtteil Blasewitz am linken Ufer der Elbe. Seit frühester Kindheit hängt das Herz der Seniorin an dem historischen Villenviertel.  © Robert Michael

"Ich wollte nicht, dass es ein westdeutscher Hai bekommt", sagt die Seniorin und lacht.

Titelfoto: Holm Helis

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