"Ansteckender als Corona": Dresdner Kampagnen-Slogan spaltet die Stadt

Dresden - Um den Zusammenhalt der Gesellschaft während der Corona-Krise zu stärken, startete die Stadt eine Plakat-Aktion, wirbt bei den Bürgern um rege Beteiligung. Was gut gemeint ist, weckt allerdings nicht bei allen positive Gefühle.

Auf 270 solcher Werbeflächen im Stadtgebiet wirbt die Stadt für ihre Aktion.
Auf 270 solcher Werbeflächen im Stadtgebiet wirbt die Stadt für ihre Aktion.  © Norbert Neumann

Denn der Titel der Mitmach-Kampagne lautet #AnsteckenderAlsCorona. Auf 270 Werbeflächen der City-Lights-Plakate können Dresdner seit einigen Tagen die Botschaft der Stadt und Marketinggesellschaft sehen.

"Liebe, Fantasie, Zusammenhalt. #AnsteckenderAlsCorona", heißt es darauf.

Kulturschaffende, Unternehmen und Bürger sollen unter diesem Hashtag (#) Foto- und Video-Botschaften in den sozialen Netzwerken verbreiten, mit positiven Statements Mut machen.

Dresdner posteten daraufhin auf der städtischen Facebook-Seite selbst gebastelte Mundschutze, Garten-Bilder, schrieben dazu nette Zeilen. Doch vor dem Hintergrund Zehntausender Toter lässt sich über den Aktions-Hashtag, der mit jedem Beitrag verbreitet wird, streiten.

"Ich finde das schwierig. Corona ist extrem negativ besetzt, ansteckend auch eher negativ", sagt Künstler Thomas Reichstein. "Ich hätte einen anderen Slogan gewählt."

Ein leitender Touristiker, der anonym bleiben will, findet den Slogan "pietätlos". Anders der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Johannes Lohmeyer (56): "Wenn wir auffallen wollen, müssen wir ein bisschen provozieren. Ich finde die Kampagne gut."

Dresdens Marketing-Chefin Corinne Miseer (44).
Dresdens Marketing-Chefin Corinne Miseer (44).  © Thomas Türpe
Tourismus-Chef Johannes Lohmeyer (56) findet die Kampagne gut.
Tourismus-Chef Johannes Lohmeyer (56) findet die Kampagne gut.  © Petra Hornig
"Schwierig": Künstler Thomas Reichstein hätte einen anderen Slogan gewählt.
"Schwierig": Künstler Thomas Reichstein hätte einen anderen Slogan gewählt.  © Eric Münch

Stadtsprecher Kai Schulz (45): "Die Aktion verharmlost Corona nicht und auch nicht das Leid, das für viele Menschen damit verbunden ist. Ganz im Gegenteil." Es sollten Werte in den Mittelpunkt gerückt werden, die gerade in der Ausnahmesituation gefragt seien.

OB Dirk Hilbert (48, FDP) dazu: "Ein bisschen Lockerheit sollten wir mitbringen."

Titelfoto: Petra Hornig, Norbert Neumann

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