Corona-Protest in Dresden: Polizei erntet Kritik für harten Umgang mit Gegen-Demonstranten

Dresden - Während am Donnerstagabend "Querdenker" und Corona-Leugner durch Dresden "spazierten" und für Chaos sorgten, gab es auch eine friedliche Gegendemonstration vor dem Universitätsklinikum. Die Polizei ging gegen die Aktion vor und handelte sich damit viel Kritik in den sozialen Netzwerken ein.

Mit Sprüchen wie "Impfen statt Schimpfen" positionierten sich Medizinstudentinnen und Krankenhausmitarbeiter vor der Uniklinik, um gegen "Querdenker" zu protestieren.
Mit Sprüchen wie "Impfen statt Schimpfen" positionierten sich Medizinstudentinnen und Krankenhausmitarbeiter vor der Uniklinik, um gegen "Querdenker" zu protestieren.  © Norbert Neumann

Tausende Demonstranten zogen am Abend durch Sachsens Hauptstadt, darunter auch Mitglieder von Pegida, der rechtsextremen "Freien Sachsen" und der "Identitären Bewegung". Laut Polizei wurden im Laufe der Corona-Proteste insgesamt mehr als 200 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Knapp ein Zehntel davon, nämlich 22 Stück, trafen allerdings keine Corona-Leugner oder wütende "Querdenker", sondern friedliche Gegendemonstranten.

Dutzende Medizinstudenten und Beschäftige des Universitätsklinikums Dresden hatten sich auf der Blasewitzer Straße gesammelt, um gegen Hass, Verschwörungstheorien und für das Impfen zu protestieren - quasi als Konter-Aktion zu all den Impf-Kritikern und Pandemie-Leugnern.

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Sie standen in Arztkittel gekleidet vor den Klinikmauern und hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie "Impfen statt Schimpfen" oder "Doktorhut statt Aluhut".

Zahlreichen Berichten zufolge ging die Polizei dann allerdings gegen diesen Gegenprotest vor: Die Studenten und Mediziner sollen eingekesselt worden sein, außerdem seien gegen sie Platzverweise und Ordnungswidrigkeitsanzeigen ausgestellt worden.

Auf Twitter wird über den Gegen-Prostet der Medizinstudenten berichtet

Die Polizei will die Vorwürfe zunächst nicht "leugnen"

Auf Twitter verbreiteten sich schnell Bilder und Infos zum Vorgehen der Dresdner Polizei, zahlreiche User stellten die Frage: Warum greifen die Ordnungshüter gegen friedliche Gegendemonstranten durch, während "Querdenker" an anderen Orten der Stadt frei "spazieren" dürfen?

Mit den Vorwürfen konfrontiert reagierte der offizielle Twitter-Account der Polizei Sachsen zunächst mit einer ausgesprochen unglücklich formulierten Mitteilung: "Der Einsatz ist gerade sehr dynamisch und wir bitten um Verständnis, dass wir diesen Vorwurf derzeit weder bestätigen, noch leugnen können."

Gerade das Wort "leugnen" stieß den Twitter-Nutzern dabei böse auf, erneut posteten viele User Kritik an der Polizei. Die löschte deshalb kurze Zeit später ihren ursprünglichen Tweet und veröffentlichte ihn in einer überarbeiteten Version neu.

Diesmal baten sie um Verständnis, dass man den Vorwurf derzeit "weder bestätigen, noch dementieren" könne.

22 Verfahren gegen die Gegen-Demonstranten wegen Verstoßes gegen Sachsens Corona-Regeln

Nach dieser Tweet-Panne standen die Vorwürfe aber immer noch im Raum und es war weiterhin unklar, ob die Polizei tatsächlich vergleichsweise hart mit den Gegendemonstranten umgegangen war. Auf die direkte Nachfrage eines Journalisten von ZDF-Frontal gab es dann die Klarstellung.

Laut der Polizei Sachsen wurden gegen 22 Teilnehmer der Protestaktion an der Blasewitzer Straße Verfahren wegen des Verstoßes gegen die Corona-Notfallverordnung von Sachsen eingeleitet.

Dabei soll es also nicht um deren Uniformierung mit Arztkitteln gegangen sein, wie zwischenzeitlich im Raum stand, sondern darum, dass sie mit ihrer Versammlung gegen die Regeln im Freistaat verstoßen hatten.

Auf TAG24-Nachfrage betonte ein Sprecher der Dresdner Polizeidirektion noch einmal, dass die Identitäten der 22 Demonstranten, gegen die ein Verfahren eingeleitet wurde, bei einer normalen "polizeilichen Maßnahme" festgestellt worden seien.

Studentin berichtet: "Unsere Zivilcourage wurde völlig aufgelöst"

Einer der "Spaziergänger" diskutierte mit den Gegen-Demonstranten. Zivilcourage zeigen wurde den Studenten und Klinikmitarbeitern nicht gerade leicht gemacht.
Einer der "Spaziergänger" diskutierte mit den Gegen-Demonstranten. Zivilcourage zeigen wurde den Studenten und Klinikmitarbeitern nicht gerade leicht gemacht.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Besonders zufriedenstellend war die Twitter-Erklärung der Polizei für einige User offenbar immer noch nicht. Zudem blieb weiterhin der Vorwurf bestehen, dass die friedlichen Medizinstudenten und Klinik-Mitarbeiter von den Ordnungshütern nicht nur kontrolliert, sondern sogar eingekesselt wurden.

Die Studentin Laura Lejeune, die laut eigenen Aussagen Teil des Gegenprotests vor der Uniklinik war, beschrieb ihre Erlebnisse in einem Twitter-Thread.

"Wir waren ruhig, hatten Masken auf. Wir wurden von der Polizei angesprochen, wo wir denn hinwollten. Die Schwurbler standen daneben und hörten ungestört zu. Meine Freunde wurden in einen Kessel getrieben damit ihre Personalien aufgenommen werden konnten", schreibt Laura. "Nach gerade mal einer einzigen Stunde wurde die Zivilcourage von uns Medizinstudenten völlig aufgelöst."

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Nach den Corona-Protesten am gestrigen Donnerstagabend gibt es viele Geschehnisse aufzuarbeiten und zu analysieren. Der Umgang mit diesen Gegendemonstranten gehört ohne Zweifel dazu.

Titelfoto: Norbert Neumann

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