Coronahilfe: Fällt Sachsens Mittelstand durchs Raster?

Dresden/Schwarzenberg - Sachsens Mittelstand schlägt Alarm: Die Unternehmen fühlen sich in der Corona-Krise allein gelassen und bemängeln, dass sie trotz teils existenzieller Bedrohung bisher durchs Förder-Raster von Bund und Land fallen.
Die Mittelständler René Lang (43), Ulrike Schröder (42) und Marko Ullmann (41, v.l.) gründeten eine Initiative, um sich Gehör zu verschaffen. 
Die Mittelständler René Lang (43), Ulrike Schröder (42) und Marko Ullmann (41, v.l.) gründeten eine Initiative, um sich Gehör zu verschaffen.  © Maik Börner

Im Erzgebirge haben sich Betriebe daher zur Initiative "Der vergessene Mittelstand" zusammengeschlossen. René Lang (43), Chef von Lang Reisen in Schwarzenberg mit 45 Mitarbeitern: "Wir repräsentieren mittlerweile 30 Unternehmen aus der Region, über 1200 Arbeitnehmer, von der Spedition über Friseure bis zum Hotel." 

Es gebe eine deutliche Förder-Lücke für den Mittelstand, beklagen die Betriebe. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand."

Er könne weder mit Soforthilfen rechnen und zweifle die Wirksamkeit der angebotenen Kredite an. "Fakt ist: Es muss geholfen werden." 

Lang sieht angesichts der Höhe der nötigen Hilfen vor allem den Bund in der Pflicht, fordert Zuschüsse und Kredite, die nach Leistungsfähigkeit zurückgezahlt werden mit langer Laufzeit. Zudem eine hundertprozentige Haftungsfreistellung durch den Staat. Genau das ist auf Bundesebene bereits im Gespräch.

Auch Verbände wie der Handelsverband Sachsen hatten die aktuellen Förderprogramme kritisiert. Es gehe um Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als einer Million Euro. 

Sachsens FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt (37) hatte ebenfalls Hilfen für das "Rückgrat der sächsischen Wirtschaft" gefordert, ebenso Linke und Grüne.

Durch Corona ist der Tourismus tot: Die Busse von Lang Reisen stehen auf dem Hof in Schwarzenberg.
Durch Corona ist der Tourismus tot: Die Busse von Lang Reisen stehen auf dem Hof in Schwarzenberg.  © Maik Börner
Sachsens FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt (37) fordert mehr Unterstützung der Unternehmer in der Krise.
Sachsens FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt (37) fordert mehr Unterstützung der Unternehmer in der Krise.  © dpa/Peter Endig
Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) will noch diese Woche Hilfen für die Wirtschaft ausweiten.
Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) will noch diese Woche Hilfen für die Wirtschaft ausweiten.  © Petra Hornig

Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) kündigte bereits eine Erweiterung der Hilfen an, noch diese Woche. Bereits heute in der Sonder-Kabinettssitzung könnte eine Entscheidung fallen. "Unser Ziel ist es, insbesondere dem sächsischen Mittelstand effektiv dabei zu helfen, gut durch die Krise zu kommen." 

Das Ministerium verwies darauf, dass bereits 90 Prozent der sächsischen Betriebe durch die aktuelle Förderung geholfen werden könne.

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Titelfoto: Maik Börner, Petra Hornig

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