Coronavirus: Krankenschwester am Dresdner Uniklinikum erfolgreich mit Remdesivir behandelt

Dresden - Die Krankenschwester Jenny Fischer aus Niesky (Sachsen) ist die erste COVID-19-Patientin, die am Universitätsklinikum "Carl Gustav Carus" Dresden mit dem antiviralen Wirkstoff Remdesivir behandelt wurde. Und das mit Erfolg! Die 53-Jährige wurde am Donnerstag entlassen.

Nach ihrer überstandenen SARS CoV2-Infektion hat Jenny Fischer noch auf der Intensivstation damit begonnen, ihre durch die Erkrankung geschwächte Lunge zu trainieren.
Nach ihrer überstandenen SARS CoV2-Infektion hat Jenny Fischer noch auf der Intensivstation damit begonnen, ihre durch die Erkrankung geschwächte Lunge zu trainieren.  © Uniklinikum Dresden Marc Eisele

Knapp drei Wochen lang wurde Jenny Fischer auf der Intensivstation der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie behandelt. Davon musste sie ganze sieben Tage maschinell beatmet werden.

Am Mittwoch, also einen Tag vor ihrer Entlassung, traute sich die Patientin dann, einen ersten kurzen Gang auf der Station zu unternehmen. Dass es ihr wieder besser geht, hat sie, neben der intensiven Pflege durch das Klinikpersonal, vor allem auch einem ganz bestimmten Wirkstoff zu verdanken!

"Weil sich der Zustand der Patientin unmittelbar nach der Verlegung aus einem Görlitzer Krankenhaus drastisch verschlechtert hatte, entschieden sich die Intensivmediziner des Uniklinikums für die Gabe des derzeit nur im Rahmen von Studien anwendbaren Remdesivir", heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikums.

Und weiter: "Dieses ursprünglich gegen das Ebola-Virus entwickelte Medikament hat bei COVID-19-Patienten positive Effekte gezeigt: Es milderte schwere Verläufe ab und verkürzte die Zeitspanne intensivmedizinischer Versorgung."

Die Patientin selbst ist heilfroh über den Behandlungserfolg: "Ich habe mich in die Hände der Menschen hier am Uniklinikum gegeben, weil ich wusste, dass ich nur so überleben kann." Bis zu ihrer Entlassung lag sie auf der Corona-Intensivstation des Dresdner Uniklinikums. 

"Ich war immer für andere da und bin wie meine Mutter ein Stehaufmännchen. Dass das Coronavirus jemanden wie mich, der vorher keine gesundheitlichen Probleme hatte, so schwer erkranken lässt, hätte ich nicht geglaubt. Vor der Verlegung nach Dresden hatte ich durch meine Atemprobleme Todesangst", sagt Jenny Fischer.

Auf dem aktuellen Stand der Medizin

Die Intensivschwester Marie Kucianova (links) und Dr. Laura Heim, Ärztin in Weiterbildung (rechts), gehörten zum Team der Intensivstation, die 20 Tage COVID-19-Patientin Jenny Fischer versorgt haben.
Die Intensivschwester Marie Kucianova (links) und Dr. Laura Heim, Ärztin in Weiterbildung (rechts), gehörten zum Team der Intensivstation, die 20 Tage COVID-19-Patientin Jenny Fischer versorgt haben.  © Uniklinikum Dresden Marc Eisele

"Die intensivmedizinische Versorgung von Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen ist auch für die Intensivmedizin eines Universitätsklinikums eine große Herausforderung", sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums.

Dank der über viele Jahre aufgebauten Sachkenntnis und der Vernetzung mit Fachkollegen aus der ganzen Welt sei es möglich, Therapien auf dem aktuellen Stand der Medizin anzubieten. "Dass wir auf diese Weise Leben retten können, zeigt die Bedeutung der universitären Spitzenmedizin", sagt Albrecht weiter.

Großes Plus: An der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Dresdner Uniklinikums wurde bereits vor Jahren ein Zen­trum für differenzierte Lungenunterstützung etabliert. Hier hat man sich auf die Therapie besonders komplexer Beatmungsfälle spezialisiert.

Nicht erst seit der COVID-19-Pandemie bietet die Einrichtung als überregionales Zentrum spezielle Verfahren an, beispielsweise die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), bei der eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktion des Patienten übernimmt.

"Auch außerhalb der COVID-19-Epidemie behandeln wir auf unserer Intensivstation jährlich etwa 50 Patienten mit schwersten Formen des akuten Lungenversagens auf unserer Intensivstation", erklärt Prof. Peter Spieth. Der Anästhesiologe und Intensivmediziner leitet das Zentrum für Akutes Lungenversagen (ARDS) und Extrakorporale Membranoxygenierung an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie.

Erstmalige Gabe des antiviralen Wirkstoffs Remdesivir

Der Wirkstoff Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt. Es gilt als ein mögliches Therapeutikum, um schwere SARS-CoV2-Infektionen zu behandeln. In Deutschland wird das Mittel in klinischen Studien getestet, an denen sich auch das Uniklinikum Dresden beteiligt.
Der Wirkstoff Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt. Es gilt als ein mögliches Therapeutikum, um schwere SARS-CoV2-Infektionen zu behandeln. In Deutschland wird das Mittel in klinischen Studien getestet, an denen sich auch das Uniklinikum Dresden beteiligt.  © Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa

"Die Gabe von Remdesivir ist eine von mehreren Optionen, COVID-19-Patienten mit spezifischen, aber noch nicht in der klinischen Routine etablierten Therapien zu versorgen. 

Mit der erstmaligen Gabe des antiviralen Wirkstoffs haben wir guten Gewissens Neuland betreten können", sagt Prof. Thea Koch, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Dresdner Uniklinikums.

Koch weiter: "Denn die Versorgung schwerstkranker Menschen ist Alltag auf unserer Intensivstation, bei der wir regelmäßig nach neuen Wegen suchen und uns dazu eng mit Kollegen aus der ganzen Welt vernetzt haben. So gelang es uns, nach der Entscheidung für die Gabe von Remdesivir bei dieser Patientin den Wirkstoff sehr kurzfristig zu bekommen."

Jenny Fischer, die inzwischen viel gelöster wirkt, bleibt jedoch nachdenklich: "Ich kann die Menschen nicht verstehen, die sich nicht vor dem Coronavirus schützen oder die Krankheit herunterspielen".

Dresdner Uniklinikum fachlich und technisch optimal vorbereitet

Die Corona-Intensivstation im Uniklinikum Dresden.
Die Corona-Intensivstation im Uniklinikum Dresden.  © Sebastian Kahnert/dpa

Vor ihrer Entlassung zeigte ihr das Ärzteteam die CT-Bilder ihrer Lunge vom Tag der Verlegung ins Uniklinikum. Die Entzündungsreaktion auf das "SARS CoV2"-Virus habe mehr als die Hälfte ihrer Lunge befallen, was sie in Lebensgefahr brachte. Eine lebensgefährliche Diagnose!

Unmittelbar nach ihrer Übernahme aus Görlitz waren eine maschinelle Beatmung sowie eine Bauchlagerungstherapie nötig. Computertomographische Bilder der Lunge und spezielle Labortests zeigten den Intensivmedizinern, dass für COVID-19 typische periphere Lungenarterienembolien vorlagen, die entsprechend behandelt wurden.

Zusammen mit der Gabe von Remdesivir besserte sich der Gesundheitszustand von Jenny Fischer bald und die invasive maschinelle Beatmung konnte nach gut einer Woche beendet werden. 

Jetzt, 16 Tage später, macht die 53-Jährige regelmäßig Atemübungen. In den nächsten Wochen werden sie in einer Rehaklinik intensiv fortgesetzt. Sie hofft, bald wieder als Krankenschwester arbeiten zu können.

Dass das Uniklinikum und das Team der Intensivstation stolz und sehr zufrieden sind über den Behandlungserfolg, versteht Jenny Fischer absolut. Ihr selbst und ihrem Team gehe es bei der Arbeit auf einer chirurgischen Station ebenso, wenn es etwa um die erfolgreiche Versorgung großer Wunden geht.

Obwohl das Dresdner Uniklinikum "fachlich und technisch optimal auf die Versorgung von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten vorbereitet" ist, sei "diese Erkrankung aufgrund der teilweise sehr langen und medizinisch komplexen Verläufe nicht zu unterschätzen und unterstreicht die Notwendigkeit spezialisierter Intensivstationen", betont Prof. Michael Albrecht noch einmal.

Titelfoto: Uniklinikum Dresden Marc Eisele

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