Abschiebe-Angst: Angeklagter machte sich 12 Jahre jünger

Dresden - "Herr Richter, ich möchte reinen Tisch machen." Dieser Satz fällt in Strafprozessen öfter. Auch Sami B. erklärte sich am Freitag so im Amtsgericht. Doch er gestand nicht nur reuig seine Tat. Er sagte auch, wer er in Wahrheit ist!

Sami B. (34) gab am Amtsgericht plötzlich seine wahre Herkunft und sein wahres Alter bekannt.
Sami B. (34) gab am Amtsgericht plötzlich seine wahre Herkunft und sein wahres Alter bekannt.  © Peter Schulze

Laut Anklage war Sami einer von zwei Tätern, die im Februar 2019 am Bahnhof Mitte einen Studenten (24) schlugen, um an dessen Handy zu kommen. 

Nachdem Sami ermittelt worden war, musste er, wie üblich, zur Jugendgerichtshilfe. 

Dort schildern jugendliche Täter gemeinhin ihr bisheriges Leben. 

Die Mitarbeiter erstatten im Prozess Bericht und geben eine Empfehlung für eine mögliche Strafe ab. Immerhin ist das Jugendstrafrecht vor allem zur Erziehung der Übeltäter gedacht.

Auch Sami B., seinerzeit angeblich 21 Jahre, sprach dort über die Lebensumstände seiner Familie in Libyen, mit welchen Problemen er schon als Kind zu kämpfen hatte. 

Angeklagter log bei Namen, Alter und Herkunft

Doch im Prozess sagte er plötzlich: "Entschuldigung. Ich habe einen anderen Nachnamen, stamme aus Tunesien und bin schon 34 Jahre alt." Der Kellner habe bei seiner Einreise nach Italien falsche Angaben gemacht. "Weil Italien Tunesier sofort abschiebt..."

Doch jetzt sei alles anders: Er ging nach Deutschland, lernte seine Frau kennen und ist seit wenigen Wochen Vater. "Ich habe jetzt eine kleine Familie, um die ich mich kümmern will." 

Zum Heiraten und Arbeiten benötigt er Papiere aus der Heimat. Somit käme seine wahre Identität eh ans Licht. 

Der Richter stellte das Verfahren gegen eine Zahlung von 400 Euro an das Opfer ein.

Titelfoto: Peter Schulze

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