Damit die Saison kein Hauen und Stechen wird: Sachsens Spargelbauern sind vorbereitet

Nieschütz - Import-Spargel aus Griechenland oder Spanien liegt schon im Supermarkt. Bis die ersten Stangen im Freiland in Sachsen gestochen und verkauft werden können, vergehen je nach Witterung noch ein paar Tage. Tage, die die hiesigen Erzeuger nutzen, um sich ein bisschen neu zu erfinden. Corona hatte ihnen 2020 das Geschäft verhagelt. Auch der diesjährigen Spargel-Saison in Deutschland wird die Pandemie ihren Stempel aufdrücken. Doch diesmal trifft es die Bauern nicht unvorbereitet.

Bleispargel nennen manche auch Königsgemüse. Die Erzeuger hoffen, die Vorjahrespreise halten zu können - trotz höherer Kosten für Löhne, Sprit und Pacht.
Bleispargel nennen manche auch Königsgemüse. Die Erzeuger hoffen, die Vorjahrespreise halten zu können - trotz höherer Kosten für Löhne, Sprit und Pacht.  © imago images/Chromorange

Die Frühlingssonne küsst das Elbtal. Auf den Spargelfeldern in Nieschütz (bei Meißen) herrscht reger Betrieb. Fleißige Arbeiterinnen decken mit schwarzen Folien Dämme ab und stecken Metallstäbe in die Erde, um Tunnelzelte über den Anlagen errichten zu können.

"Spargel liebt es warm. Er wächst erst ab 12 Grad Bodentemperatur. Mithilfe der Zelte gewinnen wir etwas Vorsprung. Die Sonne heizt die Luft in den Zelten und damit auch den Boden auf", erklärt René Heidig (37), Chef der Agrar GbR Naundörfel.

Noch träumt das Edelgemüse im Boden.

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"Ich rechne damit, dass wir nach Ostern die ersten Stangen Bleispargel ernten können", sagt Heidig.

Unter Corona-Bedingungen kann es 2021 keine "Spargelmeile" in Nieschütz geben

René Heidig (37) von der Agrar GbR Naundörfel beim Prüfen eines Tunnelzeltes.
René Heidig (37) von der Agrar GbR Naundörfel beim Prüfen eines Tunnelzeltes.  © Norbert Neumann

Die Vorbereitungen für die Ernte laufen trotzdem zügig. Nach dem wirren Corona-Spargel-Jahr 2020 (Restaurants und Hotels zu, Einreise-Chaos für Erntehelfer) hat Heidig die vergangenen Monate genutzt, um seinen Vertrieb neu aufzustellen.

Der Spargelbauer: "Traditionell gehört die Gastronomie zu unseren Großabnehmern. Da Gaststätten und Restaurants geschlossen sind, haben wir jetzt in Verkaufsstände investiert und entsprechende Verträge geschlossen."

Bis nach Elbflorenz lässt er bald täglich sein Edelgemüse zu den privaten Endverbrauchern bringen. Vor dem Simmel-Center am Dresdner Albertplatz wird die Agrar GbR Naundörfel einen Verkaufsplatz etablieren. Weitere Stände von ihr werden in Meißen, Radebeul und Weinböhla beliefert.

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Heidig: "Wir müssen uns an die Gegebenheiten anpassen." Das heißt auch: Unter Corona-Bedingungen kann es 2021 keine "Spargelmeile" in Nieschütz geben.

"Wir haben zusammen mit der Gastronomie beschlossen, noch ein weiteres Jahr auszusetzen", so Heidig.

Spargelbauer René Heidig hofft auf ausgezeichnete Erträge

René Heidig schreitet ein Spargelfeld ab. In diesem Frühjahr gab es für sein Unternehmen schon böse Überraschungen: Stürme hatten Spargel-Zelte zerfetzt und fortgetragen.
René Heidig schreitet ein Spargelfeld ab. In diesem Frühjahr gab es für sein Unternehmen schon böse Überraschungen: Stürme hatten Spargel-Zelte zerfetzt und fortgetragen.  © Norbert Neumann

Der Bauer geht mit gedämpftem Optimismus in die Erntesaison.

Sein Betrieb bewirtschaftete im vergangenen Jahr nur die Hälfte der geplanten Spargel-Anbauflächen. Heidig ging damals diesen drastischen Schritt, weil er Sorge hatte, wegen der Corona-Krise auf seinem Spargel sitzen zu bleiben.

Diese einjährige "Ruhepause" könnte nun dafür gesorgt haben, dass die Spargel-Pflanzen in diesem Jahr famos im Saft stehen und ausgezeichnete Erträge liefern.

Auch Elizabeth Schöne (29) vom Spargelhof Ponikau (bei Thiendorf) blickt guten Mutes voraus. Der Betrieb ist breit aufgestellt als Obst- und Gemüseerzeuger, konnte sich als Direktvermarkter in der Vergangenheit bereits einen Namen machen.

Die Gartenbau-Ingenieurin hofft, dass die Sachsen sich auch in diesem Jahr Zeit zum Kochen nehmen und zu heimischem Spargel greifen werden. Elizabeth Schöne kündigt an: "Mitte April werden wir unseren ersten Freiland-Spargel liefern können."

Gemüseanbau insgesamt rückläufig

Am vergangenen Freitag wurden in Nieschütz Spargel-Dämme mit Folien abgedeckt.
Am vergangenen Freitag wurden in Nieschütz Spargel-Dämme mit Folien abgedeckt.  © Norbert Neumann

In Sachsen wurden 2020 im Freiland insgesamt 40.800 Tonnen Gemüse von 177 Betrieben geerntet. Im Vergleich zu 2019 schrumpfte die Gemüseanbaufläche um 280 Hektar (sieben Prozent) auf nur noch 3700 Hektar. Rund 36 Prozent der Gemüseanbaufläche beackern 61 Betrieben vollständig ökologisch.

Die "Top 3" der angebauten Gemüse im Freistaat: Erbsen (rund 2 290  ha Anbaufläche), Zwiebeln (450 ha) und Buschbohnen (360 ha).

Im Ertrag stehender Spargel wuchs auf 157 Hektar. Von der gesamten Erntemenge entfielen 13.920 Tonnen (34 %) auf Zwiebeln, 10.400 Tonnen auf Frischerbsen (26 %), 3120 Tonnen (8 %) auf Möhren/Karotten und 3020 Tonnen (7 %) auf Weißkohl.

Unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen bewirtschafteten 85 Betriebe gut 27 Hektar. Sie ernteten unter diesen geschützten Bedingungen knapp 2900 Tonnen Gemüse - vor allem Salatgurken (2200 Tonnen) und Tomaten (460 Tonnen).

Das Herz des sächsischen Gemüseanbaus schlägt im Landkreis Meißen (1430 Hektar Anbaufläche).

"31 Betriebe mit über 30 Hektar Gemüseanbaufläche bewirtschafteten drei Viertel der mit Gemüse bestellten Freilandfläche", so das Statistische Landesa

Ohne Osteuropäer läuft auch dieses Jahr nichts

Spargel-Stechen ist eine schwere körperliche Arbeit, die zudem Geschick und Erfahrung verlangt. Nur wenige Erntehelfer aus Deutschland melden sich für diese Jobs.
Spargel-Stechen ist eine schwere körperliche Arbeit, die zudem Geschick und Erfahrung verlangt. Nur wenige Erntehelfer aus Deutschland melden sich für diese Jobs.  © dpa/Jens Büttner

Die arbeitsintensive Spargelernte könnte hierzulande ohne zusätzliche fleißige Hände aus Osteuropa nicht gestemmt werden.

Auch René Heidig von der Agrar GbR Naundörfel stellt neben heimischen Saisonkräften etwa 20 Spargelstecher aus Polen, der Ukraine und Rumänien an: "Die meisten von ihnen kommen seit Jahren zu uns. Inzwischen pflegen wir fast familiäre Beziehungen."

Die Einreise sowie Unterbringung der Helfer vor Ort ist an strenge Corona-Auflagen und Tests geknüpft. "Zurzeit gibt es da keine Probleme", so Heidig. Die Gesundheitsämter sind Ansprechpartner für die Unternehmen.

"Wir haben ein Hygienekonzept und bilden Arbeitsgruppen, um das Ansteckungsrisiko im Betrieb größtmöglich zu reduzieren", erklärt René Heidig.

Er ergänzt: "Es wäre ein Alptraum, wenn unsere gesamte Mannschaft mitten in der Saison 14 Tage in Quarantäne müsste."

Ohne Saisonarbeitskräfte käme die gesamte deutsche Landwirtschaft auf keinen grünen Zweig.

März 2020 herrschten wegen Corona Einreisebeschränkungen für Erntehelfer aus dem Ausland. Sie fehlten, konnten aber später im April eingeflogen werden.
März 2020 herrschten wegen Corona Einreisebeschränkungen für Erntehelfer aus dem Ausland. Sie fehlten, konnten aber später im April eingeflogen werden.  © dpa/Thomas Frey

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied (59), stellt fest: "Wir brauchen diese erfahrenen Mitarbeiter, um die Versorgungssicherheit mit frischen, heimischen Lebensmitteln zu gewährleisten."

Titelfoto: Montage: imago images/Chromorange, Norbert Neumann

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