Wenn das Virus das öffentliche Leben in Dresden lähmt: Eine Stadt im Corona-Modus

Dresden - Veranstaltungen, sogar Gottesdienste abgeblasen, Museen geschlossen, selbst Kreisligaspiele abgesagt. Und die Politik warnt vor (echten) sozialen Kontakten. Nur wie funktioniert das alles in der Realität? Auch Dresden war Sonntag eine Stadt im Corona-Modus.

Den ganzen Tag über gut gefüllt waren die Spielplätze der Stadt. Mal sehen, wie lange die Kleinen das noch dürfen.
Den ganzen Tag über gut gefüllt waren die Spielplätze der Stadt. Mal sehen, wie lange die Kleinen das noch dürfen.  © Steffen Füssel

Zweistellige Plusgrade, Sonnenschein, eine kühle Brise. Ganz klar, im Normalfall würde Dresden bei diesem Frühlingswetter regelrecht brummen. Auch Sonntagmittag ist die Stadt keinesfalls leer. Im Gegenteil: Viele Menschen zieht es ins Freie. 

Hobbysportler flitzen trotz abgesagtem Citylauf über die Gehwege, andere spazieren. Kauffrau Sabine Müller (62) bestätigt: "Man darf nicht in Panik verfallen. Ich wasche oft meine Hände und gehe Corona einfach aus dem Weg."

Der Fährgarten in der Johannstadt ist ordentlich gefüllt, der Spielplatz davor rappelvoll mit tobenden Kindern, "August der Starke" schippert auf der Elbe. Biergarten-Chef Jens Bauermeister (55) sagt: "Die Leute kommen, trinken Radler, Bier oder Glühwein. Sie wollen sich eben nicht alles verbieten lassen. Allerdings bin ich auf die Entwicklung der nächsten Tage gespannt."

Durch Grenzschließungen bleiben Touristen aus den Nachbarländern fern. Am Terrassenufer steht einsam ein einziger Reisebus aus Thüringen. Das internationale Stimmengewirr auf dem Neumarkt ist verstummt. 

Coronavirus erhitzt die Gemüter

Weniger Touristen in Dresden: Dennoch genossen zahlreiche Passanten am Wochenende Sonnenschein und erste Frühlingsboten.
Weniger Touristen in Dresden: Dennoch genossen zahlreiche Passanten am Wochenende Sonnenschein und erste Frühlingsboten.  © Eric Münch

Vereinzelte Ausflügler wie auch Einheimische flanieren trotzdem um die Frauenkirche. So wie Jens Schildmann (50) und seine Frau Simone (45) aus Detmold (NRW). "Wir wohnen im Hilton, haben die Städtereise schon länger gebucht und auch nicht darüber nachgedacht, abzusagen. Wir genießen Dresden."

Doch Corona spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Beziehungen. Eva Gembe (39) aus München gesteht: "Wir haben uns deswegen oft in den Haaren. Ich finde es richtig, das öffentliche Leben komplett runterzufahren."

Nach einer Rundreise durch Polen endete der Trip mit ihrem Freund Mario Gerards (35) Sonntag in Dresden. Er meint: "Das normale Leben sollte weitergehen, vieles wird total übertrieben dargestellt." 

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Corona? Leck mich doch! Konstantin (5) lässt sich an der Elbe ein Softeis (Schoko-Vanille) schmecken.
Corona? Leck mich doch! Konstantin (5) lässt sich an der Elbe ein Softeis (Schoko-Vanille) schmecken.  © Steffen Füssel
Sie findet die Einschränkungen richtig, er alles übertrieben: Eva Gembe (39) und Mario Gerards (35) auf Stippvisite in der Stadt.
Sie findet die Einschränkungen richtig, er alles übertrieben: Eva Gembe (39) und Mario Gerards (35) auf Stippvisite in der Stadt.  © Steffen Füssel
Keine Angst vor Nähe: Die Touristen Jens Schildmann (50) und Gattin Simone (45) genießen den Städtetrip nach Dresden.
Keine Angst vor Nähe: Die Touristen Jens Schildmann (50) und Gattin Simone (45) genießen den Städtetrip nach Dresden.  © Steffen Füssel
"Wir gehen Corona aus dem Weg!" Fährgarten-Chef Jens Bauermeister (55) bewirtet Sabine Müller (62) und Lutz Birngruber (55) mit Radler und Glühwein.
"Wir gehen Corona aus dem Weg!" Fährgarten-Chef Jens Bauermeister (55) bewirtet Sabine Müller (62) und Lutz Birngruber (55) mit Radler und Glühwein.  © Steffen Füssel

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