"Den Menschen was zum Hoffen geben": Deshalb hält OB Hilbert am Striezelmarkt fest

Dresden - Egal ob Leipzig, Zwickau oder Annaberg-Buchholz: Reihum werden wegen rapide gestiegener Corona-Zahlen die Weihnachtsmärkte abgesagt. Nur Dresden bleibt stur. TAG24 hat den Oberbürgermeister gefragt: Warum halten Sie am Striezelmarkt fest, Herr Hilbert?

Vergangenes Jahr noch normal, dieses Jahr undenkbar: ein regulärer Striezelmarkt auf dem Altmarkt.
Vergangenes Jahr noch normal, dieses Jahr undenkbar: ein regulärer Striezelmarkt auf dem Altmarkt.  © Eric Münch
TAG24: Wie kaum eine andere Stadt klammert sich Dresden an die Märkte. Die SPD unterstellt Ihnen sogar eine Weihnachtsmarkt-Obsession. Was ist da dran?

OB Dirk Hilbert: Nichts. Auch andere Bürgermeister kämpfen sehr stark. Die wirtschaftliche Bedeutung ist dabei das eine. Was mir viel wichtiger ist: Die Menschen brauchen eine Perspektive. Der Winter ist lang, und wenn erst ab Mai neuer Spielraum in Sicht wäre, ist das zu wenig für ein Miteinander. Weihnachten als Familienfest darf uns nicht genommen werden. Wenn es möglich ist, will ich etwas zum Hoffen geben.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Mehr als nichts geht immer. Vielleicht gibt es dieses Jahr keine Glühweinbuden. Aber weiterhin finden doch Wochenmärkte statt. Ich wüsste nicht, was gegen ein normales Marktgeschehen auch auf den Weihnachtsmärkten spricht. Alles hängt an den neuen Regeln, die auf Bundes- und Landesebene Anfang nächster Woche beschlossen werden. Aber mir fehlt die Fantasie, dass die Regelungen weiter verschärft werden und auch Shopping noch verboten würde.

Das Rathaus kämpft hart um den Striezelmarkt

"Wir haben einen Plan B": OB Dirk Hilbert (49, FDP) im Interview mit TAG24.
"Wir haben einen Plan B": OB Dirk Hilbert (49, FDP) im Interview mit TAG24.  © Holm Helis

Das heißt, es gibt einen Plan B für den Striezelmarkt?

Ja, eine Möglichkeit wäre, sich auf das Thema Handel zu beschränken. Und: Wenn ab Dezember Restaurants wieder öffnen dürften, dann sollte dies auch unter freiem Himmel, also auf den Weihnachtsmärkten möglich sein. Ich weiß, dass es ähnliche Szenarien bei den kleineren, den thematischen Weihnachtsmärkten gibt.

Denen der Stadtrat einen Zuschuss in Höhe von 400.000 Euro versagt hat ...

Das war eine sehr harte Entscheidung, denn die Marktbetreiber müssen jetzt für sich überlegen, wie sie damit umgehen.

Wie ist die Stimmung im Rathaus beim Thema Striezelmarkt, wo wird besonders hart geackert?

Die komplette Abteilung Marktwesen kämpft. Die aktuelle Lage geht dort hart aufs Gemüt. Alle werden dünnhäutiger. Der Aufwand ist gewaltig. Aber es lohnt sich, auch die Kultur sehnt sich nach Auftritten.

Wann geben Sie das Thema Striezelmarkt auf?

Wenn die entsprechenden Schutzverordnungen Weihnachtsmärkte für Dezember explizit ausschließen. So lange kämpfen wir. Zu Weihnachten gehören auch die Themen Vorfreude und Wunder.

Stadtchef Hilbert auf der Striezelmarkt-Bühne.
Stadtchef Hilbert auf der Striezelmarkt-Bühne.  © Eric Münch

Stadtrat lehnt Corona-Zuschuss ab: War's das jetzt mit den Weihnachtmärkten?

Wirtschaftlich sind die kleineren Weihnachtsmärkte, wie hier an der Frauenkirche, nicht mehr durchführbar. Abgesagt sind sie jedoch noch nicht.
Wirtschaftlich sind die kleineren Weihnachtsmärkte, wie hier an der Frauenkirche, nicht mehr durchführbar. Abgesagt sind sie jedoch noch nicht.  © imago images/ddbd

Obwohl ein Zuschuss von 400.000 Euro nur bei Nachweis tatsächlicher Corona-bedingter Mehrausgaben und nur bei Durchführung der Weihnachtsmärkte gezahlt worden wäre, lehnten Linke, Grüne und SPD im Rat ab. Die Durchführung der kleineren Märkte steht vor dem Aus.

"Die Diskussion im Rat war schlimm. Ohne Hilfen wird es um ein Vielfaches schwerer. Unsere Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben", sagt Frank Schröder (51) vom Weihnachtsmarkt an der Prager Straße.

Selber absagen können die Marktbetreiber zum Beispiel auch vom Neumarkt oder von der Hauptstraße jedoch nicht. In diesem Fall würden 75.000 Euro Strafe an die Stadt fällig.

Marktchef Holger Zastrow (51, Augustusmarkt): "Es ist eine Katastrophe. Es ging nur um ein positives Signal, doch nicht einmal das gab es." Und: "Wir werden und wollen nicht absagen. Wir als Veranstalter und jeder einzelne Händler befinden sich im Existenzkampf."

Frank Schröder (51)
Frank Schröder (51)  © Steffen Füssel
Holger Zastrow (51)
Holger Zastrow (51)  © Steffen Füssel

Linke, Grüne und SPD begründeten ihre Absage eines Zuschusses damit, dass die Märkte nicht stattfinden werden. Linke-Chef André Schollbach (42): "Bundesweit werden Weihnachtsmärkte abgesagt. Corona macht um Dresden keinen Bogen. Jetzt Hunderttausende Euro für keine Weihnachtsmärkte auszugeben ist keine kluge Politik."

Titelfoto: Eric Münch, Holm Helis

Mehr zum Thema Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0