Dienst- und Kurierfahrten: Sattelt das Rathaus jetzt auf Lastenräder um?

Dresden - "Wir sind mit'm Radl da", heißt es womöglich bald für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Statt sich für Dienst- und Kurierfahrten hinters Lenkrad zu setzen, sollen sie nämlich in die Pedale treten - zumindest wenn es nach den Grünen im Stadtrat geht.

Der scheidende Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (43, Grüne) ist immer mit dem Lastenfahrrad unterwegs.
Der scheidende Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (43, Grüne) ist immer mit dem Lastenfahrrad unterwegs.  © Thomas Türpe

"Es gibt viele Beispiele aus anderen Städten, wo das gut läuft", sagt Wolfgang Deppe (65, Grüne). 

In Berlin würden sogar Wertstoffe wie Elektroschrott mit dem Lastenrad abgeholt. 

So weit soll es in Dresden nicht gehen. Für den Transport von Akten und Postsendungen zwischen den Standorten der Verwaltung, für den bisher ein Kurierdienst mit fünf Kleintransportern nach einem festen Fahrplan unterwegs ist, sollen künftig aber vermehrt Lastenfahrräder eingesetzt werden. 

"Die sind eine umweltfreundliche, schnelle und kostengünstige Möglichkeit zum Transport kleinerer und mittelgroßer Sendungen", sagt Deppe.

Im Rathaus ist man da allerdings skeptisch. 

"Meiner Wahrnehmung nach wird in den Kurierfahrzeugen deutlich mehr Post und sonstiges Transportgut befördert, als in ein Lastenfahrrad passt", erklärte Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD) im Stadtrat. 

Für regelmäßige Fahrten gebe es deshalb keinen Bedarf an Lastenfahrrädern.

Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (65).
Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (65).  © Steffen Füssel

Für weitere Transporte steht ein Fahrdienst mit emissionsfreien Autos zur Verfügung

Das Rathaus stellt seinen Mitarbeitern gut 100 Diensträder zur Verfügung.
Das Rathaus stellt seinen Mitarbeitern gut 100 Diensträder zur Verfügung.  © Holm Helis

Sollten weitere Transporte notwendig sein, setze man auf den Fahrdienst, der mit emissionsfreien Autos unterwegs sei. 

Für gelegentliche Fahrten sind Dienstfahrräder mit und ohne Elektromotor und Lastenfahrräder aber bereits im Einsatz. 

"Wir haben 102 Dienstfahrräder. Die werden auch genutzt", sagt Lames. 

Außerdem gebe es durch eine Kooperationsvereinbarung mit dem ADFC Dresden die Möglichkeit, kostenlos Lastenfahrräder zu nutzen. 

Den Grünen ist das nicht genug. 

Deshalb soll nun ein Antrag vorbereitet werden.

Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD) sieht keinen Bedarf für den Einsatz zusätzlicher Lastenfahrräder.
Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD) sieht keinen Bedarf für den Einsatz zusätzlicher Lastenfahrräder.  © Thomas Türpe

Dresden: Immer mehr Schrott-Räder entsorgt

Mehr als 200 solcher Schrottfahrräder entsorgt die Stadtverwaltung pro Jahr.
Mehr als 200 solcher Schrottfahrräder entsorgt die Stadtverwaltung pro Jahr.  © imago stock&people

Die Suche nach einem Parkplatz kennen in Dresden nicht nur Autofahrer. Auch Radler finden vielerorts nur schwer Abstellmöglichkeiten. 

Umso ärgerlicher ist es, wenn diese durch Schrottfahrräder blockiert werden. 

Und von denen gibt es viele.

In diesem Jahr hat das Rathaus bereits 141 Schrottfahrräder entsorgt, im ganzen Vorjahr waren es 209. Darüber informierte Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (53, CDU) nun auf Anfrage von FDP-Stadtrat Holger Zastrow (51). 

Die meisten davon standen in den Bezirken Altstadt und Neustadt und hier vor allem an den beiden großen Bahnhöfen. Dort fänden auch zwei- bis dreimal im Monat Kontrollen statt, sagt Sittel. 

Bis die Schrottbikes entfernt werden können, dauert es allerdings. "Die Bearbeitung ist aufwendig, weil es sich um fremdes Eigentum handelt." So muss das Rathaus den Eigentümern durch einen Hinweis am Rad die Möglichkeit geben, ihre Fahrradruinen abzuholen. Erst wenn das nicht passiert und sich das Fahrrad nicht durch eine Codierung zuordnen lässt, wird es entsorgt.

Sollten an den Rädern noch brauchbare Teile sein, werden diese an gemeinnützige Vereine weitergegeben. Das sei aber nur selten der Fall. Sittel: "Wenn das Fahrrad noch fahrtauglich ist, ist es per Definition kein Schrottfahrrad und bleibt stehen.

Titelfoto: Thomas Türpe

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