Schüler im Heim-Unterricht überfordert: Minister reagiert auf Eltern-Kritik

Dresden - Zu viel Stoff, überforderte Schüler und gestresste Eltern: Nach dem Hilferuf mehrerer Kreiselternräte wegen des Corona-bedingten Lernens zu Hause schlägt auch der Landeselternrat Alarm. Das Kultusministerium reagiert.

Derzeit sachsenweit Alltag: Eltern pauken mit ihren Kinder zu Hause.
Derzeit sachsenweit Alltag: Eltern pauken mit ihren Kinder zu Hause.  © dpa/Europa Press/Javier Díaz

Der Landeselternrat beklagt unter anderem, dass die soziale Herkunft jetzt noch entscheidender sei als vorher schon. Stichwort: technische Ausstattung zu Hause. 

So manchen Schulleiter würde dies nicht interessieren. Vieles sei dem Zufall überlassen, es gebe keine verbindlichen Vorgaben. Der Chef des Dresdner Kreiselternrates, Martin Raschke (48), kritisiert: "Die Lage berufstätiger Eltern wurde vergessen. Der Alltag wurde nicht eingepreist." 

Er habe den Eindruck, viele Lehrer wollten nichts falsch machen und würden dabei übers Ziel hinausschießen. "Es ist keine Einzelmeinung: Schüler machen mehr als vorher."

"Die Klage, dass Schüler mit Stoff überhäuft werden, haben auch wir vernommen. Daher haben wir die Lehrkräfte gebeten, Augenmaß zu beweisen und sich mit dem Kollegium abzustimmen", so das Ministerium. 

Sieht Verbesserungsbedarf beim Heimunterricht: Martin Raschke (48), Chef des Kreiselternrates Dresden.
Sieht Verbesserungsbedarf beim Heimunterricht: Martin Raschke (48), Chef des Kreiselternrates Dresden.  © Eric Münch

Es gelte, pädagogisch sinnvolle Schwerpunkte zu setzen. Das Haus von Minister Christian Piwarz (44, CDU) erklärte, man sei sich der neuen Herausforderung bewusst. Grundsätzlich agierten Lehrer und Schulen eigenverantwortlich.

Keinesfalls aber sollten Lernmaterialien Familien in der aktuellen Situation unter Druck setzen. 

Es sei klar, dass Lernumfeld und technische Voraussetzungen unterschiedlich seien. "Deshalb darf es keine überzogenen Forderungen und keinen Leistungsdruck geben."

Für eine mögliche Ausdünnung des Lehrplanes sei es indes zu früh. Wertschätzende Bewertungen seien wichtig. "Von einer Benotung raten wir jedoch ab." Für Grundschüler grundsätzlich, weitgehend für Oberschüler und Förderschüler. Zunehmend sei dies in höheren Gymnasialstufen möglich. 

Aber auch hier nur mit Augenmaß und Berücksichtigung der individuellen Lerngegebenheiten.

Das Ministerium von Christian Piwarz (44, CDU) wirbt bei den Lehrern für Augenmaß beim Lernstoff.
Das Ministerium von Christian Piwarz (44, CDU) wirbt bei den Lehrern für Augenmaß beim Lernstoff.  © Petra Hornig
Oftmals müssen Schüler sich auch neuen Stoff allein erarbeiten. Der kommt analog oder digital.
Oftmals müssen Schüler sich auch neuen Stoff allein erarbeiten. Der kommt analog oder digital.  © Nikolai Schmidt

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