Dresden in der Umwelt-Kritik: Kampf um Klimaschutz eher durchwachsen

Dresden - Vor zwei Jahren hat Dresden den Klimanotstand ausgerufen, auch wenn der nicht so heißt.

OB Dirk Hilbert (50, FDP) ist seit Jahren klimaschonend elektrisch unterwegs.
OB Dirk Hilbert (50, FDP) ist seit Jahren klimaschonend elektrisch unterwegs.  © Thomas Türpe

Im Beschluss des Stadtrats vom 30. Januar 2020 mit dem sperrigen Namen "Fortschreibung der Klimaschutzziele der Landeshauptstadt Dresden" wurde der "Klimaschutz zur städtischen Aufgabe von höchster Priorität" erklärt, das Erreichen von Klimaneutralität "deutlich vor 2050" zum Ziel gesetzt.

Die bisherige Bilanz ist jedoch durchwachsen, kritisieren Umweltschützer.

Sie bemängeln unter anderem, dass die jährliche Treibhausgas-Bilanz für die Jahre seit 2017 bisher nicht vorgelegt wurde und der "Klimacheck" bei Entscheidungen über Bauvorhaben, Verkehr und Energieversorgung erst mit 1,5 Jahren Verspätung eingeführt wurde.

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Außerdem fehle bei diesem der Anspruch der Klimaneutralität.

"Vertrauen in die Stadtpolitik ist nicht besonders groß"

Sachsen fehlt noch immer die Regenmenge eines halben Jahres. Das wirkt sich auch auf die Pegelstände aus.
Sachsen fehlt noch immer die Regenmenge eines halben Jahres. Das wirkt sich auch auf die Pegelstände aus.  © Eric Münch

"Mit jedem Gebäude, das jetzt nicht auf einen klimaneutralen Betrieb ausgelegt wird, wird die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zementiert", sagt Martin Ahlfeld vom BUND Dresden.

Insgesamt geht den Klimaschützern die Umsetzung der Maßnahmen zu langsam. "Das Vertrauen in die Stadtpolitik ist nicht besonders groß, dass schnellstmöglich alles getan wird, um die Dresdner vor den Folgen der Klimakatastrophe zu bewahren", sagt Louise Hummel-Schröter (36) von Parents for Future Dresden.

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (56, Grüne) räumt auf Anfrage von TAG24 ein, dass noch zu wenig getan wird. "Die beschlossenen Strategien und Maßnahmen wurden bisher nicht konsequent genug umgesetzt. Nötig sind tiefgreifendere Beiträge zur Energieeinsparung und -effizienzsteigerung, zur Ablösung fossiler Energieträger und der Stärkung umweltfreundlicher Verkehrsmittel."

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Zumindest für 2018 gebe es nun auch die Treibhausgas-Bilanz, die einen leichten Rückgang zeigt. Zum Erreichen der vereinbarten Klimaschutzziele reiche das aber noch nicht, so Jähnigen.

Klimawandel: Kein Anlass zur Entwarnung

Louise Hummel-Schröter (36) von "Parents for future".
Louise Hummel-Schröter (36) von "Parents for future".  © Steffen Füssel

Entspannung ja, Entwarnung nein. So lautet das Fazit der Wetter- und Klimaexperten zum Jahr 2021 in Sachsen.

Denn obwohl es im vergangenen Jahr viel geregnet hat (plus 13 Prozent im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990), konnten die Folgen der drei vorangegangenen Trockenjahre bei Weitem nicht ausgeglichen werden.

"Wir bräuchten ungefähr drei solcher Jahre, um die Bilanz zu glätten", sagt Andy Philipp vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Der Experte betont aber, dass es man es wegen regionaler Besonderheiten so pauschal eigentlich nicht sagen könne.

Fest steht jedoch, dass Sachsen immer noch der Niederschlag eines halben Jahres fehlt. Das sind 350 Liter pro Quadratmeter! Die Folge ist die stärkste Grundwasserdürre seit 100 Jahren.

So liegen die Grundwasserstände an 65 Prozent der Messstellen noch immer 42 Zentimeter unter den monatstypischen Werten. Das führt dazu, dass es bei längeren Trockenphasen schnell wieder zu Niedrigwasser in Sachsens Flüssen kommt.

Martin Ahlfeld vom BUND Dresden.
Martin Ahlfeld vom BUND Dresden.  © Yvonne Krüger
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (56, Grüne) räumt ein, dass noch nicht genug für den Klimaschutz getan wird.
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (56, Grüne) räumt ein, dass noch nicht genug für den Klimaschutz getan wird.  © Steffen Füssel
Bei Bauvorhaben wird noch nicht rigoros auf Klimaneutralität gesetzt.
Bei Bauvorhaben wird noch nicht rigoros auf Klimaneutralität gesetzt.  © Steffen Füssel

Die gute Nachricht: Die Trinkwasserversorgung ist trotz allem nicht gefährdet. Das liegt daran, dass rund 40 Prozent der Sachsen ihr Trinkwasser aus aufbereitetem Talsperrenwasser erhalten. Und die Talsperren waren 2021 gut gefüllt.

Titelfoto: Montage: Eric Münch, Steffen Füssel

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