Keine Kurzarbeit: Haben Musiker die Haushaltssperre vergeigt?

Dresden - Die Corona-Krise hat Dresden fest in Griff, viele Unternehmen kämpfen ums Überleben und mussten Kurzarbeit anmelden. Philharmonie, Operette und Heinrich-Schütz-Konservatorium (HSKD) verweigerten sich jedoch der Bitte der Stadt, so Personalkosten einzusparen. Die Kritik daran ist teils heftig.

Konnte sich mit dem Wunsch nach Kurzarbeit nicht durchsetzen: Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD).
Konnte sich mit dem Wunsch nach Kurzarbeit nicht durchsetzen: Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD).  © Ove Landgraf

Große Teile der Verwaltung können, vom Gesetzgeber so gewollt, nicht in Kurzarbeit gehen. Für einzelne Bereiche wie Archive, Büchereien, Museen und eben Kunst und Kultur wäre das möglich. 

Um Kosten zu sparen, hat die Stadt laut Finanzbürgermeister Peter Lames (55, SPD) dazu unter anderem mit Philharmonie, Operette und HSKD Gespräche geführt. 

Doch die wurden durch die Personalvertretung "abgebügelt", heiß es aus Rathaus-Kreisen.

Laut Insidern ist die Weigerung einer der ausschlaggebenden Gründe für Lames gewesen, eine komplette Haushaltssperre zu verhängen. 

Lames selbst dazu schmallippig: "Kurzarbeit könnte ein Beitrag zur notwendigen Ausgabenreduzierung sein. Der Höhe nach würde sie allein jedoch nicht ausreichen."

Die Philharmonie sieht sich weiter als "solidarischer Partner" der Stadt. 

Zudem liefen noch Verhandlungen. Die Musiker sind laut einer Sprecherin in "intensiver individueller Arbeit mit ihrem Instrument." 

Alle Vorstellungen sind abgesagt, dennoch gibt es im Kulti-Saal keine Kurzarbeit.
Alle Vorstellungen sind abgesagt, dennoch gibt es im Kulti-Saal keine Kurzarbeit.  © DPA / Sebastian Kahnert

Grünen-Finanzexperte Schmelich findet es unsolidarisch

Michael Schmelich (65, Grüne).
Michael Schmelich (65, Grüne).  © Ove Landgraf

Ein Großteil der Verwaltungsmitarbeiter sei mit der Rückabwicklung der 56.000 verkauften Tickets beschäftigt. 

Die Operette verwies darauf, von Entscheidungen des Rathaus-Gesamtpersonalrats abhängig zu sein. Mitarbeiter würden sich im sozialen Bereich engagieren, "Schneiderei und Dekowerkstatt nähen in Heimarbeit Mundschutzmasken, Techniker helfen im Krankenhaus Friedrichstadt aus."

Für Grünen-Finanzexperte Michael Schmelich (65) ein Feigenblatt: "Dresden ist bereits jetzt mit mindestens 120 Millionen Euro in den Miesen. Sich bei Kostensenkungen komplett zu verweigern, ist schlichtweg unsolidarisch." 

Seine Kritik: "Teile der Verwaltung wie das Gesundheitsamt arbeiten unter Hochlast, andere lassen sich fürs Nichtstun bezahlen. Das werde ich mir merken."

Holger Zastrow (51, FDP): "Was die Stadt ihren eigenen Mitarbeitern gönnt, muss der Maßstab für alle anderen sein."

Titelfoto: DPA / Sebastian Kahnert / Ove Landgraf

Mehr zum Thema Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0