Wie kommen Dresdens Straßen eigentlich zu ihren Namen?

Dresden - 3200 Straßennamen gibt es in Dresden.

In Großluga entsteht der "Kalmusring". Der Weg zum Straßennamen ist jedoch lang.
In Großluga entsteht der "Kalmusring". Der Weg zum Straßennamen ist jedoch lang.  © Petra Hornig

1000 davon sind nach Personen benannt, 90 Prozent davon immer noch nach Männern.

Kurios: Es gibt 91 doppelte Straßennamen, 16 Namen existieren dreimal, drei (etwa die Hauptstraße) kommen gar viermal im Stadtgebiet vor.

In der neuen Sommer-Serie stellt TAG24 unter dem Motto "Wer war eigentlich ...?" die spannendsten Geschichten hinter den Namen von Straßen, Plätzen und Gebäuden vor.

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Wusstet Ihr etwa, warum die Proschhübelstraße seit 2012 wieder Fabricestraße heißt, oder warum die ehemalige Geschäftsführerin der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung ihren (Straßen-)Namen einem jüdischen Chirurgen verdankt?

Dieses Rätsel wird gleich hier "gelöst".

Der Weg zum Straßennamen ist laut Klara Töpfer lang

Auf der Suche nach neuen Straßennamen: Amtsleiterin Klara Töpfer (54) von der AG Straßennamen.
Auf der Suche nach neuen Straßennamen: Amtsleiterin Klara Töpfer (54) von der AG Straßennamen.  © Amac Garbe

Jedes Jahr werden in Dresden etwa fünf Straßen neu gebaut und mit Namen versehen. Der Weg dahin ist klar geregelt, im Mittelpunkt steht die "AG Straßennamen" im Rathaus und ein "Nazijäger" im Stadtrat.

Am Anfang gibt es meist nur eine Planstraße auf dem Papier, aktuell beispielsweise auf dem DREWAG-Areal an der Lößnitzstraße (Neustadt) und in einem neuen Wohngebiet in Großluga.

Zudem gilt die Hauptsatzung der Landeshauptstadt: "Der Stadtrat entscheidet die Benennung von Straßen und Plätzen" und "Der Stadtbezirksbeirat ist zu hören."

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Der Weg dahin ist lang. "Sobald klar ist, dass Straße gebaut wird, geht für uns die Arbeit los", sagt Klara Töpfer. Die 54-jährige Amtsleiterin für Geodaten und Kataster ist seit 2012 stellvertretende Chefin der AG Straßennamen der Stadt.

Mit dabei sind Vertreter aus Stadtarchiv, Straßen- und Tiefbauamt, Stadtmuseum und Kulturamt. Die AG schreibt dann Stadtbezirksbeiräte und die Gleichstellungsbeauftragte an, bittet um Vorschläge.

Tilo Wirtz (52, Linke) hat sich als "Nazijäger" einen Namen gemacht

Stadtrat Tilo Wirtz (52, Linke) überprüft jeden Straßennamen auf Verwicklungen zur Nazi-Zeit.
Stadtrat Tilo Wirtz (52, Linke) überprüft jeden Straßennamen auf Verwicklungen zur Nazi-Zeit.  © Eric Münch

Die werden dann geprüft und vom Rat beschlossen. Seit 2007 bemüht sich die Stadt, vor allem Frauennamen zu finden. Noch immer sind jedoch 90 Prozent aller Personennamen männlich. In den letzten Jahren gab es mit (10 zu 7) knapp mehr Frauennamen.

Im Stadtrat hat sich vor allem Tilo Wirtz (52, Linke) als "Nazijäger" einen Namen gemacht. Der Auftakt dafür: 2009 sollte in Dresden eine Straße nach dem kaiserlichen Kaperfahrer Felix Graf von Luckner (1881-1966) benannt werden. Doch Luckner biederte sich der NSDAP an, war obendrein Kinderschänder.

Die Stadt zog die Notbremse. Seither checkt Wirtz jeden Namen auf eine Nazi-Vergangenheit. Sein Verdienst ist es obendrein, dass die Stadt alle fraglichen Namen mittlerweile im Bundesarchiv prüft. Zudem wird geschaut, ob eine Stasi-Vergangenheit besteht.

Bald soll es einen "Kalmusring" geben

Der Rat entschiedet am Ende über neue Straßennamen.
Der Rat entschiedet am Ende über neue Straßennamen.  © Eric Münch

Bei den beiden aktuellen neuen Straßennamen ist das nicht der Fall. Die Straße in Großluga soll "Kalmusring" heißen. Die Sumpfpflanze brachte der Vorsitzende des Luga e. V als Vorschlag ein. Der Stadtbezirksbeirat Prohlis stimmte zu. Das letzte Wort hat demnächst der Rat.

In der Neustadt wird die „Marta-Fraenkel-Straße" entstehen. Grundlage hier war eine weitere Regelung der AG Straßennamen. Neue Straßennamen sollen sich in die Umgebung einordnen: In einem Wohngebiet zwischen der Stauffenbergallee und der Fabricestraße befindet sich bereits der „Albert-Fromme-Weg".

Albert Fromme war Chirurg. Daher soll nun die jüdischen Ärztin Marta Fraenkel (Hygiene-Museum-Dresden) mit einem Straßennamen geehrt werden.

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