Minister hat keinen Rettungsplan: Hotelchefs und Gastwirte stellen Stühle raus

Dresden - Ein gedeckter Tisch. 280 Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter. Mehr als 2 000 leere Stühle. Mit der zweiten Aktion "Leere Stühle" machte die Branche am gestrigen Freitag auf dem Dresdner Altmarkt auf ihre katastrophale Lage aufmerksam. 76 deutsche Städte schlossen sich der Aktion an, darunter zwölf sächsische.

Der Auer Gastronom und Hotelier Benjamin Unger (40, r.) übergibt an Minister Martin Dulig (46) die Glosche mit den Forderungen.
Der Auer Gastronom und Hotelier Benjamin Unger (40, r.) übergibt an Minister Martin Dulig (46) die Glosche mit den Forderungen.  © Thomas Türpe

Die Dresdner Teilnehmer der Aktion übergaben unter einer silbernen Glosche ein besonderes Menü an Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD): ihren Forderungskatalog

Die wichtigsten Überlebens-Forderungen: eine klare Exit-Strategie und die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent. Dahinter stehen viele vergleichbare Schicksale.

"Wir müssen eine kritische Masse bleiben, damit unsere Sorgen gehört werden", so Mitorganisator Benjamin Unger (40, Hotel-Restaurant "Blauer Engel") aus Aue. 

Und weiter: 2020 wäre für uns ein Superjahr geworden. Jetzt sind alle 25 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Bis Ende Mai rechne ich mit einem Umsatzverlust von 600 .000 Euro." 

"Wir werden nicht alle Mitarbeiter halten können." 

Minister will Kurzarbeitergeld sofort erhöhen

Über 2000 leere Stühle wurden auf dem Dresdner Altmarkt aufgestellt.
Über 2000 leere Stühle wurden auf dem Dresdner Altmarkt aufgestellt.  © dpa/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Von einer desaströsen Lage spricht Jazztage-Veranstalter Kilian Forster (52). 

"Das Konstrukt der Jazztage funktioniert nicht mehr. Ich selbst verdiene auch als Künstler nichts. Ich fürchte um meine Altersvorsorge."

Minister Dulig versicherte vor Ort: "Die Dramatik der Branche ist mir klar. Aber wir drehen gerade einen Film ohne Drehbuch. Wir wissen: Wir machen Fehler. Aber wir wissen noch nicht welche. Wir befinden uns in der Phase in der Existenzsicherung. Oberste Priorität hat für mich, dass die Branche wieder Umsatz machen kann." 

Sein Vorschlag zum Kurzarbeitergeld: sofort auf 80 Prozent erhöhen. Einen Termin-Fahrplan konnte er aber nicht vorweisen...

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild, Thomas Türpe

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