Dresdens Bilanz des Schreckens: Das ist die Corona-Statistik des Krematoriums Tolkewitz

Dresden - Hilflos gestapelte Särge mit Corona-Opfern, die "Ofenlinien" im Krematorium Tolkewitz weit über der Leistungsgrenze, ungekühlt in Hallen gelagerte Leichen. Diese Bilder auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Jetzt liegt Dresdens Statistik des Grauens vor.

Wegen technischer Probleme und wegen der vielen Corona-Toten kam das Krematorium Tolkewitz nicht mit dem Verbrennen der Gestorbenen hinterher.
Wegen technischer Probleme und wegen der vielen Corona-Toten kam das Krematorium Tolkewitz nicht mit dem Verbrennen der Gestorbenen hinterher.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Demnach mussten nach einer technisch bedingten Überlastung des Tolkewitzer Krematoriums 1277 Särge zur Einäscherung in andere Städte überführt werden. Zeitweise waren zwei von vier Ofenlinien kaputt.

Unter anderem mussten Wärmetauscher (die sind für die Abkühlung von Abgasen verantwortlich) aufgrund langjähriger Nutzung ausgetauscht werden.

Allein im Januar wurden daher insgesamt 490 Verstorbene nach Altenburg-Nobitz transportiert - der bisherige Höchstwert. Knapp 65.000 Euro mussten dafür zusätzlich bezahlt werden. Für diese Mehrkosten kam die Stadt auf.

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Zwischenzeitlich halfen Friedhofsgärtner und Mitarbeiter des Sportstätten-Eigenbetriebes bei der Logistik der Toten, die Buchhaltung übernahm ein Mitarbeiter aus dem Sozialamt zusammen mit einem Azubi.

Das ergab eine Anfrage von AfD-Rat Heiko Müller (56). "Nachdem ich die Bilder der extrem vielen Särge in den Medien gesehen hatte, habe ich mich als Stadtrat vor Ort informiert. Es war sehr berührend, die gestapelten Särge zu sehen."

Mittlerweile können wieder alle Gestorbenen in Dresden eingeäschert werden. Technische Probleme im Krematorium sind behoben. Zusätzliche Kühlkapazitäten für 60 Menschen wurden geschaffen.

Der Friedhof in Dresden-Tolkewitz: Erstmals seit dem frühen Herbst wurden nun wieder weniger als 200 Verstorbene pro Woche hierher gebracht.
Der Friedhof in Dresden-Tolkewitz: Erstmals seit dem frühen Herbst wurden nun wieder weniger als 200 Verstorbene pro Woche hierher gebracht.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Psychische Belastung im Krematorium: "In jedem Sarg liegt ein Mensch"

Bürgermeisterin Eva Jähnigen (55, Grüne) erklärt, wie körperlich und psychisch belastend die Arbeit im Krematorium Tolkewitz war.
Bürgermeisterin Eva Jähnigen (55, Grüne) erklärt, wie körperlich und psychisch belastend die Arbeit im Krematorium Tolkewitz war.  © Thomas Türpe

Der Hauptgrund dafür, dass die Einäscherungen wieder normal ablaufen können, liegt aber woanders: Die Zahl der vielen (Corona-)Toten ging deutlich zurück.

"In der vergangenen Woche wurden erstmals seit dem frühen Herbst wieder weniger als 200 Verstorbene ins Krematorium gebracht. Noch in der ersten Woche des Jahres waren es über 500", sagt die zuständige Bürgermeisterin Eva Jähnigen (55, Grüne).

Die Anzahl der notwendigen Einäscherungen folge zeitversetzt recht genau den Entwicklungen bei den Corona-Zahlen. Als absolute "Belastungsgrenze" für Mitarbeiter und Technik, inklusive Wochenendschichten, gelten aktuell 320 Särge pro Woche.

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"Das ist dann aber eine sehr hohe körperliche und psychische Belastung. In jedem Sarg liegt ein Mensch." Corona-Zahlen wie im November und Dezember würden erneut an oder über diese Grenze führen.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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