Dresdner Kästner-Preis für Lebensretter: Peter Maffay gratuliert – und mahnt

Dresden – Er hat mehr als 1000 Menschen gerettet, ist beschimpft und bedroht worden – jetzt wurde Claus-Peter Reisch (59) endlich die gebührende Ehre zuteil. Der Kapitän wurde mit dem Erich-Kästner-Preis des Dresdner Presseclubs geehrt. Mit Peter Maffay (71) und Sebastian Krumbiegel (54) spendeten ihm gleich zwei Musikgrößen Applaus.

Die Laudatio für Claus-Peter Reisch (59, r.) hielt Rockmusiker Peter Maffay (71, l.).
Die Laudatio für Claus-Peter Reisch (59, r.) hielt Rockmusiker Peter Maffay (71, l.).  © Eric Münch

Tosender Applaus. Immer wieder. Als Claus-Peter Reisch am Sonntagvormittag auf Schloss Albrechtsberg an den Elbhängen von Dresden seine Dankesrede hält, unterbricht mehrfach Beifall seine Worte: Musiker wie Maffay oder Krumbiegel klatschen nachdrücklich.

Aber auch Politiker wie die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Armin Laschet (59) und Michael Kretschmer (45, beide CDU).

Dabei hatte Reisch gerade in Richtung Politik nicht mit scharfer Kritik gespart. Es müssten endlich die Ursachen weltweiter Flucht bekämpft werden, besonders in Afrika. 

Reisch, der auf insgesamt sieben Fahrten im Mittelmeer Flüchtlinge aus dem Wasser fischte, sagte: "Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Menschen sich nicht auf den Weg machen müssen. … Die Menschen machen sich (nämlich) nicht aus Jux und Dollerei auf den Weg." 

Es sei daher wichtig, den Menschen daheim eine Perspektive zu geben. Er selbst unterstützt dafür ein faires Lebensmittelprojekt auf dem Kontinent.

Er nehme den Preis stellvertretend für alle Seenotretter entgegen, so Reisch. Aber auch für jene Spender, "die es erst möglich machen, dass wir rausfahren können". Er wünsche sich, dass allen Politikerworten zur Zukunft des Kontinents Afrika auch Taten folgen. "Dass das hier heute keine Leuchtkugel ist, die hochsteigt und verglüht. Denn dass nichts passiert, das ist nicht so mein Ding."

Fluchtursachen endlich in den Griff bekommen

Claus-Peter Reisch (59) bekam am Sonntag den Erich-Kästner-Preis des Dresdner Presseclubs. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit als Kapitän der "Lifeline" der "Mission Lifeline".
Claus-Peter Reisch (59) bekam am Sonntag den Erich-Kästner-Preis des Dresdner Presseclubs. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit als Kapitän der "Lifeline" der "Mission Lifeline".  © Eric Münch

Zuvor hatte Maffay in seiner Laudatio der Politik ins Gewissen geredet. Zugleich verteidigte er Reisch gegen den oft erhobenen Vorwurf, er unterstütze die Schlepper oder, in böser Lesart, fungiere sogar als Schlepper: 

Sicher, es gebe Verbrecher und Ausbeuter, die die Aktionen der Seenotretter - wie Reisch einer ist - missbrauchten. "Aber mag man in solchen Momenten Recherchen anstellen, wer wo warum geflohen ist, wie die Situation daheim war. Das einzige, was in diesem Moment zählt, ist das Handeln, Leben retten."

Und weiter: "Solange man die Fluchtursachen nicht im Griff hat, sieht er es als seine moralische Pflicht an, Leben zu retten. Zu Menschlichkeit gibt es keine Alternative!", so der Rockmusiker. 

Er zolle Reisch großen Respekt für dessen Arbeit. "Reisch gehört für mich zu den wahren Helden unserer Zeit."

Maffay hatte den Preis selbst 2007 erhalten.

Deutschland mit Waffenexporten an Kriegen beteiligt

Marlene Rummel (29) von "Willkommen in Johannstadt" freut sich über einen Teil des Preisgeldes, das Claus-Peter Reisch drei Dresdner Vereinen stiftet.
Marlene Rummel (29) von "Willkommen in Johannstadt" freut sich über einen Teil des Preisgeldes, das Claus-Peter Reisch drei Dresdner Vereinen stiftet.  © Eric Münch

Krumbiegel, der extra für ein Lied zu Ehren Reischs angereist war, erinnerte ausdrücklich daran, dass einer der Fluchtursachen auch Kriege sind – "und daran Deutschland mit Waffenexporten beteiligt ist". 

Auch Reisch geiselte in seiner Rede die deutschen Waffenexporte und sagte, dass ein Ausstieg Deutschlands zwar das üble Treiben nicht beenden würde, aber ein gutes Vorbild sein könnte.

Das Preisgeld von 10.000 Euro stiftet Reisch. Es geht zu gleichen Teilen an die Vereine "Willkommen in Johannstadt", "Willkommen in Löbtau" und "Laubegast ist bunt". 

Allerdings waren die mithin 3333 Euro für jeden Verein Reisch nach eigener Aussage zu wenig und zu krumm, wie er schmunzelnd anmerkte. Gemeinsam mit Unterstützern konnte er darum die jeweilige Spende auf 7500 Euro aufstocken.

Der Erich-Kästner-Preis wird seit 1994 verliehen. Bisherige Preisträger neben Maffay waren unter anderen der Bürgerrechtler Frank Richter (60) und der frühere bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher (1927 bis 2016).

v.l.n.r.: Peter Maffay (71), Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (48), Claus-Peter Reisch (59), Ministerpräsident Michael Kretschmer (45)
v.l.n.r.: Peter Maffay (71), Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (48), Claus-Peter Reisch (59), Ministerpräsident Michael Kretschmer (45)  © Eric Münch

Das Preisgeld von 10.000 Euro wird ergänzt durch eine kleine Bronzeskulptur des Bildhauers Vinzenz Wanitschke (1932 bis 2012).

Titelfoto: Eric Münch

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