Dresdner Verein hilft jetzt Hochwasseropfern

Dresden/Ahrweiler - Nach Unglücksfällen und Naturkatastrophen sprechen Politiker gern von schneller, unbürokratischer Hilfe. Tatsächlich kommt diese Hilfe oft von Privatleuten. Oder von Vereinen wie dem Dresdner ZIVD, dem "Zentrum Interkultureller Verständigung Dresden". Das wurde vor Jahren mal gegründet, um Geflüchteten zu helfen. Als der Verein jetzt einen Konvoi mit Hilfsgütern in die Hochwassergebiete schickte, waren zwei dieser Geflüchteten mit von der Partie.

Zahlreiche Dresdner, Privatleute genauso wie Firmen, folgten dem Spendenaufruf des ZIVD.
Zahlreiche Dresdner, Privatleute genauso wie Firmen, folgten dem Spendenaufruf des ZIVD.  © privat

Tom Keiling (35) ist Bäcker von Beruf. Privat engagiert er sich schon seit Jahren für Menschen in Not.

Das Vorstandsmitglied des ZIVD erinnert sich noch gut an das Hochwasser in Sachsen 2002. "Damals habe ich die Verwüstungen im Triebischtal gesehen und beim Aufräumen mit angepackt", sagt er.

Das, was nun in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen passiert ist, sei noch deutlich schlimmer.

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Da schien es fast wie eine Fügung, dass der ZIVD einen Kontakt ausgerechnet im arg betroffenen Ahrweiler hatte.

Und darum ging alles ganz fix: Der Kontakt sondierte die Lage vor Ort, fragte nach, was am dringendsten gebraucht wurde.

Und der Verein in Dresden ließ alle Beziehungen spielen, rief hier in Sachsen zu Spenden auf, trieb Sponsoren auf und organisierte den Transport. Das war letzte Woche.

Dank guter Koordination vor Ort waren die Dresdner Hilfsgüter schnell verteilt

Ganze Hausstände in den Flutgebieten sind nur noch Müll. Die Hilfe von außen stärkt da den Durchhhaltewillen.
Ganze Hausstände in den Flutgebieten sind nur noch Müll. Die Hilfe von außen stärkt da den Durchhhaltewillen.  © privat

Auch Cindy Trübel (33) arbeitet aktiv im Vorstand des Vereins mit. Auch sie hat die Flut von 2002 nie vergessen. "Ich hatte damals in der Nähe des Elbe-Parks gewohnt, Sandsäcke gestapelt."

Vergangenen Sonntag machte sie sich mit auf die Reise ins überflutete Ahrweiler, am Steuer eines vollbeladenen Transporters. Drei Fahrzeuge waren es insgesamt.

Die Eindrücke vor Ort waren überwältigend. Tom Keiling: "Dort hatten die Wassermassen große Brücken innerhalb von Minuten zu Staub zerpulvert."

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Anwohner berichteten, dass sie alles verloren hätten. Keiling: "Manchen blieb nicht mal Geschirr, kein Löffel, gar nichts."

Eine Frau sei auf ihn zugekommen und sagte, sie habe sich nie vorstellen können, einmal um Essen und Wasser betteln zu müssen. So etwas rührt an.

Dank der guten Koordination durch den Kontaktmann vor Ort waren die Hilfsgüter aus den drei Dresdner Fahrzeugen schnell verteilt. Vom Instantkaffee bis zum Akkuschrauber, von Schüsseln bis zu gespendeten Besen, auf die von den Spendern noch persönliche Botschaften geschrieben waren, Motto: Haltet durch, wir denken an euch!

Schlamm und Dreck künden noch immer von der braunen Flut, die das Ahrtal zerstörte.
Schlamm und Dreck künden noch immer von der braunen Flut, die das Ahrtal zerstörte.  © privat

Helferin Cindy Trübel: "Als wir sprachen, flogen ständig Hubschrauber über uns hinweg."

Amgad (25) floh vor dem Krieg aus seiner syrischen Heimat nach Sachsen. Bei der Hilfsaktion war er mit dabei.
Amgad (25) floh vor dem Krieg aus seiner syrischen Heimat nach Sachsen. Bei der Hilfsaktion war er mit dabei.  © privat

Denken muss Cindy Trübel sicher noch lange an die Begegnung mit einer Ahrweilerin, auch sie betroffen von der Katastrophe. "Als wir sprachen, flogen ständig Hubschrauber über uns hinweg."

Einer habe am Stahlseil eine braune Kiste transportiert. "Das sind nur Hilfsgüter", habe ihr die Frau darauf gesagt. Schlimm sei dagegen, wenn weiße Kisten per Heli durch die Lüfte flögen. Trübel: "Da seien dann die Leichen drin..."

Zu dem sechsköpfigen Team, das der Dresdner Verein am letzten Sonntag auf die Reise schickte, gehörten auch zwei junge Syrer - sie waren vor Jahren als Geflüchtete betreut worden, sind dem Verein verbunden geblieben.

Einer von ihnen ist Amgad (25), der heute in Freiberg eine Ausbildung zum Mechatroniker macht. "Jeder Mensch in Not braucht Hilfe", erklärt er, warum er das Wochenende im Westen half, statt daheim mit seiner Frau und den zwei Kindern zu entspannen.

Amgad: "Ich hatte die Bilder der Hochwassergebiete im Internet gesehen. Das sah aus wie im Krieg, fast wie in meiner Heimat." Die Menschen in Ahrweiler seien sehr dankbar für die Hilfe gewesen - so wie er damals.

Zerstörte Brücken, kreisende Militärhubschrauber - manches in den Hochwassergebieten erinnert tatsächlich an einen Krieg.
Zerstörte Brücken, kreisende Militärhubschrauber - manches in den Hochwassergebieten erinnert tatsächlich an einen Krieg.  © Boris Roessler/dpa, imago images/Reichwein

Am Donnerstag machte sich ein zweiter Hilfsgüter-Transport des Vereins auf den Weg

Jede Menge Werkzeug, Besen, Geschirr, ja sogar Bier bekamen Tom Keiling (35) und Cindy Trübel (33) von Spendern und Sponsoren überlassen ("Riesiges Dankeschön an alle!"). Was nicht schon bei den Hochwasseropfern angekommen ist, wird mit der nächsten Fuhre geliefert.
Jede Menge Werkzeug, Besen, Geschirr, ja sogar Bier bekamen Tom Keiling (35) und Cindy Trübel (33) von Spendern und Sponsoren überlassen ("Riesiges Dankeschön an alle!"). Was nicht schon bei den Hochwasseropfern angekommen ist, wird mit der nächsten Fuhre geliefert.  © Ronald Bonss

Am Donnerstag machte sich ein zweiter Hilfsgüter-Transport des Vereins auf den Weg. Wieder mit einer bunten Mischung an Bord.

Cindy Trübel: "Alles von Schlagbohrmaschinen über Waschmittel, Bautrocknungsgeräte und Kakao für die Kinder."

Der Frau, die sie über die Kisten an den Hubschraubern aufklärte, habe sie einen Gaskocher und Geschirr gekauft und sie davon unterrichtet, dass die Hilfe auf dem Weg sei.

Trübel: "Fünf Sprachnachrichten habe ich daraufhin bekommen, in denen sie beteuert, wie dankbar sie ist."

Dass ein Verein, der mal aus der Flüchtlingshilfe entstanden ist, nun deutschen Landsleuten hilft, ist für die Spender und Helfer des ZIVD kein Widerspruch.

Tom Keiling betont: "Wir machen im Grunde nichts anderes als damals in den Erstaufnahmeeinrichtungen - Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Da ist es doch ganz egal, welche Religion oder Kultur diese Menschen haben..."

Titelfoto: Ronald Bonss

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