Der verzweifelte Kampf um Dresdens Weihnachtsmärkte

Dresden - Wie kaum eine andere Stadt sorgt sich Dresden um seine Weihnachtsmärkte. Doch während der Striezelmarkt mit 600.000 Euro gestützt wird, kämpfen vor allem die thematischen Weihnachtsmärkte entlang der "Prager", der Hauptstraße und am Neumarkt ums nackte Überleben.

Sven-Erik Hitzer (58, l.), Betreiber des "Advents auf dem Neumarkt", zusammen mit OB Dirk Hilbert (49, FDP).
Sven-Erik Hitzer (58, l.), Betreiber des "Advents auf dem Neumarkt", zusammen mit OB Dirk Hilbert (49, FDP).  © Marko Förster

Ein Zuschuss von 400.000 Euro steht auf der Kippe.

"Bei unserer letzten Versammlung hatten Händler Tränen in den Augen, von denen ich das nie gedacht hätte. Wenn die Märkte nicht stattfinden, gehen hier die Lichter aus", sagt Frank Schröder (51) vom Weihnachtsmarkt an der Prager Straße. Bei einigen Händlern, besonders aus dem Erzgebirge, würden die Umsätze auf seinem Markt bis zu 80 Prozent des Jahres ausmachen. "Die kommen nie wieder."

Schröder sei auf einen Zuschuss der Stadt angewiesen, um zum Beispiel die steigenden Ausgaben für Hygiene und Sicherheit abzufedern. "Ohne Hilfe gibt es keinen wirtschaftlichen Markt." Sagt Schröder jedoch selber ab, werden 75.000 Euro Strafe an die Stadt fällig. 

Auch Sven-Erik Hitzer (58), Betreiber des "Advents auf dem Neumarkt" stürmt von einer Krisensitzung zur nächsten. "Die Lage ist katastrophal. Unser Markt kostet uns eine knappe Million Euro pro Jahr. Ein Drittel haben wir bereits ausgegeben - in der Hoffnung, dass es irgendwie klappt." 

Frank Schröder (51) bangt um seinen Weihnachtsmarkt auf der Prager Straße.
Frank Schröder (51) bangt um seinen Weihnachtsmarkt auf der Prager Straße.  © Thomas Türpe

Holger Zastrow: "Was für München das Oktoberfest, ist für Dresden Weihnachten"

Findet der Markt nicht zumindest in einer abgespeckten Variante statt, befürchtet Hitzer: "Ein brutales Ausdünnen. Für 60 bis 70 Prozent der Händler ist es das gewesen. Uns wird für Jahre die Grundlage entzogen."

"Was für München das Oktoberfest, ist für Dresden Weihnachten. Handel und Gastronomen leben von dieser Zeit. Das Weihnachtsland Sachsen steht auf dem Spiel. Die Krise wird dazu führen, dass viele aufgeben", so Holger Zastrow (51) vom Markt an der Hauptstraße. Und: "Das Wasser steht uns bis zum Hals, aber wir können nicht aufgeben, wir haften für alles."

Übrigens: Die geplante Entschädigung des Bundes in Höhe von 75 Prozent für November droht an den Markt-Händlern vorbei zu laufen. Aktuell sollen Außer-Haus-Verkäufe ausgenommen werden, doch die Umsätze auf Weihnachtsmärkten werden "Außer-Haus" verbucht.

Holger Zastrow (51) sorgt sich um seinen Augustusmarkt - und das gesamte Weihnachtsland Sachsen.
Holger Zastrow (51) sorgt sich um seinen Augustusmarkt - und das gesamte Weihnachtsland Sachsen.  © Eric Münch

Coronavirus in Deutschland: Wann dürfen die Märkte starten?

Aktuell verbietet Sachsens Corona-Verordnung auch die Durchführung von Weihnachtsmärkten. 

Die aktuelle Vorschrift ist bis Ende des Monats gültig. Demnach dürften ab 1. Dezember die Märkte wieder öffnen - nach dann jeweils gültigem Hygienekonzept. Die Corona-Ampel der Stadt Dresden zum Beispiel hat dabei keine rechtlich bindende Wirkung. Selbst wenn diese weiter auf Rot steht, wären Weihnachtsmärkte nicht automatisch verboten. 

"Unser genehmigtes Hygienekonzept ermöglicht eine Öffnung der Märkte mit dann verstärkten Einschränkungen auch bei einer Infektionszahl von über 50 pro 100.000 Einwohner", so Frank Schröder (51), Betreiber des Weihnachtsmarktes an der Prager Straße. 

Verbote wären möglich, sie bedürften dann aber erneuter Verordnungen von Stadt oder Land. 

Titelfoto: Marko Förster

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