Argentinier kickt beim Radebeuler BC und ist in Kurzarbeit: "Wir müssen uns in Geduld üben"

Von Jürgen Schwarz

Radebeul - Er ist Argentinier, spricht fünf Sprachen und spielt seit 2018 beim Fußball-Landesligisten Radebeuler BC: Ezequiel Horacio Rosendo.

Der Fußballspieler: Ezequiel Horacio Rosendo in der Partie Radebeuler BC gegen SV Einheit Kamenz (0:0).
Der Fußballspieler: Ezequiel Horacio Rosendo in der Partie Radebeuler BC gegen SV Einheit Kamenz (0:0).  © Lutz.Kollmann@gmx.de

Der 35-Jährige kam 2006 nach Europa. Sein Trainer Daniel Wohllebe lobt den Routinier in höchsten Tönen: "Er steckt trotz seines Alters voller sportlicher Energie und Tatendrang, möchte die Vorgaben der Trainer immer umsetzen und ist immer sehr fleißig. Ich bin froh, so einen Menschen kennengelernt zu haben."

Seit dem 2. November ruht der Trainings- und Wettkampfbetrieb auch in der Karl-May-Stadt.

Rosendo lebt mit Frau Hana, einer gebürtigen Tschechin, und Tochter Sofia (9) in Radebeul. Ihre Familien sehen sie nur selten.

"Wir haben noch eine Wohnung in Most, fahren aber zurzeit nicht nach Tschechien", berichtet der Argentinier, der bei "Flack's Getränkefeinkost" angestellt ist.

"Dort sind wir jetzt auch in Kurzarbeit, da die Hotels und Restaurants geschlossen sind. Aber wir sind froh, dass Sofia in die Schule gehen kann."

Mit einem Bein in Tschechien

Der Familienvater: Rosendo mit Ehefrau Hana und Tochter Sofia (9) in Prag.
Der Familienvater: Rosendo mit Ehefrau Hana und Tochter Sofia (9) in Prag.  © privat

Den Kontakt nach Radebeul stellte einst sein Mitspieler Zdenek Kopas her. "Wir sind befreundet, und er gab mir damals den Tipp, Kontakt mit dem sportlichen Leiter Eberhard Weiche aufzunehmen", erzählt Rosendo. "Der Verein hat mir Arbeit besorgt. Ich bin zu Beginn immer zweimal in der Woche nach Most zu meiner Familie gefahren", ergänzt er in bestem Deutsch.

Auch Tschechisch spricht er nahezu fließend. Spanisch, portugiesisch und englisch hat Rosendo ebenfalls im Repertoire. Zu Hause wird bei Familie Rosendo in erster Linie spanisch und tschechisch gesprochen, "aber Sofia lernt in der Schule auch eifrig Deutsch und Englisch", erzählt der stolze Papa.

"Wir haben in Radebeul viele und sehr nette Leute kennengelernt. Egal, ob auf der Arbeit, in der Schule oder im Verein, alle haben geholfen, damit wir uns schnell integrieren können. Dafür sind wir sehr dankbar."

Was fehlt zum kompletten Glück? "Ich hoffe, wir können bald wieder Fußball spielen und nach Tschechien reisen. Aber im Moment müssen wir uns in Geduld üben. Wichtig ist, dass wir alle gesund bleiben und die Corona-Krise überwinden."

Nächstes Jahr den Trainerschein

Sein Stolz: das signierte Original-Trikot von Juan Román Riquelme. Sein Cousin hat es ihm geschenkt. Riquelme war 2000, 2001, 2008, 2011 Argentiniens Fußballer des Jahres, bestritt 51 Länderspiele.
Sein Stolz: das signierte Original-Trikot von Juan Román Riquelme. Sein Cousin hat es ihm geschenkt. Riquelme war 2000, 2001, 2008, 2011 Argentiniens Fußballer des Jahres, bestritt 51 Länderspiele.  © privat

Rosendo begann im argentinischen El Porvenir mit dem Fußball spielen. Der Provinzverein hatte 2012 mit der Verpflichtung von Diego Armando Sinagra Maradona, dem unehelichen Sohn der argentinischen Fußball-Legende, für Aufsehen gesorgt.

Später spielte Rosendo vier Jahre in Buenos Aires bei den Argentinos Juniors, für die einst auch "Fußballgott" Diego Maradona – der wie Rosendo in Lanús auf die Welt kam - die Töppen geschnürt hatte.

Mit 21 Jahren kam er nach Europa. "Tschechien war für mich die Chance, als junger Fußballer hier mein Glück zu versuchen", sagt er. "Den Namen dieses Landes hatte ich bis dahin allerdings noch nie gehört."

Sein sportliches Vorbild ist der argentinische Ex-Nationalspieler Juan Román Riquelme, der wie Maradona viermal zum besten Spieler seines Landes gewählt wurde. In seinem Besitz befindet sich ein Original-Trikot, signiert von Riquelme persönlich.

Rosendos Vater und seine beiden Schwestern leben in Buenos Aires. "Im Juli 2019 waren wir zum letzten Mal in Argentinien, als eine meiner Schwestern dort geheiratet hat", erzählt er. "Ich telefoniere fast jeden Tag mit meiner Familie, Anfang des Jahres war ein Freund aus Argentinien hier bei uns zu Besuch. Im Moment ist das leider nicht mehr möglich."

Über mangelnde Fitness ihres Südamerikaners müssen sich die Radebeuler keine Gedanken machen. "Ich absolviere Waldläufe und mache Krafttraining. Ich habe alles zu Hause, was man dafür benötigt." Wie lange er noch aktiv bleiben wird, weiß er nicht. "Auf jeden Fall, solange es geht. Ich liebe diesen Sport, kann mir ein Leben ohne Fußball nicht vorstellen."

Und so hat der Argentinier, der auch nach dem Ende seiner Laufbahn "in Europa leben möchte", schon vorgesorgt. "Ende Februar habe ich in Most die Prüfung für den Trainer-B-Schein abgelegt. In Radebeul hatte ich vom ersten Tag an die Möglichkeit, ein Nachwuchsteam zu trainieren."

Seine Jungs warten wie er sehnsüchtig darauf, dass es endlich wieder mit dem Fußballspielen losgeht.

Titelfoto: Montage: privat, Lutz.Kollmann@gmx.de

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