Gegen das Ladensterben in Dresdens Innenstadt: 1500 neue Parkplätze sollen die City retten

Dresden - Seit Jahren setzt der Online-Handel der Dresdner Innenstadt zu. Jetzt kam Corona obendrauf. Im Auftrag des Handelsverbandes wurde eine repräsentative City-Studie beauftragt. Die Ergebnisse wurden Mittwoch vorgestellt. Zentrale Forderungen werden der Mehrheit im Stadtrat nicht passen.

Wie hier am Ferdinandplatz verschwinden in Dresden viele Parkplätze ohne Ersatz.
Wie hier am Ferdinandplatz verschwinden in Dresden viele Parkplätze ohne Ersatz.  © Petra Hornig

In der Innenstadt wurde in den vergangenen Jahren auf gleichbleibender Fläche (222.000 Quadratmeter) ein Umsatz von jährlich 860 Millionen Euro erwirtschaftet. Jede vierte Dresdner Verkaufsfläche liegt in der City, in den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Schmuck und Sportbedarf ist es etwa jede zweite.

Doch diese leiden besonders unter Online-Handel und Corona, teils sank der Umsatz um 80 Prozent. "Vielen ist die Lust am Einkaufsbummel vergangen. Es wird kürzer und gezielter eingekauft. Doch die Innenstadt braucht die Lust an Shopping", sagt Handelsverband-Geschäftsführer David Tobias.

Boris Böhm vom beauftragten Gutachterbüro sieht eine Erholung nicht vor Ende 2023. Aus diesem Grund hat sein Unternehmen Empfehlungen erarbeitet, die "innerhalb der nächsten sechs Monate" angeschoben werden müssten, um einem Ladensterben entgegenzuwirken.

Zentraler Punkt neben einem runden Tisch (Citymanagement, Handel und Politik), mehr Geld für das Citymanagement und einem neuen Innenstadt-Konzept: etwa 1500 neue Parkplätze und nur leicht steigende Parkgebühren. 

"Es ist ein psychologisches Thema, die Leute geben Hunderte Euro fürs Shoppen aus, die Parkgebühren entscheiden aber, ob man in die Stadt fährt oder online kauft", so Böhm. Die vorhanden Parkplätze müssten zudem besser in Verkehrs-Apps sichtbar werden.

"Es ist illusorisch, dass tschechische Gäste mit Bus und Bahn zum Shoppen kommen", sagt Handelsverband-Geschäftsführer David Tobias.
"Es ist illusorisch, dass tschechische Gäste mit Bus und Bahn zum Shoppen kommen", sagt Handelsverband-Geschäftsführer David Tobias.  © Thomas Türpe
"Wegfallende Parkplätze müssen ersetzt werden", fordert Innenstadt-Gutachter Boris Böhm von Dr. Lademann & Partner.
"Wegfallende Parkplätze müssen ersetzt werden", fordert Innenstadt-Gutachter Boris Böhm von Dr. Lademann & Partner.  © Thomas Türpe
Aktuell werden sechs Euro pro Tagesticket fällig, bereits nächstes Jahr könnte eine Obergrenze wegfallen.
Aktuell werden sechs Euro pro Tagesticket fällig, bereits nächstes Jahr könnte eine Obergrenze wegfallen.  © Petra Hornig
Parksuchverkehr soll durch bessere Navi-Apps kanalisiert werden.
Parksuchverkehr soll durch bessere Navi-Apps kanalisiert werden.  © Petra Hornig
Steuert die Stadt nicht gegen, so die Sorge der Experten, werden noch viele Läden schließen müssen.
Steuert die Stadt nicht gegen, so die Sorge der Experten, werden noch viele Läden schließen müssen.  © Ove Landgraf
Aktuell leidet vor allem die einstige Geschäftsmeile an der Wilsdruffer Straße.
Aktuell leidet vor allem die einstige Geschäftsmeile an der Wilsdruffer Straße.  © Ove Landgraf

Laut den Experten würden Tagestickets bis maximal neun Euro akzeptiert. Die Stadt will zukünftig in der City jedoch drei Euro pro Stunde verlangen. Ein Tagesticket fiele weg. "In Dresden gibt es eine überhebliche Debatte, den Bürgern vorschreiben zu wollen, sie müssten den ÖPNV nutzen", so Tobias weiter.

Titelfoto: Montage: Petra Hornig, Ove Landgraf

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