Geldprobleme und Corona: Fluglinie "Sundair" muss unter einen Schutzschirm

Stralsund/Dresden - Die junge Fluglinie SUNDAIR begibt sich in eine sogenannte Schutzschirm-Sanierung. Diese "Insolvenz light" soll Unternehmen nach Insolvenzrecht auch bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Perspektive bieten. Alle Flüge werden aufrecht erhalten, so die Firma am Freitag in einer Mitteilung.

Die Fluggesellschaft Sundair will alle Flüge ab Dresden-Klotzsche aufrecht erhalten.
Die Fluggesellschaft Sundair will alle Flüge ab Dresden-Klotzsche aufrecht erhalten.  © © Flughafen Dresden GmbH / Michael Weimer

"Der Geschäftsführer hat beim Amtsgericht Stralsund einen entsprechenden Antrag gestellt, dem das Gericht bereits gefolgt ist", heißt es in dem Papier. "Wie andere Airlines auch ist 'Sundair' stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen." 

Die in Stralsund an der Ostsee beheimatete Linie steuert allein von Dresden-Klotzsche aus acht Ziele an, darunter Korfu, Rhodos, Varna und Palma de Mallorca.

Der Mitteilung zufolge will Geschäftsführer Marcos Rossello mit Hilfe des Schirms das Unternehmen in Eigenverwaltung neu und zukunftsfähig aufstellen. Rossello ist Gründer der Airline und seit Übernahme der Anteile von "schauinsland-reisen" jüngst auch alleiniger Gesellschafter. 

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Das 2016 gegründete Unternehmen fliegt seit September 2017.

Die Zukunftschancen schätzt Rossello so ein: "Unsere gute Entwicklung vor der Pandemie zeigt, dass 'Sundair' ein tragfähiges Geschäftsmodell hat." 

Allerdings sind nun "Aufpasser" an der Seite: Den als Insolvenzverwalter bekannten Lucas Flöther, der für die Stralsunder nun als "Sachwalter" tätig ist, und die Restrukturierungsexperten Thomas Mulansky von der Kanzlei Mulansky + Kollegen. Flöther hatte zum Beispiel bei der Fluglinie "Condor" ein Schutzschirmverfahren begleitet – erfolgreich.

"Ziel ist es, nach der Corona-Krise unseren Weg als starker Partner für Reiseveranstalter, Flughäfen und vor allem Kunden fortzusetzen. Alle geplanten Flüge finden weiter im Einklang mit den geltenden Corona-Bedingungen statt", so Rossello. Er unterstrich, dass bereits gekaufte Tickets ihre Gültigkeit behalten.

Löhne und Gehälter seien sicher

Die rund 240 Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten des Unternehmens seien über das Vorgehen unterrichtet. Weiter heißt es: "Die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer sind während des Schutzschirmverfahrens über die Bundesagentur für Arbeit gesichert." 

Zusätzlich habe man bereits Gespräche mit wichtigen Gläubigern geführt. Mit ihnen werde in den kommenden Monaten der Sanierungsplan diskutiert und fertiggestellt.

Zur Erklärung: Bei einem Schutzschirm handelt es sich um ein strukturiertes Verfahren, mit dem sich Unternehmen binnen Monaten neu aufstellen können. Die unternehmerische Verantwortung bleibt dabei weiterhin in den Händen des Unternehmens (Stichwort "Eigenverwaltung"). 

Das Sanierungsrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen wirtschaftliche Probleme frühzeitig erkennen und ausreichend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. Beides sei bei der Linie der Fall, heißt es abschließend in der Mitteilung. Das Unternehmen gibt sich ein halbes Jahr Zeit.

Titelfoto: © Flughafen Dresden GmbH / Michael Weimer

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