Größter Geldtransport der deutschen Geschichte: Vor 30 Jahren kam die D-Mark in den Osten

Dresden - Spannender könnte selbst ein Hollywood-Film nicht sein! Als vor 30 Jahren die Geldtransporter aus dem Westen in die DDR rollten, hatten sie Milliarden von D-Mark geladen. Dank aufwendiger Sicherheitsmaßnahmen wurde nicht einer der Transporter überfallen. Trotzdem waren Gauner aus aller Welt am Start und warteten nur auf ihre Gelegenheit - die sie auch bekommen sollten.

Nach langem Schlangestehen vor einer Leipziger Bank freut sich dieser junge Mann über seine D-Mark-Banknoten, aufgenommen am 1. Juli 1990, der Tag der deutsch-deutschen Währungsunion.
Nach langem Schlangestehen vor einer Leipziger Bank freut sich dieser junge Mann über seine D-Mark-Banknoten, aufgenommen am 1. Juli 1990, der Tag der deutsch-deutschen Währungsunion.  © Kai-Uwe Wärner/dpa

Die ARD-Reportage "Wie die D-Mark in den Osten kam" (bis 21. Juni 2021 >>> hier in der ARD-Mediathek zu sehen) berichtet von den Ereignissen rund um den 1. Juli 1990.

Es war der Frühsommer, in dem die geplante Währungsunion umgesetzt wurde. Weil viele DDR-Bürger die völlig wertlos gewordene Ost-Mark nicht mehr haben wollten, drohten sie: "Kommt die D-Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr".

Für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (†87) Anlass genug, Anfang Februar 1990 einen Entschluss zu fassen, über den vorab nicht einmal die Währungshüter der Bundesbank informiert wurden: Aus der "Tagesschau" erfuhren sie - wie Millionen überraschter Menschen in beiden Teilen Deutschlands -, dass die D-Mark in den Osten kommt. 

Damit blieben den Organisatoren fünf Monate, um den größten Geldtransport der deutschen Geschichte vorzubereiten. 

Was dann folgte, war eine logistische Herausforderung unter Bedingungen, die man sich heute kaum mehr vorstellbaren kann. Unter enormem Zeitdruck wurde damals Gewaltiges geleistet! 

Vieles musste improvisiert werden

Helmut Kohl (†87, CDU) im September 2010. Der Altbundeskanzler starb am 16. Juni 2017.
Helmut Kohl (†87, CDU) im September 2010. Der Altbundeskanzler starb am 16. Juni 2017.  © picture alliance / Fredrik von Erichson/dpa

Vieles musste improvisiert werden: Büro-Einrichtungen und Computer für die neuen Bundesbank-Filialen wurden selbst mitgebracht, Telefonate waren kaum möglich, nicht einmal in Großstädten wie Dresden und Leipzig

Und die Tresore, in denen die D-Mark lagern sollte, waren noch voller Ost-Mark-Scheine und -Münzen, die erstmal entsorgt wurden.

Nicht selten standen die Tresore auch in heruntergekommenen Bankhäusern. 

Die maroden Gebäude und ihre kaum ausreichende Sicherung ermöglichten es später Kriminellen aus der ganzen Welt, sich am großen Geldschatz zu bedienen.

Nicht zuletzt wurden 441 Millionen Banknoten gedruckt und 102 Millionen Münzen geprägt.

Schwer bewacht rollten die West-Transporter schließlich in Richtung der früheren DDR. Ab der innerdeutschen Grenze übernahmen Volkspolizei und die schwerbewaffnete Nationale Volksarmee die Überwachung der Transporte. 

"Jede Fahrt gleicht einem Abenteuer. Viele Straßen in der DDR sind marode und immer wieder müssen Umwege gefahren werden, weil die Brücken für die 40 Tonnen schweren Transporter nicht geeignet waren", heißt es in der Doku.

Über 25 Milliarden D-Mark wurden damals innerhalb weniger Wochen von West nach Ost transportiert. Denn: Das Geld musste am 1. Juli 1990 vor Ort sein!

Schon drei Monate vor der eigentlichen Wiedervereinigung wurde nämlich die deutsch-deutsche Währungsunion vollzogen. 

Bereits am Abend des 30. Juni 1990 bildeten sich in vielen Städten der damaligen DDR lange Menschenschlangen vor den Geldausgabestellen. Viele wollten die D-Mark pünktlich um Mitternacht in ihren Händen halten.

Neue Sorgen vor der Zukunft: Kumpel bei einer Demonstration für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze vor dem Schacht Bleicherode der Kali Südharz AG, undatiertes Foto von 1990. Nach der Wende und Währungsunion wurde das ehemalige Kombinat Kali in verschiedene Bereiche zerschlagen und von der Treuhand verwaltet. In Bleicherode wurde die Kaliförderung wenig später eingestellt.
Neue Sorgen vor der Zukunft: Kumpel bei einer Demonstration für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze vor dem Schacht Bleicherode der Kali Südharz AG, undatiertes Foto von 1990. Nach der Wende und Währungsunion wurde das ehemalige Kombinat Kali in verschiedene Bereiche zerschlagen und von der Treuhand verwaltet. In Bleicherode wurde die Kaliförderung wenig später eingestellt.  © Eberhard Klöppel / dpa-Zentralbild / picture alliance / zb

In der ARD-Doku "Wie die D-Mark in den Osten kam" schildern Zeitzeugen, wie sie das alles erlebten und geben Einblicke in die spannenden Monate vor der Währungsunion, deren Folgen noch heute nachwirken.

Titelfoto: Kai-Uwe Wärner/dpa

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