Hygiene Museum beleuchtet in Ernährungs-Schau "Future Food" unser Essen

Dresden - Was schmeckt uns, und warum?
Museums-Praktikantin Anne Fiebig (23) betrachtet die Ausstellungsabteilung "Logistikzentrum".
Museums-Praktikantin Anne Fiebig (23) betrachtet die Ausstellungsabteilung "Logistikzentrum".  © Eric Münch

Wie lang ist der Weg von Feld und Stall bis auf den Teller? Zu welchen globalen Problemen führt der weltweite Handel mit Nahrungsmitteln? Wie ernähren wir uns in Zukunft? 

Fragen, die das Deutsche Hygiene-Museum in der Sonderausstellung "Future Food. Essen für die Welt von Morgen" zusammenführt. Es geht um Nutzwert und Wissenschaft, um Philosophie und Politik, Kunst und Genuss.

Eigentlich hätte "Future Food" schon am 20. März öffnen sollen. "Wir mussten die Schau wegen Corona in den Dornröschenschlaf versetzen und durften sie jetzt wachküssen", sagt Vize-Direktorin Gisela Staupe. 

Die Ausstellung berühre das Leben der Besucher*innen unmittelbar. Staupe: "Essen ist eine alltägliche, körperliche Erfahrung, ist sinnlich und hat viel mit Lust zu tun." Zugleich sei das, was auf dem Teller liege, aber auch ein Politikum von weltweiter Brisanz. 

Dafür habe man eine Ausstellung konzipiert, die sehr auf Aufklärung und Wissensvermittlung setze, aber auch eines auslösen wolle: "Lasst uns mutige Esser werden."

Essen ist weit mehr als simple Ernährung

Opulente Tafel: Im letzten Ausstellungsraum wird die Sinnlichkeit des Essens mittels Kunstinstallation in Szene gesetzt.
Opulente Tafel: Im letzten Ausstellungsraum wird die Sinnlichkeit des Essens mittels Kunstinstallation in Szene gesetzt.  © Eric Münch

Essen ist lebensnotwendig – und doch weit mehr als ein reines Über-Lebensmittel, sagt Ausstellungs-Kuratorin Viktoria Krason. Die Projektleiterin: "Essen ist auf den ersten Blick ein rein privater, auf den zweiten aber auch ein politischer Akt." 

Dieser Zusammenhang zwischen individuellem Handeln und globaler Auswirkung werde immer deutlicher. Entsprechend zeigt die Schau anhand von rund 300 Exponaten unter anderem auf, wie das weltweite Ernährungssystem Milliarden satt mache und zugleich Millionen hungern lasse.

Verdeutlicht wird dies mittels eines Rundgangs durch drei große Abteilungen: 

Ein Gewächshaus gibt via Videos und Modellen Auskunft zu Bio-Landbau, Agrarökologie oder Lebensmittelforschung, ein Logistikzentrum zeigt die Ströme des weltumspannenden Handels und seine Folgen, und in einem knallbunt gestalteten Supermarkt kann man schließlich aus Ernährungstrends seine eigenen Vorlieben wählen. 

TAG24-Redakteur Heiko Nemitz (50) bestaunt die bunte Vielfalt der Nahrungs-Schau.
TAG24-Redakteur Heiko Nemitz (50) bestaunt die bunte Vielfalt der Nahrungs-Schau.  © Eric Münch

Eingerahmt werden diese Stationen von einem Prolog - einem Festzelt voller Essensreste, der "Schlacht am kalten Buffet", - sowie einem Epilog in Form einer festlich gedeckten Tafel. Gisela Staupe: "Der Ausklang soll Überraschung und Belohnung sein."

Bevor ab September wieder analoge Veranstaltungen möglich sind, wurden begleitende digitale Formate entwickelt, die ab Juni auf der Museumshomepage hochgeladen werden. Unter anderem erklären regionale Experten, was Dresdner gerne essen und wie man die Reste in seinem Kühlschrank zubereiten kann.

Ideologische Positionen zum Essen (Fleisch oder Veganismus) werden zwar dargestellt, stehen in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit aber nebeneinander. Kuratorin Krason: "Die Ausstellung hat eine Haltung, aber wir sagen nicht, was richtig oder falsch ist."

"Future Food" ist bis zum 21. Februar 2021 zu sehen. 

Titelfoto: Eric Münch

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