Immer mehr Job-Gesuche von ungeimpften Pflegekräften: Echt oder nicht?

Dresden - Ganze Seiten voller Stellengesuche, alle aus dem Bereich der Pflege. In zahlreichen lokalen Anzeigenblättern suchen betont ungeimpfte Fachkräfte nach neuen Jobs. Doch um echte Jobsuche geht es vielen nicht.

So viele Jobgesuche fanden sich bislang selten im Wochenkurier, doch die wenigsten sind erreichbar.
So viele Jobgesuche fanden sich bislang selten im Wochenkurier, doch die wenigsten sind erreichbar.  © privat

126 Stellenanzeigen allein im "Oberlausitzer Kurier" - das kam dem rbb-Journalisten Andreas Rausch seltsam vor: 18 davon versuchte er zu erreichen, erfolglos.

Kurz darauf berichtete das Nachrichtenportal "t-online" über gezielte Aufrufe zu diesen Anzeigen. Auch im "Dresdner Wochenkurier" fanden sich 35 ungeimpfte Jobsuchende, die meisten nur erreichbar über das Blatt selbst (Chiffre).

Eine Anzeige bietet überhaupt keine Möglichkeit zum Kontakt. Immerhin 14 gaben eine Telefonnummer an. TAG24 klingelte durch: Zwei Nummern existierten nicht, bei neun ging keiner oder die Mailbox ran.

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"Da muss sich einer einen Scherz erlaubt haben oder es ist eine gezielte Aktion", sagte einer, der abnahm. "Ich bin Brandenburger, habe weder etwas mit Sachsen noch mit Krankenschwestern zu tun."

Mobilisierung in Telegram-Gruppen

Auf einer "Querdenker"-Demo in Chemnitz protestierten Teilnehmer gegen die geplante Impfpflicht im Gesundheitswesen.
Auf einer "Querdenker"-Demo in Chemnitz protestierten Teilnehmer gegen die geplante Impfpflicht im Gesundheitswesen.  © HärtelPress/Imago Images

Aber es gibt auch tatsächlich Pflegekräfte unter den Anzeigen. "Man wird ja dazu gezwungen", sagt eine Frau (50) aus Stolpen, die auch in einer "Eltern stehen auf"-Telegram-Gruppe Mitglied ist.

"Ich hoffe, dass sich das mit der Impfpflicht in Luft auflöst, mir ging es aber auch darum, ein Signal zu setzen."

Das bestätigt auch eine Schwester aus Dippoldiswalde. "Für mich ist es eine Kosten-Risiko-Abwägung", sagt die Pflegerin (48) gegenüber TAG24. "Ich habe eine Gerinnungsstörung, hatte Myokarditis. Dann gehe ich lieber putzen."

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Sie hatte sich bereits vergangene Woche an der Aktion beteiligt, als 550 Pfleger und Ärzte ihre Berufsurkunden im Pirnaer Landratsamt abgegeben hatten und bestätigt, dass die Anzeigenhäufung kein Zufall ist: "Wir haben uns dazu abgesprochen. Auch mir ging es darum, ein Signal zu setzen."

Tatsächlich geistern Aufrufe dazu bundesweit durch die Telegram-Gruppen: "Wichtig ist aber, dass man sich abspricht", riet der Verschwörungstheoretiker Sebastian Friebel am 12. Januar bei Telegram. "Damit die Inserate alle gleichzeitig abgedruckt werden."

Mit einem Stapel kopierter Berufsurkunden protestierten Pflegekräfte und Ärzte gegen die Impfflicht im Pirnaer Landratsamt.
Mit einem Stapel kopierter Berufsurkunden protestierten Pflegekräfte und Ärzte gegen die Impfflicht im Pirnaer Landratsamt.  © Daniel Förster

Andere Aufrufe vom vergangenen Jahr fordern dazu auf, sich arbeitslos zu melden, damit es in der Statistik sichtbar wird.

Titelfoto: Montage: HärtelPress/Imago Images, privat

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