Jetzt auch von links: Antifa-Demo gegen Coronapolitik in der Neustadt

Dresden - Auch die linksradikale Szene nimmt nun die Coronapolitik der Bundesregierung ins Visier: Nachdem am Freitagabend rund 50 Teilnehmer zu einer Kundgebung im Hechtviertel in Dresden kamen, folgten dem Aufruf der "Undogmatischen Antifa" (URA) rund 80 Protestierer an den Albertplatz. Von dort setzten sie sich spontan und trotz Ausgangssperre zu einem Demonstrationszug in Bewegung.

Rund 80 Protestierende trafen sich am Samstagabend in der Neustadt zu einer spontanen Demo gegen die Corona-Politik der Bundesregierung.
Rund 80 Protestierende trafen sich am Samstagabend in der Neustadt zu einer spontanen Demo gegen die Corona-Politik der Bundesregierung.  © Eric Hofmann

Die Corona-Krise stellte die politische Welt auf den Kopf: Während das rechtsradikale Spektrum ohne Anmeldungen und auf staatliche Regeln zu achten durch die Städte zog, beschränkte sich die Gegenseite darauf, dagegen zu protestieren und die Schutzmaßnahmen zu verteidigen.

Die sogenannte Bundesnotbremse hat hier wohl zu einem Sinneswandel geführt: Ausgangssperren, Einschränkungen in der Freizeit, dafür aber laufende Betriebe kritisiert das Spektrum scharf und brachte Dresdner Antifa-Gruppen und Anhänger gestern erstmals zu einem unangemeldeten Demonstrationszug dagegen auf die Straße.

Wurde zuerst eine kurze Rede auf dem Albertplatz gehalten, setzte sich plötzlich ein Zug über die Königsbrücker Straße in Bewegung, skandierte kurzerhand auf die Pandemie umgedichtete Parolen:

Dresden: Coronavirus in Dresden: Was wird nun aus den Testzentren?
Dresden Lokal Coronavirus in Dresden: Was wird nun aus den Testzentren?

"Impfstoff für alle, sonst gibt's Krawalle!", "Staat, Nation, Corona - Scheiße!" oder "Gebt den Impfstoff frei", riefen die Demonstranten.

Zum Protest aufgerufen hatte die "Undogmatische Radikale Antifa".
Zum Protest aufgerufen hatte die "Undogmatische Radikale Antifa".  © Eric Hofmann
Nach dem Demo-Ende zog gegen 22.15 Uhr auch die Polizei wieder ab, die zwischenzeitlich mit einem Großaufgebot vor Ort war.
Nach dem Demo-Ende zog gegen 22.15 Uhr auch die Polizei wieder ab, die zwischenzeitlich mit einem Großaufgebot vor Ort war.  © Eric Hofmann

Keine Verharmlosung der Pandemie

Über Megafon teilte ein Demonstrant den verdutzten Anwohnern mit, dass es bei dem Zug keinesfalls um Verharmlosung der Pandemie ginge, man auch nichts gegen die Schutzmaßnahmen habe. Vielmehr seien sie dagegen, dass man in der Freizeit zu Hause bleiben soll, um dann weiter arbeiten gehen zu können.

Der unangemeldete Zug bog schließlich in den Bischofsweg ab, am Alaunplatz verteilten sich die Demonstranten in alle Richtungen. Zwischenzeitlich war dort auch ein Großaufgebot der Polizei angekommen, aber die Demo hatte sich da bereits aufgelöst.

Titelfoto: Eric Hofmann

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