Käufliche Liebe in Dresden: Schon 1415 ging's heiß her! Der erste Puff lag in der Lochgasse

Dresden - Sex gegen Geld - Puffs und Huren gab's in Dresden schon immer. Die Liebesdamen der Stadt wurden in den letzten tausend Jahren von ihren Freiern begehrt und von der Obrigkeit zuweilen geächtet. Das "sündige" Gewerbe erregt bis heute die Gemüter, wenn auch meist hinter vorgehaltener Hand. 

Galante Damen, geile Herren: Das Geschäft mit der käuflichen Liebe florierte schon im Mittelalter - auch in Dresden. Holzstich einer zeitgenössischen Anbahnungsszene.
Galante Damen, geile Herren: Das Geschäft mit der käuflichen Liebe florierte schon im Mittelalter - auch in Dresden. Holzstich einer zeitgenössischen Anbahnungsszene.  © akg-images

Am heutigen "Internationalen Welthurentag" aber bricht das Gesundheitsamt mit seiner Aktion "Rotlicht an" quasi offiziell eine Lanze für die "Sexarbeiterinnen" in der Stadt. 

Für TAG24 Anlass zu einer prickelnden Serie: In "Käufliche Liebe" nehmen wir Euch mit auf einen Streifzug durch die Lotterbetten und Liebes-Etablissements der Stadt - vom Mittelalter bis in die Gegenwart - und verraten Euch dabei manches pikante Geheimnis.

Ob offiziell verboten oder nicht - käufliche Liebe gab es in Dresden zu jeder Zeit. Während im Mittelalter das Geschäft mit den "leichten Mädchen" zunächst blühte, bedeuteten das Aufkommen der Syphilis und die Reformation (1539) schwere Einschnitte für Prostituierte, die sogar in Zünften organisiert waren. 

Mit verschiedensten Mitteln versuchten die fürstlichen Herrscher des Hauses Wettin und die Stadt vergeblich, das "älteste Gewerbe der Welt" einzudämmen.

1415 wird in Dokumenten bereits das erste "Frauenhaus" erwähnt. Es lag in der Lochgasse (später Badergasse) hinter der Kreuzkirche, in der Nachbarschaft zur Henkerei und Büttelei (Gefängnis). Das gesamte Viertel wurde abwertend "das Loch" genannt. Das "böse Haus" oder "Hurenhaus" gehörte dem Rat der Stadt. Zwischen fünf zehn Frauen waren dort angestellt. Die Oberaufsicht führte der Henker. 

Nicht jeder durfte die Dienste der Frauen, die vermutlich an einem bunten Schleier erkennbar waren, in Anspruch nehmen. Verheirateten, Juden und Priestern war der Besuch den Freudenhauses unter Todesstrafe untersagt.

Erstes Freudenhaus stand in der Nähe der Kreuzkirche

Kurfürst August ließ im 16. Jahrhundert Sittenkontrollen durchführen.
Kurfürst August ließ im 16. Jahrhundert Sittenkontrollen durchführen.  © wikipedia

Nicht von ungefähr stand Dresdens erstes Freudenhaus in der Nähe der Kreuzkirche. Lebte doch der Pfarrer ein Stück weit von den Einkünften der Prostituierten, weil er regelmäßig eine Art Steuer vom "Hurenhaus" bekam. 

Als Gegenleistung sollte er wohl Abbitte für die "Dirnen" leisten, eine übliche Art damals, irdische Sünden zu tilgen. Die Kreuzkirche erfuhr 1495 sogar eine besondere Zuwendung durch eine Prostituierte: Sie vererbte nach ihrem Tode dem Gotteshaus ihr gesamtes Vermögen. Es waren elf Groschen.

Dresdens erster Puff hielt sich bis zur Reformation. Während das Freudenhaus nach wiederholten Bränden (unter anderem 1491 beim großen Stadtbrand) vernichtet, aber unter Mithilfe der Prostituierten stets wieder aufgebaut wurde, schloss es endgültig seine Tore mit der Reformation, als Bordelle verboten wurden.

Schon der vorerst letzte katholische Herrscher Georg der Bärtige (1471-1539) hatte sich um die Ordnung in seiner Stadt gesorgt. 

Er verschärfte die seit 1460 existierende Polizeistunde. Als das nichts half, setzte er ab 1513 die ersten Nachtwächter ein, die außer Säufern auch "Hübschlerinnen" auf den nächtlichen Gassen einsammeln sollten. 

Sein Neffe, Kurfürst August (1526–1586), ließ gar 1577 und 1583 Haushalte kontrollieren, um den "sittlichen Zustand" zu prüfen. Prostituierte - so wies der Kurfürst an - waren neben Bettlern und Dieben auszuweisen.

Huren nicht selten als Hexen verurteilt

Martin Luther: Mit der Reformation in Sachsen (1539) wurden auch Geschäft für die Prostituierten schwieriger.
Martin Luther: Mit der Reformation in Sachsen (1539) wurden auch Geschäft für die Prostituierten schwieriger.  © ddp
Der erste Puff lag in der Nähe der Kreuzkirche. (Abbildung von 1550).
Der erste Puff lag in der Nähe der Kreuzkirche. (Abbildung von 1550).  © Archiv
Unter dem Wettiner Georg dem Bärtigen wurden 1513 die ersten vier Nachtwächter eingestellt.
Unter dem Wettiner Georg dem Bärtigen wurden 1513 die ersten vier Nachtwächter eingestellt.  © momentphoto.de/Oliver Killig

In dieser Zeit wurden "Huren" nicht selten als "Hexen" verurteilt. Die wohl berühmteste "Hexe", die auf dem Altmarkt verbrannt wurde, war die mit einem Hofrat verheiratete Sophia von Taubenheim (unb.-1585). 

Neben Zauberei gegen den Kurfürsten war sie auch wegen Hurerei zum Tode verurteilt worden. Am 23. Juli 1585 wurde sie in Dresden mit dem Schwert auf dem Altmarkt öffentlich hingerichtet.

Regelrecht Lärm um die Prostituierten in Dresden machte nun auch der Rat der Stadt. 1588 ließ er beim Pergamentmacher eine "Hurenpauke" anfertigen. Öffentlich wurden die unliebsamen "Dirnen" damit aus der Stadt gepaukt.

Aufgelöste Zünfte, hohe Geldstrafen oder öffentliche Zur-Schau-Stellung der Prostituierten zeigten trotzdem nicht den gewünschten Erfolg. Die Folge war die Geheimprostitution in Spelunken am Stadtrand.

Titelfoto: Archiv, akg-images

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