Kein Fußball, keine Feste, kein Fassbier: Sachsens Brauer in der Krise

Dresden - Die Biergärten sind trotz besten Wetters dicht, Stadtfeste werden reihenweise abgesagt, die Fußball-EM ist verschoben und nicht mal auf den regionalen Plätzen wird gekickt. Kurzum: Für Sachsens Brauer ist die Situation schier zum Verzweifeln, Corona hat sie in die Bier-Krise gestürzt. 

Bier ganz einfach selber brauen! Christian Schwingenheuer (44) hat neben Flaschenbier auch Hopfen und Malz im Angebot.
Bier ganz einfach selber brauen! Christian Schwingenheuer (44) hat neben Flaschenbier auch Hopfen und Malz im Angebot.  © Thomas Türpe

Ist jetzt etwa Hopfen und Malz verloren? Zusammen produzieren die insgesamt 75 Braustätten jedes Jahr acht Millionen Hektoliter Bier - davon 1,6 Millionen im Fass. 

"Eine schwierige Situation", findet Barbara Sarx-Lohse (45) vom sächsischen Brauerbund. "Der Fassbier-Absatz ist wegen der fehlenden Gastronomie zurückgegangen und tendiert gegen null. 

Vor allem Gaststättenbrauereien haben Probleme, weil sie oft nicht in Flaschen abfüllen.

"Christian Schwingenheuer (44) trifft es besonders hart. Dem Brauerei-Chef aus der Dresdner Neustadt brechen 90 Prozent seines Umsatzes weg. "Ich habe drei Standbeine: erstens der Ausschank auf Stadtfesten, aber die fallen bis Ende August aus. Zweitens biete ich Bier-Seminare und Verkostungen an, die momentan nicht stattfinden dürfen. Und drittens beliefere ich Gaststätten mit Fassbier ..."

Einzige Einnahmequelle ist sein Geschäft auf der Dresdner Schönbrunnstraße. Hier gibt es abgefülltes Bier in Flaschen und Zutaten zum Selbstbrauen. Um seine Biervorräte haltbar zu machen, lässt Schwingenheuer seine Haussorte "Elbhang" jetzt in der Moritzburger Spezialbrennerei verarbeiten. 

"Auf diese Weise kann ich mein Sortiment erweitern und vielleicht schon am Ende der Sommerferien einen Bierbrand anbieten."

Hier kommt das Bier in die Flaschen. Maximal 30 Stück kann der Bierbrauer pro Tag befüllen.
Hier kommt das Bier in die Flaschen. Maximal 30 Stück kann der Bierbrauer pro Tag befüllen.  © Thomas Türpe
Barbara Sarx-Lohse (45) vom sächsischen Brauerbund.
Barbara Sarx-Lohse (45) vom sächsischen Brauerbund.  © PR

Doch auch Großbrauereien melden Bedenken an. "Vor allem der Export ist massiv betroffen und beginnt sich erst sukzessive zu normalisieren", so Frank Haase (43) von Feldschlößchen. "Keiner weiß, was kommt ..."

Titelfoto: Thomas Türpe

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