Kein Platz mehr im Krematorium: Flutschutz-Lager wird zur Leichenhalle

Dresden - Es sind einfach zu viele. Obwohl das Dresdner Krematorium seit Wochen an der Belastungsgrenze arbeitet, Verstorbene zur Einäscherung nach Thüringen und Niedersachsen gebracht werden und zusätzlich zu den Kühlhallen bereits weitere kühle Räume genutzt werden, reichen die Kapazitäten nicht aus.

Beim Krematorium in Tolkewitz kommen so viele Tote an wie noch nie.
Beim Krematorium in Tolkewitz kommen so viele Tote an wie noch nie.  © Sebastian Kahnert/dpa

Deshalb nutzt das Rathaus nun auch eine neu gebaute Halle an der Lohrmannstraße, in der eigentlich mobile Hochwasserschutzelemente lagern.

Darüber informierte Mittwoch die zuständige Bürgermeisterin Eva Jähnigen (55, Grüne).

"In der ersten Woche des neuen Jahres mussten wir so viele Verstorbene aufnehmen wie noch nie zuvor", schildert sie die dramatische Situation.

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Von den mehr als 500 Toten können im Moment nur etwa die Hälfte hier in Dresden eingeäschert werden.

Bürgermeisterin Eva Jähnigen (55, Grüne).
Bürgermeisterin Eva Jähnigen (55, Grüne).  © Thomas Türpe

Damit wächst die Anzahl der Verstorbenen weiter an, die bisher nicht eingeäschert werden konnten. Die bisherigen Möglichkeiten, diese unterzubringen, seien fast ausgeschöpft.

Dabei kann allein die Kühlhalle am Krematorium 300 Tote aufnehmen und die Friedhöfe der Stadt noch einmal so viele. In der neuen Halle ist nach Angaben des Rathauses Platz für mehrere Hundert weitere.

In dieser Halle sollen die Toten untergebracht werden, bis sie eingeäschert werden können.
In dieser Halle sollen die Toten untergebracht werden, bis sie eingeäschert werden können.  © Jürgen Männel
Dicht an dicht stehen die Särge nicht nur in Meißen.
Dicht an dicht stehen die Särge nicht nur in Meißen.  © Robert Michael/dpa

"Das Gesundheitsamt erlaubt die Nutzung zunächst befristet bis Mitte Februar, weil der Betrieb kühle Witterung voraussetzt", sagt Jähnigen. Zugleich arbeite man an einem kühlbaren Standort, falls sich die Lage bis zum Frühjahr nicht entspannen sollte.

Von Entspannung ist derzeit aber leider nichts zu sehen. Mittwoch meldete das Rathaus 261 Corona-Neuinfektionen und 33 weitere Sterbefälle.

Titelfoto: Robert Michael/dpa/ Sebastian Kahnert/dpa

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