Kino, Café, Kunst: Dresden vorm letzten Wochenende mit Lebensfreude

Dresden - Kein Theaterbesuch. Kein Schlemmen im Restaurant. Kein Auspowern im Fitnessstudio. Für vier Wochen steht ab Montag das gesellschaftliche Leben fast still.

Bald bleiben die roten Sessel wieder leer. Am Wochenende lädt Bernhard Reuther (42) aber noch ins neue Zentralkino im Kraftwerk Mitte.
Bald bleiben die roten Sessel wieder leer. Am Wochenende lädt Bernhard Reuther (42) aber noch ins neue Zentralkino im Kraftwerk Mitte.  © Norbert Neumann

Es bleiben nur noch drei Tage, um etwas Spaß und Lebensfreude für die bevorstehende "Fastenzeit" zu tanken. Mit Maske und genügend Abstand können Sie hier noch gesellige Stunden verbringen.

  • Bühne

Die Dresdner Band "Die NotenDealer" antwortet auf den Lockdown gleich mit zwei Zusatzvorstellungen der ComedyPopShow "KannMannSutra?" Samstag (16 Uhr) und Sonntag (20 Uhr) im Comedy-Theater-Club auf der Hauptstraße.

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Chefin Heike Jack (55): "Lassen Sie uns Spaß haben, so lange es noch geht!" Geht auch in vielen anderen Theatern. Im Boulevardtheater läuft etwa am Freitagabend (19.30 Uhr) der frivole Klassiker "Herr Doktor, die Kanüle klemmt".

  • Konzert

Wer weiß, ob es Weihnachten etwas wird: Geistliche Musik in der Kreuzkirche steht am morgigen am Reformationstag gleich zweimal auf dem Plan.

9.30 Uhr zum Festgottesdienst und 17 Uhr zur Vesper. Die Semperoper bringt am Sonntag Mozarts "Zauberflöte" in einer Neuinszenierung auf die Bühne. Ein Sprecher des Hauses: "Unsere erste und letzte Premiere im November." Es gibt noch Restkarten.

  • Film

Erst am Donnerstag wieder sind frische Streifen im Kino angelaufen. Blöd für Macher wie Cineasten. Das gerade erst eröffnete "Zentralkino" lädt bis Sonntag noch mal richtig zum Filmegucken. "Es ist bei uns genauso sicher wie bisher", sagt Obercineast Bernhard Reuther (42). Wer seine Daten hinterlässt und bis an den Sitzplatz brav Maske trägt, darf sich über neue Filme wie den Oscar-Anwärter "Und morgen die ganze Welt" oder "Winterreise" mit Bruno Ganz freuen.

Zirkus "Piccolino" muss mitten in der erfolgreichen Zeit pausieren

In einer Neuinszenierung steht Sonntag Mozarts "Zauberflöte" auf dem Spielplan. Es wird die erste und letzte November-Premiere der Semperoper.
In einer Neuinszenierung steht Sonntag Mozarts "Zauberflöte" auf dem Spielplan. Es wird die erste und letzte November-Premiere der Semperoper.  © dpa/Woitas, Semperoper/Olah
  • Sport

An Dynamo-Tickets zu kommen, ist dieser Tage schwer. Warum also nicht mal bei den Kleinen vorbeischauen? Bis hinunter in die Kreisklasse wird an diesem Wochenende nochmals um Punkte gekämpft. Zum vorerst letzten Mal. Nur Profis dürfen weiterspielen. Beim SV Sachsenwerk etwa steht Samstag (14 Uhr, Stadion an der Margon-Arena) ein Stadtderby gegen den Dresdner SC in der Landesklasse an.

Trainer René Müller (34): "Wir spielen gegen meinen Ex-Verein und wollen auch als Aufsteiger Punkte holen. Wer weiß, wann wir das das nächste Mal dürfen."

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  • Zirkus

"Wir waren so erfolgreich in Dresden, sind gerade erst nach Cossebaude umgezogen - und müssen wieder pausieren", stöhnt Chefin Katharina Köllner (41). vom Zirkus "Piccolino". "Vielleicht bringen die letzten Vorstellungen noch ein volles Zelt." Shows steigen Freitag und Samstag (je 16 Uhr) und am Sonntag (14 Uhr, Cossebaude, Flensburger Straße).

  • Museum

Die Museen haben zumeist am Wochenende noch geöffnet, auch Sonderausstellungen wie im Hygiene-Museum ("Im Gefängnis") können besucht werden. Oder lieber Alte Meister gefällig? Noch dürfen Sie rein. Ein Sprecher der Staatlichen Kunstsammlungen: "Der Besuch aller unserer Museen bis Sonntag ist möglich."

  • Gastronomie

Eigentlich hat das "Stresa" (Augsburger Straße) in Striesen sonntags geschlossen. "Alles aufessen, damit nichts weggeschmissen werden muss", ist die Parole von Betreiber Sebastian Böhme (34). Er lädt in das Restaurant zum "Großen Aufessen" am 1. November (11-15 und 17-22 Uhr) ein.

Auch das "Stadt Dresden" auf der Straße des 17. Juni in Niedersedlitz spart sich seinen Ruhetag und öffnet am Sonntag ausnahmsweise. Start: 17 Uhr.

Feiern, bis der Arzt kommt?

Alles muss raus! Gastwirt Sebastian Böhme (34) vom "Stresa" in Striesen hofft wie viele seiner Kollegen bis Sonntag noch auf hungrige Kundschaft.
Alles muss raus! Gastwirt Sebastian Böhme (34) vom "Stresa" in Striesen hofft wie viele seiner Kollegen bis Sonntag noch auf hungrige Kundschaft.  © Eric Münch

Drei Tage noch ausgehen, treffen, Kultur genießen: Ist das eine gute Idee? Auch innerhalb der Redaktion ist darüber eine heftige Debatte entbrannt. Muss das noch sein?, so die eine Seite. Gerade jetzt noch einmal!, sagen die anderen.

Die Lösung sollte in der Mitte liegen. Denn das oberste Ziel dieser Tage lautet: wenig Kontakt haben! Viren halten sich nicht an ein Datum. Darum ist es durchaus vernünftig, sofort einen Gang runterzuschalten.

Schnell kann die große "Abschlussparty" am Wochenende zum Totentanz geraten. Ein Blick in die Kliniken genügt. Wer das nicht versteht oder gar leugnet, sollte zehnmal hintereinander eine Minute die Luft anhalten. Wohl ungefähr so geht es einem Corona-Patienten an der Maschine - aber das 24 Stunden am Tag.

Andererseits spricht nichts dagegen, nochmals in Kino, Theater oder Restaurant zu gehen, wenn dort die Hygienekonzepte stimmen. Die Einrichtungen sind auf jeden Cent angewiesen. Zur Ehrlichkeit gehört auch: Manche Kneipe, manche Bühne wird es vielleicht in ein paar Monaten nicht mehr geben.

Gerade Kindern sollte am Wochenende noch einmal Freude bereitet werden. Eine schöne Halloween-Party ist da genau das Richtige. Die kleinen Gruselgestalten sind ja ohnehin maskiert ...

Titelfoto: dpa/Woitas, Semperoper/Olah

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