Knarren-Alarm! Immer mehr Dresdner legen sich Schusswaffen zu

Dresden - Wer sich nicht sicher fühlt, sucht nach Möglichkeiten, sich zu schützen. Immer mehr Dresdner greifen dafür zur Waffe. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit einigen Jahren anhält. Für die Linke im Stadtrat ist das "besorgniserregend". Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Schreckschusspistolen wie diese sind weiter beliebt in Dresden.
Schreckschusspistolen wie diese sind weiter beliebt in Dresden.  © Oliver Killig/dpa

So wurden 2021 mit 101 sogenannten "Kleinen Waffenscheinen", die zum Mitführen von Schreckschusspistolen gebraucht werden, zwar deutlich mehr ausgestellt als noch 2010 (damals waren es 31), es ist jedoch kein Vergleich zum Rekordjahr 2016 mit mehr als 700 Erlaubnissen.

Linke-Stadtrat Christopher Colditz (29) ist trotzdem besorgt.

Denn zum Führen dieser Waffen (für Kauf und Besitz braucht es keine Genehmigung) werden zwar die "Zuverlässigkeit" und die "persönliche Eignung" überprüft, ein Sachkundenachweis ist aber nicht erforderlich.

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Dabei könnten "diese Waffen jedoch auf kurzer Distanz schwerste bis tödliche Verletzungen erzielen", so Colditz. Die drohen noch mehr bei "scharfen Waffen". Für deren Besitz wurden 2021 insgesamt 235 Waffenbesitzkarten ausgestellt. Auch hier waren es 2010 mit 172 deutlich weniger.

Dresdens Händler sehen dahinter jedoch keinen Boom, sondern eine normale Fluktuation. Schließlich scheiden auch ältere Besitzer aus.

Der Weg zur Waffenbesitzkarte ist lang. Trotzdem wurden viele bewilligt.
Der Weg zur Waffenbesitzkarte ist lang. Trotzdem wurden viele bewilligt.  © picture alliance/dpa
Linke-Stadtrat Christopher Colditz (29).
Linke-Stadtrat Christopher Colditz (29).  © Thomas Türpe

Deutlich weniger Schützen in Sachsen als anderswo

Schießsport oder Verteidigung, es gibt unterschiedliche Gründe, warum Dresdner Waffen kaufen.
Schießsport oder Verteidigung, es gibt unterschiedliche Gründe, warum Dresdner Waffen kaufen.  © 123rf/milanmarkovic

Ohnehin gibt es in Dresden und Sachsen viel weniger Schützen als anderswo in Deutschland. So gab es Ende 2021 nach Angaben des Deutschen Schützenbundes in ganz Sachsen nur knapp 17.000 (minus 200 im Vergleich zum Vorjahr). In nur vier Bundesländern gibt es weniger. In Bayern haben die Schützenvereine dagegen mehr als 455.000 Mitglieder.

Dass nicht noch mehr Dresdner scharfe Waffen kaufen, liegt an den hohen Hürden. Ein Dresdner Händler spricht von 1,5 bis 2 Jahren, die es dauert, bis man legal eine scharfe Waffe besitzen darf. Das liegt am umfangreichen Verfahren, in dem man unter anderem regelmäßiges Training und die gesicherte Aufbewahrung nachweisen muss. "Das ist auch gut. So wird unheimlich ausgesiebt", sagt er.

Gut ist auch, dass bei den Kontrollen regelmäßig schwarze Schafe entdeckt werden. So wurde 2021 bei drei Reichsbürgern der Waffenbesitz verboten bzw. darauf verzichtet und Anträge zurückgezogen. In den fünf Jahren zuvor wurde fünf Rechtsextremisten der der Kleine Waffenschein bzw. die Waffenbesitzkarte entzogen.

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Der Kontrolldruck durch die Stadt müsse deshalb hoch bleiben, fordert Colditz.

Titelfoto: Montage: 123rf/milanmarkovic, Oliver Killig/dpa, Thomas Türpe

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