Koala und Opossum angeklagt: Dresdner Hausbesetzer vor Gericht

Dresden - Die Staatsanwaltschaft will es durchziehen: Mit Linda K. (30) und Alessandro F. (31) saßen am Montag die ersten Hausbesetzer aus der Königsbrücker Straße vor dem Dresdner Amtsgericht. Beide räumten unumwunden ein, sich als Koala und Opossum verkleidet, an der Besetzung des Geländes beteiligt zu haben. Während der Richter durchblicken ließ mit einer Einstellung leben zu können, beharrt die Staatsanwaltschaft auf einem Urteil.

Alessandro F. sitzt seit Montag auf der Anklagebank.
Alessandro F. sitzt seit Montag auf der Anklagebank.  © Steffen Füssel

Erst das SEK konnte am 21. Januar die Besetzung beenden: Nicht, weil die rund 20 als Tiere verkleideten Aktivisten so gefährlich waren, sondern weil nur die Spezialkräfte auf Dach und Bäume klettern konnten (TAG24 berichtete).

Dass die beiden Dresdner dabei waren, räumen sie in einer mehrseitigen Erklärung ein: "Für uns ist das Bauen weiterer teurer Eigentumswohnungen keine Alternative", begründet Linda. "Ärmere Menschen werden aus dem Viertel verdrängt", so Allessandro.

Beide hatten zusammen mit den anderen ein Nutzungskonzept für die drei Villen erarbeitet: Neben Wohnraum sollten Fahrradwerkstadt, Kulturzentrum und soziale Arbeit hier einziehen. 

Ohne beim Eigentümer nachzufragen hatten sie bereits das alte Pflaster freigelegt, den Schornstein gekehrt und die Toiletten gereinigt.

Dann machte die Polizei Schluss damit: "Wir hatten mit dem Eigentümer Kontakt aufgenommen", sagt ein Polizist aus. "Er teilte mir, nicht einverstanden zu sein und Strafantrag stellen zu wollen." 

Genau hier wird es allerdings kompliziert: Die Verteidigung der Hausbesetzer moniert, dass der Antrag von einem Herrn im Namen der Argenta Internationale Anlage GmbH gestellt wurde, das Hausrecht habe aber die Dental-Kosmetik GmbH & Co. KG. Deren Geschäftsführerin hatte einen Strafantrag abgelehnt.

Beide sind nicht vorbestraft

Auch Linda K. muss sich vor dem Amtsgericht verantworten.
Auch Linda K. muss sich vor dem Amtsgericht verantworten.  © Steffen Füssel
Das besetzte Haus in der Königsbrücker Straße wurde am 21. Januar vom SEK geräumt.
Das besetzte Haus in der Königsbrücker Straße wurde am 21. Januar vom SEK geräumt.  © Petra Hornig
22. Januar: Polizisten stehen vor einem besetzten Grundstück in der Dresdner Neustadt.
22. Januar: Polizisten stehen vor einem besetzten Grundstück in der Dresdner Neustadt.  © Christian Essler/xcitePRESS/dpa
Noch bevor die Verhandlung anfing, kam es zu Protesten vor dem Amtsgericht Dresden.
Noch bevor die Verhandlung anfing, kam es zu Protesten vor dem Amtsgericht Dresden.  © Steffen Füssel
Beistand in bunten Tierkostümen.
Beistand in bunten Tierkostümen.  © Steffen Füssel

"Der Antrag ist auf sanften Druck der Polizei zustande gekommen", so Richter Arndt Fiedler (56). "Privat fand ich die Idee mit den Tierkostümen lustig, das Nutzungskonzept war durchdacht." Da beide noch nicht vorbestraft wären, regte er an, das auch so zu lassen. 

Die Staatanwaltschaft stimmte einer Einstellung jedoch nicht zu, jetzt muss das Gericht prüfen, ob der Strafantrag rechtmäßig gestellt wurde. Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Petra Hornig, Steffen Füssel

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