Entscheidung steht an: Gibt es bald einen Autotunnel in der Neustadt?

Dresden - Alle Anläufe sind bisher gescheitert, die Idee ist jedoch nicht unterzukriegen: Soll der Neustädter Markt in Dresden untertunnelt werden? Mittwoch wird der Bauausschuss dazu richtungsweisende Entscheidungen treffen.

Ein möglicher Tunnel würde sich vom Palaisplatz bis zum Finanzministerium ziehen.
Ein möglicher Tunnel würde sich vom Palaisplatz bis zum Finanzministerium ziehen.  © Juergen-Michael Schulter

Eigentlich geht es "nur" darum, wie das Areal auf der Neustädter Seite links und rechts der Augustusbrücke bebaut werden soll.

Der Siegerentwurf lässt dabei Raum für zwei Fahrspuren je Richtung, ein eigenes Gleisbett und eventuell Radwege.

Torsten Kulke (54), Chef der Gesellschaft Historischer Neumarkt, brachte jetzt aber den zweitplatzierten Entwurf ins Spiel.

Der würde die historische Bebauung nachbilden, charmante Gässchen ermöglichen, die Straße aber um enge Kurven führen. "Fußgänger könnten unter Arkaden wandeln, der ganze Platz würde aufgewertet", so Kulke.

Bei gerade einmal 16 Metern Straßenbreite (aktuell 40 Meter) wäre eine Richtungsspur die Folge, bei 28.000 Autos pro Tag kaum darstellbar.

"Dieser Entwurf stellt das alte Dresden wieder her, er kümmert sich aber nicht um die Folgen", ärgert sich Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi (56).

Seine Sorge: Entscheidet sich der Bauausschuss für Variante 2, ist ein vierspuriger Tunnel unausweichlich. "Doch der würde die ganze Gegend versauen." Tatsächlich hat die Stadt einen Tunnel bereits 2015 geprüft und verworfen.

So eng bebaut wünscht sich der Zweitplatzierte den Neustädter Markt.
So eng bebaut wünscht sich der Zweitplatzierte den Neustädter Markt.  © Stadt Dresden/Jordi-Keller-Pellnitz

Tunneleinfahrt bis ans Japanische Palais heran

Am Palais würde der komplette freie Raum für die Tunneleinfahrt gebraucht.
Am Palais würde der komplette freie Raum für die Tunneleinfahrt gebraucht.  © Petra Hornig

"Die 560 Meter lange autofreie Strecke wird mit 220 Metern Rampenlängen an sensiblen historischen Stellen erkauft", befürchtet Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (43, Grüne).

Konkret rücken die Tunneleinfahrten bis ans Japanische Palais heran, direkt vor dem Finanzministerium würden Rampen notwendig.

Dennoch ist nun eine Entscheidung pro Tunnel denkbar. Veit Böhm (54, CDU):

"Es gibt Versuche, eine breite Mehrheit zu finden. Der Tunnel wird dabei ein Thema sein. Die technische Umsetzbarkeit, Hochwasserschutz und die Lage des Tunnels sollen geprüft werden."

Die bisherige Analyse aus dem Jahr 2015 bezeichnete er als "Versuch der Verhinderung".

Will den Verkehr möglichst komplett von Neustädter Markt verbannen: Torsten Kulke (54) von der Gesellschaft Historischer Neumarkt. 
Will den Verkehr möglichst komplett von Neustädter Markt verbannen: Torsten Kulke (54) von der Gesellschaft Historischer Neumarkt.  © Petra Hornig
Kämpft gegen den "unsinnigen" Tunnel: Stadtrat Johannes Lichdi (56, Grüne) und Ulla Wacker (48).
Kämpft gegen den "unsinnigen" Tunnel: Stadtrat Johannes Lichdi (56, Grüne) und Ulla Wacker (48).  © Thomas Türpe

Titelfoto: Juergen-Michael Schulter

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