Kostbarkeiten auf Papier: Dresdner Kupferstich-Kabinett zählt zu den wichtigsten Museen der Welt

Dresden – Von Grünwald und Dürer bis Richter und Dumas: Mit der Retrospektive "300 Jahre Sammeln in der Gegenwart" gibt das Kupferstich-Kabinett Dresden ab Freitag Einblick in den von Sachsens kunstsinnigen Fürsten begründeten Fundus. 

Stephanie Buck, Direktorin des Kupferstich-Kabinetts in Dresden, sitzt im Studiensaal vor dem Kunstwerk "Gret Palucca mit doppeltem Schatten" von Charlotte Rudolph. Dahinter: Ein Plakat der Ausstellung der Künstlergemeinschaft "Brücke" von Ernst Ludwig Kirchner.
Stephanie Buck, Direktorin des Kupferstich-Kabinetts in Dresden, sitzt im Studiensaal vor dem Kunstwerk "Gret Palucca mit doppeltem Schatten" von Charlotte Rudolph. Dahinter: Ein Plakat der Ausstellung der Künstlergemeinschaft "Brücke" von Ernst Ludwig Kirchner.  © Sebastian Kahnert/dpa

Die Schau zur Geschichte des ältesten Spezialmuseums für Kunst auf Papier im deutschsprachigen Raum spannt den Bogen von den Anfängen des Grafiksammelns in der fürstlichen Kunstkammer bis zu den jüngsten Neuerwerbungen.

Highlight zum Auftakt: das "Bildnis eines älteren Mannes" des flämischen Malers Jan van Eyck. 

"Es ist die einzige erhaltene originale Handzeichnung von ihm auf der Welt und eine Ikone der Zeichenkunst", sagte Kupferstich-Kabinett-Direktorin Stephanie Buck am Donnerstag. 

Die sie umgebende Prominenz reicht von einer Apostelstudie von Matthias Grünewald über ein Selbstbildnis von Anton Raphael Mengs bis zu einem Farbentwurf von Piet Mondrian.

Unter dem Dach des Residenzschlosses versammelt sind über 200 Werke - von frühen Druckgrafiken des 15. Jahrhunderts bis zu Zeitgenössischem. 

Sie zeugen von der Entwicklung aus der fürstlichen Kunstkammer zum Museum, den Erwerbungsstrategien sowie Ordnung und Erweiterung des Bestandes in den einzelnen Epochen. 

In einer "Schatzkammer" werden im dreiwöchigen Wechsel je zehn Meisterzeichnungen gezeigt.

Fast 5000 Zeichnungen sind bis heute vermisst

v.li.n.re.: Die Kunstwerke "Selbstbildnis mit zwölf Jahren" von Anton Raphael Mengs, "Der heilige Georg zu Pferd mit totem Drachen" von Lucas Cranach, "Bildnis des Charles de Solier, Sieur de Morette" von Hans Holbein sowie "Die Entführung des Ganymed" von Rembrandt Harmenszoon van Rijn.
v.li.n.re.: Die Kunstwerke "Selbstbildnis mit zwölf Jahren" von Anton Raphael Mengs, "Der heilige Georg zu Pferd mit totem Drachen" von Lucas Cranach, "Bildnis des Charles de Solier, Sieur de Morette" von Hans Holbein sowie "Die Entführung des Ganymed" von Rembrandt Harmenszoon van Rijn.  © Sebastian Kahnert/dpa

Der Rundgang führt vom "Grafik-Kabinett der Fürsten" mit dem ältesten Inventar von 1738 über die Museumswerdung im 19. Jahrhundert bis zu "Brüche und Kontinuitäten" von 1920 bis 2020. 

Dafür stehen Werke von Bellotto, Tiepolo oder Piranesi, mit denen das Kabinett im 18. Jahrhundert internationales Ansehen erlangte. 

Zeichnungen von Caspar David Friedrich und Ludwig Richter zeugen von Dresdens Bedeutung als Kunstort in der Romantik. Blätter Alter Meister wie ein seltener Goya auf Elfenbein, Plakate von Toulouse-Lautrec, japanische Farbholzschnitte und Fotografie repräsentieren die Vielfalt der Zuwächse im 19. Jahrhundert.

Werke von Otto Dix, Erich Heckel, Oskar Kokoschka und Wassiliy Kandinsky sowie Fotografien von Edmund Kesting und Charlotte Rudolph stehen für die Erwerbungen in der Weimarer Republik. 

An einer Wand sind die Titel der 381 im Zuge der NS-Aktion "Entartete Kunst" beschlagnahmten Stücke aufgelistet. 

"Aber insgesamt rund 5000 Zeichnungen und etwa 45.000 druckgrafische Werke sind bis heute vermisst", sagte Buck.

Werke nonkonformer Kunst aus der DDR neben Kunst aus dem Westen

Wiebke Schneider, Restauratorin Kupferstich-Kabinett, inspiziert in der Restaurierungswerkstatt des Kupferstich-Kabinetts mit einem Mikroskop die Zeichnung "Allegorie des Schlafs" von Taddeo Zuccari.
Wiebke Schneider, Restauratorin Kupferstich-Kabinett, inspiziert in der Restaurierungswerkstatt des Kupferstich-Kabinetts mit einem Mikroskop die Zeichnung "Allegorie des Schlafs" von Taddeo Zuccari.  © Sebastian Kahnert/dpa
Und die "Allegorie des Schlafs" noch einmal im Blick in der Draufsicht.
Und die "Allegorie des Schlafs" noch einmal im Blick in der Draufsicht.  © Sebastian Kahnert/dpa
Blick in die Ausstellung "300 Jahre Sammeln in der Gegenwart" der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss. Das Museum zeigt alle Epochen anhand von etwa 160 Arbeiten.
Blick in die Ausstellung "300 Jahre Sammeln in der Gegenwart" der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss. Das Museum zeigt alle Epochen anhand von etwa 160 Arbeiten.  © Robert Michael/dpa
Das Residenzschloss in Dresden am Abend. Dort befindet sich auch das Kupferstichkabinett.
Das Residenzschloss in Dresden am Abend. Dort befindet sich auch das Kupferstichkabinett.  © Robert Michael/dpa

In dem Raum finden sich zudem Werke osteuropäischer und nonkonformer Kunst aus der DDR neben solchen aus dem Westen: Picasso neben Hermann Glöckner, Karl-Heinz Adler neben Ilja Kabakov oder Gerhard Richters "Mappe des Kapitalistischen Realismus" neben Claus Weidensdorfer.

Das 1720 gegründete Kupferstich-Kabinett bewahrt gut eine halbe Million Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen, Gouachen, Lithographien, Kupferstiche, illustrierte Bücher, Mappenwerke und Fotokunst. Die Arbeiten aus acht Jahrhunderten sind von hoher Qualität und oft einzigartig. 

Der Bestand wächst laut SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann weiter. "Das Sammeln muss weitergehen, auch gerade in Krisenzeiten."

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa

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