2G ist kaum eine Option: Dresdner Theater bleiben mehrheitlich beim alten System

Dresden - Nicht jede Option ist wirklich eine: Mit der aktuellen Corona-Schutz-Verordnung hat Sachsen ein optionales 2G-Modell für Veranstalter und Kultureinrichtungen eingeführt. Es soll ermöglichen, Abstandsregeln und Maskenpflicht zu lockern. Was verlockend klingen könnte, wird jedoch verhalten aufgenommen: Die Theater halten vorerst mehrheitlich an der bestehenden 3G-Regel fest.

Was hilft dem kulturellen Leben? Sachsens Theater und Veranstalter können zwischen 3G-Regel und 2G-Modell wählen.
Was hilft dem kulturellen Leben? Sachsens Theater und Veranstalter können zwischen 3G-Regel und 2G-Modell wählen.  © imago images/Bihlmayerfotografie

Einige Bundesländer haben die 2G-Regel bereits eingeführt. Sie beinhaltet im Kern, nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt zu Veranstaltungen in Innenräumen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen zu gewähren.

Im Gegenzug kann wieder die volle Platzkapazität belegt werden. In Sachsen wurde die Regelung nicht als Verpflichtung, sondern als Optionsmodell formuliert. Heißt: Jedem Veranstalter, jedem Theater ist es freigestellt, 2G anzuwenden. Jeder mag für sich abwägen, ob er dieses System nutzen möchte.

Man möchte meinen, die Aussicht, durch eine 2G-Regel die Häuser wieder voller besetzen zu können, sei ein Angebot, das die lange darbenden Theater nicht ablehnen könnten. Ein TAG24-Rundruf aber zeigt das Gegenteil.

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Die Intendanten der städtischen Bühnen – Operette, tjg., Societaetstheater und Philharmonie – haben sich mit Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (44, Linke) darauf geeinigt, bei 3G zu bleiben. Wie es aus ihrem Büro heißt, solle niemand von kulturellen Angeboten ausgeschlossen werden.

Auch hätten Beispiele anderer Bundesländer gezeigt, dass 2G nicht automatisch zu größerer Saalbelegung führe. Ein Sprecher: "Eher wird es sogar weniger, weil 2G als indirekte Impfpflicht wahrgenommen werden könnte."

Staatsschauspiel, Semperoper und viele private Theater wollen 3G-Regel beibehalten

Die städtischen Bühnen wie Operette und tjg. im Kraftwerk Mitte halten an 3G fest.
Die städtischen Bühnen wie Operette und tjg. im Kraftwerk Mitte halten an 3G fest.  © Steffen Füssel

Im Staatsschauspiel prüft man derzeit die Möglichkeit und verschaffe sich durch Umfragen beim Publikum einen Überblick. Sprecherin Gertrud Aringer: "Wir haben den Eindruck, dass die meisten Besucher ohnehin bereits geimpft sind." Grundsätzlich aber bleibe es vorerst bei 3G.

Gleiches gilt für die Semperoper. Sprecher Oliver Bernau: "2G ist ja nur eine Empfehlung. Sollte daran etwas geändert werden, würden wir dem folgen." Man halte sich an die Vorgaben des Ministeriums.

Auch die privaten Theater bleiben bei den bisherigen Regelungen. Olaf Maatz, Intendant der Comödie, die nach fast einjähriger Spielpause im Haus wieder den Indoor-Betrieb aufnimmt: "Ich halte von 2G nicht viel."

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Man könne durchaus einen Teil des Publikums verprellen, der dann womöglich nie wiederkäme. Auch wenn er mit einer Normalisierung nicht vor Ende nächsten Jahres rechnet, findet Maatz: "3G ist angemessen."

Im Boulevardtheater hat man sich ebenfalls entschieden, bei 3G zu bleiben. Sprecher Thomas Kaufmann mit Blick auf den Vorverkauf fürs Weihnachtsgeschäft: "Wir haben bereits bis Ende Dezember mit Abstands-Plätzen geplant."

Auch in der Herkuleskeule, im Comedy & Theater Club und dem FriedrichstaTT Palast operiert man weiter mit GGG.

Hoppes Hoftheater setzt auf 2G, bei Konzerten ist die Lage unübersichtlich

Das Hoftheater in Weißig setzt 2G um. Intendant Dirk Neumann (mit Partnerin Josephine Hoppe) wirbt um Verständnis: "Sonst könnten wir gar nicht spielen."
Das Hoftheater in Weißig setzt 2G um. Intendant Dirk Neumann (mit Partnerin Josephine Hoppe) wirbt um Verständnis: "Sonst könnten wir gar nicht spielen."  © Holm Helis

Einzig Hoppes Hoftheater in Weißig hat seit dem gestrigen Montag "nach langer Überlegung" auf 2G umgestellt. Intendant Dirk Neumann präferiert das nicht aus persönlicher Überzeugung. Aber der Spielbetrieb könne sonst nicht aufrechterhalten bleiben: "Bei jeder anderen Lösung müssten wir zumachen."

Wegen Umbaumaßnahmen arbeite man mit einer Interimsspielstätte, 100 mögliche Plätze seien deshalb ohnehin bereits auf 50 Plätze reduziert. "Die können wir nicht noch einmal halbieren", so Neumann.

Auch schließe man niemanden aus: "Durch Umfragen wissen wir, dass unser Publikum bis zu 95 Prozent geimpft ist."

Komplexer ist es im Konzertbereich. Rodney Aust, Betreiber des Alten Schlachthofs: "Die Entscheidung für 3G oder 2G liegt immer bei den jeweiligen Tourneeveranstaltern." Die würden individuell nach verschiedensten Faktoren entscheiden.

Man müsse sich bei jedem Ticketkauf einzeln informieren. Auch gäbe es von Woche zu Woche immer mal Änderungen.

Aust: "Es ist für alle ein Lernprozess – und der ist noch nicht zu Ende."

Titelfoto: Montage: Holm Helis, imago images/Bihlmayerfotografie

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