Das Kriegsbeil ist ausgegraben! Nächster Direktor verlässt das Karl-May-Museum

Radebeul - Was ist nur im Karl-May-Museum los? Vor gerade mal zwei Jahren hatte Christian Wacker (54) hochmotiviert den Direktor-Posten in Radebeul übernommen. Jetzt schmeißt er enttäuscht hin, spricht von "Mobbing" im Stiftungsvorstand. Mit dem Gremium standen schon frühere Leiter auf Kriegsfuß.

Schmeißt zum Monatsende hin und spricht von Mobbing: Karl-May-Museumsdirektor Christian Wacker (54).
Schmeißt zum Monatsende hin und spricht von Mobbing: Karl-May-Museumsdirektor Christian Wacker (54).  © Petra Hornig

So einen unrühmlichen Abgang hatte sich Wacker nicht vorgestellt. "Ich blicke extrem traurig auf meine Zeit hier zurück", sagt er. Vor zwei Jahren war der erfahrene Museologe für den neuen Job nach Radebeul gezogen. "Ich bin noch nie so offen und wohlwollend aufgenommen worden wie in Sachsen", sagt der gebürtige Münchner.

Auch die Arbeit seiner 22 Mitarbeiter im Museum lobt er. Doch er machte auch andere Erfahrungen. "Die Stiftung leidet unter verkrusteten Strukturen und Altlasten, die einem das Leben zur Hölle machen", bedauert Wacker.

"Ich konnte mich nicht frei entfalten, da es Einflussnahme in die Arbeit gibt. Leute, die glauben, ihre Meinung über Karl May und andere Themen auf Teufel komm raus durchsetzen zu müssen", so Wacker. "Einzelne Personen aus dem Vorstand haben hinter meinem Rücken schlecht geredet. Für mich ist das Mobbing."

Namen nennt Wacker nicht. Auch sei man wegen der Untätigkeit im Vorstand mit der Museumserweiterung und dem geplanten Neubau nicht vorangekommen. Wackers Vertrag gilt nur noch bis Monatsende. Er packt bereits die Koffer für seinen Umzug ins ferne Kuweit. Dort will er eine Stelle als Generaldirektor antreten.

Radebeuls OB Bert Wendsche (55, parteilos), der auch im Vorstand sitzt: "Reisende soll man nicht aufhalten. Das Herr Dr. Wacker als Noch-Geschäftsführer mit derartigen Vorhaltungen in die Öffentlichkeit geht, enttäuscht, spricht jedoch für sich Bände."

Das berühmte Karl-May-Museum hat schon wieder seinen Häuptling verloren.
Das berühmte Karl-May-Museum hat schon wieder seinen Häuptling verloren.  © Eric Münch

Das Museum findet schon seit Jahren keinen festen Häuptling mehr. Der letzte langjährige Leiter war René Wagner (70), der ebenfalls nach Problemen mit dem Stiftungsvorstand (allerdings mit anderen Personen) mitten in der Weihnachtszeit 2013 entlassen worden war.

Titelfoto: Petra Hornig, Eric Münch

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