Drei Geheimnisse von Dresdens schönster Gartenanlage

Dresden - Die Anlage "Am Waldrand" in Pieschen (neun Hektar groß) ist Dresdens schönster Kleingarten, punktete mit naturnahmen Konzept und biologischer Vielfalt (TAG24 berichtete). 

Ausgezeichnet! Garten-Chef Ronny Richter (43) mit dem Wanderpokal.
Ausgezeichnet! Garten-Chef Ronny Richter (43) mit dem Wanderpokal.  © Amac Garbe

Doch das ist längst nicht alles, was die Scholle zu bieten hat. 

Die 271 Parzellen bergen einige Geheimnisse und Besonderheiten, die es sonst nirgends gibt...

Schulgarten für alle Sinne

Eine der Parzellen wird als Schulgarten genutzt! Rund 60 Schüler (6 bis 18 Jahre) der nahen Radebeuler "Anne Frank Schule" mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung lernen hier praxisnah mit allen Sinnen.

"Aufgrund der Beeinträchtigungen unserer Schüler gehen wir viel raus, um Lerninhalte begreifbar zu machen", erklärt die stellvertretende Schulleiterin Ingrid Stier (55). Die Schüler bauen selbst Kartoffeln, Bohnen, Tomaten, Himbeeren, Zucchini an, verarbeiten Obst und Gemüse später an der Schule im Fach Hauswirtschaft. Aus den Äpfeln machen sie Apfelmus. 

"Das Einpflanzen macht Spaß und die Erdbeeren schmecken gut", sagt Niklas (17). Und Erwin betont: "Bei uns ist alles bio!" 

Gießen, Unkraut jäten, ernten: Im Sommer werkeln Schüler täglich im Schulgarten. "So lernen sie auch, wo Dinge herkommen, was für Arbeit dahinter steckt", sagt Stier. 

"Bald wollen wir noch öffentlich zugängliche Hochbeete für die Allgemeinheit anlegen."

Die Schulgarten-Parzelle: Pädagogin Claudia Kühnel (42) im Gemüsebeet mit den Schülern Niklas (17, r.) und Erwin (18).
Die Schulgarten-Parzelle: Pädagogin Claudia Kühnel (42) im Gemüsebeet mit den Schülern Niklas (17, r.) und Erwin (18).  © Thomas Türpe

Historische Seltersbude

Diese grün-weiße Holz-Laube hat Charme und eine lange Reise hinter sich. 

"Das ist das Seltershäuschen", sagt Kleingarten-Chef Ronny Richter (43). "Vor 100 Jahren soll es in dieser Form schon nahe des Neustädter Bahnhofs gestanden haben." 

Wie die Vorpächter berichteten, diente das Seltershäuschen Dresdnern und Reisenden als Erfrischungs-Bude, quasi eine historische Trinkhalle oder Vorläufer eines Kiosk oder Spätshops. Zu DDR-Zeiten wurde es aber offenbar aufgegeben, sollte weg. 

Anstatt zur Müll-Deponie soll ein Gartenfreund die Einzelteile aber nach Pieschen gebracht und hier wieder zusammengebaut haben. So blieb das Seltershäuschen über Generationen erhalten.

Bei den Laubenpiepern als "Seltershäuschen" bekannt, soll diese Bude einst als historischer Erfrischungsladen gedient haben.
Bei den Laubenpiepern als "Seltershäuschen" bekannt, soll diese Bude einst als historischer Erfrischungsladen gedient haben.  © Amac Garbe

Rätselhafter Ornament-Stein

Gut versteckt in einer Parzelle liegt ein aufwendig gestalteter Sandstein, der den Laubenpiepern Rätsel aufgibt. 

"Mein Vater sagte, der Stein stammt aus der Dresdner Garnisonkirche", berichtet der Pächter. "Verbrieft ist, dass er den Stein Mitte der 80er-Jahre von einer Lagerstätte in die Straßenbahn wuchtete und bis hierher transportierte." 

Anders als die Garnisonkirche in Potsdam, überstand die Dresdner den Krieg allerdings unbeschadet. Möglich, dass der Stein von einem anderen historischen Bauwerk stammt, vielleicht als Sockel diente.

Herkunft rätselhaft: Dieser Sandstein wurde in der Straßenbahn von einer Lagerstätte bis nach Pieschen transportiert.
Herkunft rätselhaft: Dieser Sandstein wurde in der Straßenbahn von einer Lagerstätte bis nach Pieschen transportiert.  © Amac Garbe

Der Gartenchronist freut sich über jeden Hinweis, der Licht ins Dunkel der steinernen Geschichte gibt.

Titelfoto: Amac Garbe

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