Dresdens berühmtes Gewächs wieder im Warmen: Frau Müller ist die Mutter der Pillnitzer Kamelie

Dresden - Die älteste Kamelie nördlich der Alpen ist wieder in ihrem Winterquartier: Um die rund 250 Jahre alte Kamelie in Pillnitz wurde am gestrigen Mittwoch das fahrbare Glashaus geschoben. Ihre Überwachung übernimmt nun ein Klimacomputer. Einst wurde für die berühmte Pflanze mit Ofen geheizt, wie Margot Müller (79) berichtet. Die frühere Gärtnerin ist Dresdens Kamelien-Dame!

Arbeitete schon vor 60 Jahren als Landschaftsgärtnerin in Pillnitz: Seniorin Margot Müller (79) behält "ihre" Kamelie bis heute im Blick.
Arbeitete schon vor 60 Jahren als Landschaftsgärtnerin in Pillnitz: Seniorin Margot Müller (79) behält "ihre" Kamelie bis heute im Blick.  © Thomas Türpe

1960 schloss Müller in Pillnitz ihre Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin ab. Erst ein paar Jahre zuvor war als Winterquartier um die Kamelie ein hölzernes Haus (mit abnehmbaren Bretterwänden) gebaut worden.

Darin durfte es nicht kälter als vier Grad werden. "Für Wärme sorgte ein Ofen. Ich durfte zum Sonntagsdienst Kohle und Holz nachlegen", erinnert sich die Seniorin zurück.

Nach einigen Jahren in ihrer eigenen Gärtnerei kehrte sie 1984 nach Pillnitz zurück, war für die Kamelie verantwortlich. "Boden lockern, düngen, wässern, nach Schädlingen absuchen. Da gab es kaum welche."

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In den 80er-Jahren schützte Heizungswärme aus der benachbarten Orangerie die Kamelie vor Frost. "Einmal fiel alles aus. Da haben wir 100 Kerzen angemacht", berichtet Frau Müller.

Das moderne Glashaus für die kalte Jahreszeit wurde 1992 gebaut.

Die junge Landschaftsgärtnerin (2. v. l.) hatte vor 61 Jahren in Pillnitz ihre Lehre abgeschlossen, pflegte schon damals bei ihren Sonntagsdiensten die Kamelie mit.
Die junge Landschaftsgärtnerin (2. v. l.) hatte vor 61 Jahren in Pillnitz ihre Lehre abgeschlossen, pflegte schon damals bei ihren Sonntagsdiensten die Kamelie mit.  © Repro: Thomas Türpe
Margot Müller um 1960 vor der Orangerie in Pillnitz.
Margot Müller um 1960 vor der Orangerie in Pillnitz.  © Repro: Thomas Türpe

So läuft der Winter für die riesige Kamelie ab

Winterschutz auf Schienen: Das gläserne Haus wurde am Mittwoch um die Kamelie gefahren.
Winterschutz auf Schienen: Das gläserne Haus wurde am Mittwoch um die Kamelie gefahren.  © Thomas Türpe
Bereiteten den Umzug ins Glashaus vor: Gartenmeister Thomas Riedel (52, l.) und Landschaftsgärtner Sven Schulz (51), ein ehemaliger Azubi Müllers.
Bereiteten den Umzug ins Glashaus vor: Gartenmeister Thomas Riedel (52, l.) und Landschaftsgärtner Sven Schulz (51), ein ehemaliger Azubi Müllers.  © Thomas Türpe

Ein Computer misst und reguliert Temperatur und Luftfeuchte (65 bis 85 Prozent). 2005 ging Margot Müller in Rente, behält "ihre" Kamelie bis heute im Blick.

Als am Mittwoch das auf Schienen rollende Glashaus um die 8,94 Meter hohe Pflanze geschoben wurde, traf sie einen ihrer früheren Azubis, den sie ausgebildet hatte, wieder: Landschaftsgärtner Sven Schulz (51) wird die Kamelie in den kommenden Wochen wässern, später etwas zurückschneiden.

"Das ist wirklich noch wie früher", sagt er schmunzelnd.

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Über den Winter bleibt die Kamelie im Glashaus. Gartenmeister Thomas Riedel (52): "Nach den Eisheiligen Mitte Mai kommt sie wieder nach draußen."

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe (2)

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