Dresdens Robotron-Kantine im neuen Look: Was steckt hinter dem Design?

Dresden - Ein bisschen scheint es so, als habe Christo (†84) Hand an die Robotron-Kantine gelegt: Mit Streifen bunter Plastikfolien ist das Gebäude jetzt umwickelt.

102 Meter farbige Folienbänder machen die Robotron-Kantine zum Kunstort. Auftakt zum Projekt "Prelude Nordost Südwest".
102 Meter farbige Folienbänder machen die Robotron-Kantine zum Kunstort. Auftakt zum Projekt "Prelude Nordost Südwest".  © Steffen Füssel

Der Dresdner Künstler André Tempel (51) ist für diese Fassaden-Installation verantwortlich - weist aber Christo-Vergleiche von sich.

Die erste Etappe des Kunstprojekts "Prelude Nordost Südwest" ist Vorspiel zu einer großen für 2022 geplanten Ausstellung des Kunsthauses Dresden im öffentlichen Raum.

Mit diesem bereits 2020 ins Leben gerufenen Projekt beginnt die Bespielung der Robotron-Kantine durch Kunst. Federführend für die Aktion ist das Kunsthaus Dresden, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Deren Leiterin Christine Mennicke-Schwarz zur Aktion: "Wir wollen öffentlich zeigen, was Kunst kann."

André Tempel, einer der angefragten Dresdner Künstler, würde auf Christo-Spuren wandeln und zeigen, wie enorm sich ein Gebäude verändern könne.

Tempel selbst mag diese Analogie weniger. Mit Blick auf den als Verpackungs-Künstler bekannten Christo sagt er: "Ich wollte das Gebäude ja nicht verpacken. Das hieße ja, es zu verdecken."

Viel eher möchte er den Charakter der Architektur herausstellen. Tempel: "Die Robotron-Kantine ist ein spezieller Bau. Ein eleganter, zur Zeit aber sehr vernachlässigter Bau."

Künstlerische Bespielung war Teil der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025

André Tempel (51) hat den Bau der Ostmoderne umwickelt.
André Tempel (51) hat den Bau der Ostmoderne umwickelt.  © Steffen Füssel

Mit 102 Metern bunter Folienstreifen hat er das Relikt der Ostmoderne nun umspannt, hat entlang der Pfeiler eine deutlich sichtbare, farbige Raumzeichnung installiert.

Der Dresdner Künstler: "Mich interessiert, wie sich Räume durch grafische Eingriffe und Farbe verändern lassen." Wie bei Christo allerdings bleiben von seinem temporären Werk nur Fotos.

Die künstlerische Bespielung der Robotron-Kantine war elementarer Bestandteil von Dresdens Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025.

"Dieses Potenzial ist ja nicht weg, nur weil der Zuschlag an Chemnitz ging", sagt Gisbert Porstmann (geb. 1963), Direktor der Museen der Stadt Dresden.

Porstmann: "Die Arbeit an diesem bedeutenden Teil ostdeutscher Architekturgeschichte bleibt ein Baustein auch für die Entwicklung der künftigen Lingnerstadt".

Für Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (43, Linke) ist es gar ein Glücksmoment, dass Kunst und Kultur nicht nur online stattfindet: "Passanten werden merken, dass die Robotron-Kantine nicht im Dornröschenschlaf dämmert."

Robotron-Kantine sehr gefragt: Im Juli zieht die Ostrale ein!

Die Investoren haben das Gebäude zur Verfügung gestellt, ein Bauantrag sichert die Nutzung bis 2022. Im Juli zieht die Ostrale ein, im kommenden Jahr die internationale Ausstellung "Nordost Südwest".

André Tempels Bespielung der Fassade ist nur der erste Schritt, dafür Signal zu geben. Weitere Dresdner Künstler werden ihm folgen: ab 22. April durch Ina Weise, ab 6. Mai durch Henning Haupt. Im Mai werden alle Arbeiten im Rahmen einer Performance von Stephanie Lüning noch einmal zu sehen sein.

Große Hoffnung aller: Die Kantine als Ort für Kunst im Stadtraum zu erhalten.

Titelfoto: Steffen Füssel

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