Einer, der sich nie in den Vordergrund drängte: Gründer der Herkuleskeule ist tot

Dresden - Sechzig Jahre ist es her, dass das Kabarett "Die Herkuleskeule" seine Arbeit aufnahm, gegründet von Manfred Schubert. Der war ein Mittdreißiger damals. Beinah bis zuletzt hat er die Geschichte des Theaters begleitet, deren unverrückbarer Bestandteil er war und bleibt. Nun ist er gestorben, am 29. November, mit 94 Jahren. Kaum einer kannte ihn besser als Wolfgang Schaller (81), Nachfolger an der "Keule". Wir sprachen mit ihm.

Manfred Schubert (†94) in einer Aufnahme aus dem Jahr 2002.
Manfred Schubert (†94) in einer Aufnahme aus dem Jahr 2002.  © Imago Images / C3 Pictures

Amateurkabarettist war der eine wie der andere, bevor es das Theater gab, das erst unter Schuberts Leitung (bis 1986) und dann unter Schallers Regie zu den berühmtesten Kabaretts nicht nur der DDR, sondern des gesamten Landes werden sollte. 1970 habe Schubert ihn an die "Keule" geholt, erinnert sich Schaller.

"Was für ihn Pech war, war für mich Glück", sagt er, anspielend auf eine Provokation des NDPD-Mitglieds Schubert und ihre Folgen.

In einem Programm 1969 habe der gesprochen von einem "Genossen, der trotzdem ein guter Mensch" sei. Für die Staatsmacht ein unerhörter Affront. Schaller: "Er wurde auf die Parteischule beordert, um auf Linie gebracht zu werden." Für die Zeit der Abwesenheit verpflichtete Schubert den damals 30-jährigen Schaller ans Haus - der nicht wieder ging.

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Manfred Schubert war einer, der alles konnte - spielen, schreiben, inszenieren. Noch besser war er auf einem weiteren Gebiet, betont Schaller.

"Er war ein toller Direktor", erinnert sich Nachfolger Wolfgang Schaller

Schubert-Nachfolger Wolfgang Schaller (81).
Schubert-Nachfolger Wolfgang Schaller (81).  © DPA / ZB / Sebastian Kahnert

"Er war ein toller Direktor! Einer, der sich nie in den Vordergrund drängte. Ich hatte damals ein Programm geschrieben, es hieß 'Bürger, schützt eure Anlagen'. Schubert hat uns machen lassen, obwohl er nicht daran glaubte."

Ein ausgleichender Charakter sei er gewesen, mit einem ausgemachten Sinn für zuverlässiges Zeitmanagement. Schaller: "Er begann pünktlich mit der Arbeit und schälte pünktlich seinen Apfel." Auch der "Repräsentationskognak", mit dessen Hilfe Schubert Konflikte löste, ist ihm in guter Erinnerung.

Nachdem Schaller das Theater übernommen hatte, zunächst als künstlerischer Leiter und später als Intendant, war Schubert ein gern gesehener Gast an der Herkuleskeule.

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Wende und Wiedervereinigung bedeuteten auch für ihn beides: Verunsicherung und Herausforderung. Viel zu tun für einen Kabarettisten. Schubert spielte seine Programme an der "Keule" und ließ auch keine Feierlichkeit aus. "So lange es gesundheitlich ging, war er bei jeder Premiere dabei. Und bei Jubiläen stand er immer mit auf der Bühne", so Schaller.

Zuletzt soll es ihm nicht mehr gut gegangen sein. 94 Jahre Leben.

"Man darf da von der Welt gehen", sagt Schaller. Dass einer erst dann wieder öffentliche Aufmerksamkeit erlange, wenn er stürbe, mache ihn nachdenklich, merkt er an. Darüber, dass Schubert vergessen werden könnte, sorge er sich nicht: "Er war der Gründer, ohne ihn gäbe es die 'Keule' nicht." Theatergeschichte hat er geschrieben, Manfred Schubert, nicht mehr und nicht weniger. Schaller: "Dieses Bewusstsein soll er ruhig mitnehmen auf seine atheistische Wolke.

Titelfoto: Imago Images / C3 Pictures

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