Er leitet das Adventskonzert: "Wenn man vom Herzen gibt, ist man immer willkommen"

Dresden - Noch bis 2020 war er bei der Staatskapelle als Kontrabassist unter Vertrag, inzwischen ist er Dirigent und zwar ein ziemlich guter. Petr Popelka, 1985 in Prag geboren, leitet das Orchester im traditionellen Adventskonzert des ZDF als Kapellmeister. Am heutigen Samstag wird in der Frauenkirche aufgezeichnet, am Sonntag, ab 17.55 Uhr, gesendet.

Dirigent Petr Popelka (36) beim Konzert mit der Staatskapelle.
Dirigent Petr Popelka (36) beim Konzert mit der Staatskapelle.  © Matthias Creutziger

Nächstes Mal wird alles anders, dachte man vor einem Jahr, als das Adventskonzert ohne Publikum aufgenommen werden musste. Heute wissen wir: nee, wird es nicht. Corona hat die Welt weiterhin im Griff, das Publikum muss zu Hause bleiben.

Es ist nicht Popelkas erstes Konzert ohne Publikum, doch ist die Situation in Sachsen angesichts des momentanen Kulturlockdowns ernster als woanders.

"In Tschechien finden, mit eingeschränkter Platzkapazität, Konzerte statt, in Norwegen sogar ohne Einschränkungen", sagt er. In Oslo leitet er seit vergangenem Jahr das Rundfunkorchester, kommendes Jahr übernimmt er das Prager Rundfunkorchester als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter. Resultate der Blitzkarriere eines Hochtalentierten, denn tatsächlich dirigiert Popelka erst seit fünf Jahren, noch dazu ohne Studium, als Autodidakt.

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Einige Auftritte mit der Staatskapelle hat er schon gehabt, doch ist's jetzt das erste Mal in großem Stil. Akzeptanzvorbehalte unter den Musikern des Orchesters, weil er, der gerade noch einer von ihnen war, plötzlich das Stöckchen schwingt, spüre er nicht, sagt er, eines aber wisse er:

"Akzeptanz ist die Reaktion auf die Dinge, die ich tue. Es liegt also an mir." Schwierigkeiten hat er diesbezüglich bislang nicht gehabt, was er sich etwa so erklärt: "Wenn man vom Herzen gibt, ist man immer willkommen."

Marianne Martin (86), die erzgebirgische Kultmoderatorin.
Marianne Martin (86), die erzgebirgische Kultmoderatorin.  © Stephan Malzdorf

Was steht auf dem Programm des Adventskonzerts in der Frauenkirche?

Zehn Jahre war Popelka Solo-Kontrabassist bei der "Kapelle".
Zehn Jahre war Popelka Solo-Kontrabassist bei der "Kapelle".  © Matthias Creutziger

Dirigieren, da geht es um Musikalität und um das Erfassen des Ganzen eines Werks, und es geht um Handwerkliches, wie Schlagtechnik. Wie lernt man so etwas, wenn nicht an der Hochschule? "Ich habe in jedem Konzert und in jeder Oper, die ich mit der Kapelle gespielt habe, eindringlich den jeweiligen Dirigenten studiert", sagt Popelka.

Ganz besonders gilt das für einen wie den US-Amerikaner Alan Gilbert (54) und für Chefdirigent Christian Thielemann (62).

Der ist für ihn eine "große Dirigentenpersönlichkeit", die er unter anderem wegen der "Sensibilität für Klang" und "dem Gespür für die Dramatik in der Musik" bewundert.

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Er erinnere sich "an viele großartige Momente mit ihm" und habe sich "viel abschauen" können, so Popelka. Dennoch müsse jeder "den Weg für sich allein finden."

Auf dem Programm des Adventskonzerts stehen Werke von Tschaikowski, Saint-Saens, Bach, Händel, Strauss, Boulanger, Franck, Grieg und Humperdinck. Solisten sind Starpianist Lang Lang (39), Sopranistin Katharina Konradi (33), Tenor Jonathan Tetelmann (33) und Frauenkirchenorganist Samuel Kummer (53), dazu kommen Kreuzchor und Staatsopernchor.

Das Konzert ist für Petr Popelka ein besonderes Format, das er von der Orchesterzeit her schon kennt. Dass es ohne Publikum stattfinden muss, sieht er mit gemischten Gefühlen: "Sicher sind wir froh, überhaupt musizieren zu können. Aber natürlich brauchen wir die Ohren und Herzen der Menschen im Konzertsaal." Er hofft, dass das bald wieder möglich werden wird.

Titelfoto: Matthias Creutziger

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