"Es geht an die Ersparnisse für die Rente!" Mafia-Mia-Männern ist das Lachen vergangen

Dresden - Die Proben wären jetzt in der heißen Phase. Die Show bekäme wenige Tage vor der Premiere am 27. November den letzten Schliff. Doch für die Dinnershow "Mafia Mia" hebt sich in dieser Saison kein Vorhang. Die Protagonisten Joachim Lippmann (64) und Kai Neumayer (54) sitzen im leeren Dresdner Ostra-Dome.

Kai Neumayer (54, l.) und Joachim Lippmann (64) hoffen auf Auftritte im nächsten Jahr.
Kai Neumayer (54, l.) und Joachim Lippmann (64) hoffen auf Auftritte im nächsten Jahr.  © Eric Münch

Die beiden Comedians gehören seit zehn Jahren zu den Publikumslieblingen der Show. "Schlicht & Kümmerling" stolpern als Handlanger des Paten von einem Missgeschick in den nächsten Fettnapf.

Im zweiten Lockdown jedoch ist ihnen nicht zum Lachen. "Im Januar hatten wir unseren letzten gemeinsamen Auftritt bei 'Mafia Mia'", sagt Lippmann.

Es folgten überschaubare Einzelaufträge - beide arbeiten auch solo, als Clown Lulu und Clown Kaily. Mal ein Kindergeburtstag, mal eine Goldene Hochzeit - "doch zwei Drittel unserer Aufträge sind weggefallen", zieht Neumayer nüchtern Bilanz.

Von rund 100 Auftritten pro Jahr kann er derzeit nur träumen. "Wir fühlen uns wie auf einer Achterbahn, zwischen Hoffnung und Tiefschlag geht es hoch und runter."

"Schlicht & Kümmerling" sind die Publikumslieblinge bei "Mafia Mia".
"Schlicht & Kümmerling" sind die Publikumslieblinge bei "Mafia Mia".  © Thomas Türpe

"Ich habe ernsthaft überlegt, das Künstlerdasein hinzuschmeißen!"

Statt Publikum leere Stühle. Kai Neumayer (l.) und Joachim Lippmann vermissen die Dinnershow-Gäste.
Statt Publikum leere Stühle. Kai Neumayer (l.) und Joachim Lippmann vermissen die Dinnershow-Gäste.  © Eric Münch

Es sind nicht nur die schnell zitierten "schlaflosen Nächte". "Man ist psychisch angegriffen", sagt Joachim Lippmann. "Selbst wenn man mal einen kleinen Auftrag hat, ist es schwer, mit Sorgen im Hinterkopf auf Knopfdruck lustig zu sein. Man darf als Clown auch nicht aus der Übung kommen." Und trotz staatlicher Soforthilfe - "es geht an die Ersparnisse für die Rente".

"Ich habe ernsthaft überlegt, das Künstlerdasein hinzuschmeißen", gesteht Kai Neumayer. "Ich könnte als Handwerker arbeiten. Ich bin ja sehr bodenständig, lebe seit drei Jahrzehnten mit meiner Frau auf einem Dorf in Brandenburg."

Lippmann, gelernter Straßenbauer und Neustadt-Bewohner, könnte in der Stuckfirma des Sohnes unterkommen.

"Aber eigentlich sind wir in unserem Alter für Arbeitgeber unattraktiv. Und was sollen wir auf die Frage antworten, was wir in den letzten Jahren gemacht haben? Wir haben Faxen gemacht. Und das wollen wir auch weiterhin. Wir wollen ja auf der Bühne stehen", sind sich beide einig.

Zu viel Angst geschürt

Sehen so aus wie sie heißen: "Schlicht & Kümmerling".
Sehen so aus wie sie heißen: "Schlicht & Kümmerling".  © Thomas Türpe

Für 2021 stehen erste Termine in den Kalendern - immer unter Vorbehalt natürlich. Mut macht ihnen der familiäre Zusammenhalt des "Mafia Mia"-Ensembles und die Solidarität der Fans.

"Erst vor ein paar Tagen rief mich eine Dame aus Angermünde an, fragte, wie es mir geht, und wollte mir was spenden", schmunzelt Neumayer. "Das tut gut." Eine doppelte Gage bekam Lippmann angeboten. "Solche Reaktionen sind toll", nickt Neumayer.

Und sie beflügeln, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Lippmann war auf den Demos "Ohne uns ist Stille" vor Ort. Er produzierte sogar einen Corona-Song (inklusive Video) mit dem Titel "Abstand".

Demos sind nicht so das Ding von Neumayer. "Ich denke, dass viele Lockdown-Maßnahmen am Anfang richtig waren, aber es hätte eine Korrektur erfolgen müssen. Es wurde zu viel Angst geschürt und zu wenig aufgeklärt."

Als Clown Lulu produzierte Joachim Lippmann sein Corona-"Abstand"-Lied.
Als Clown Lulu produzierte Joachim Lippmann sein Corona-"Abstand"-Lied.  © Holm Helis

Im Freundeskreis haben beide ganz Unterschiedliches erlebt - "von Verschwörungsanhängern bis hin zu Maskengegnern war alles dabei", so Lippmann. Diese Erfahrung haben sie mit Sicherheit nicht allein gemacht.

Titelfoto: Eric Münch

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