Weiter Wirbel um Jazztage: Gaststars und Sponsoren springen ab

Dresden - Die Jazztage Dresden machen weiter Furore, doch hat das nicht zuerst mit Musik zu tun. 

Dicht beieinander saßen die Besucher beim Auftritt von Daniele Ganser (48, Mitte) bei den Jazztagen Dresden.
Dicht beieinander saßen die Besucher beim Auftritt von Daniele Ganser (48, Mitte) bei den Jazztagen Dresden.  © Andreas Weihs

Nach dem Auftritt des als rechtslastiger Verschwörungsideologe verschrienen Schweizers Daniele Ganser (48) am Sonntag kehren weitere Musiker dem Festival den Rücken. Dazu hat es Intendant Kilian Forster (52) nun auch mit dem Vorwurf falsch angewendeter Hygienevorschriften zu tun.

Volle Hütte im Ostra-Dome, als Ganser seine Vorträge hielt, Besucher dicht beieinander - ein Event geeignet für Superspreading? Die Jazztage sprechen von "freiwilligen Infektionsgruppen" à zehn Personen ohne Abstand, entsprechend dem mit der Stadt vereinbarten Hygienekonzept. 

Die Stadt gab Dienstag an, dass nur "die Bildung von Infektionsgemeinschaften aus Hausständen" (etwa Familien) genehmigt worden seien. Insgesamt sei es sehr bedauerlich, "dass das Vorgehen eines Veranstalters eine ganze Branche in die Kritik bringt und damit die sehr guten und durchdachten Hygienekonzepte der Kulturbranche infrage stellt", heißt es weiter. 

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) äußerte sich: "Das ist ein sehr schlechtes Beispiel für ein nicht funktionierendes Hygienekonzept. So etwas darf nicht stattfinden!"

Gitarrist Lars Kutschke kündigt langjährige Zusammenarbeit auf

Intendant Kilian Forster (52) während der Diskussion nach Gansers Vorträgen.
Intendant Kilian Forster (52) während der Diskussion nach Gansers Vorträgen.  © Andreas Weihs

Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (43, Linke) zeigte sich "fassungslos angesichts des Vorgehens der Jazztage". Kein Verständnis habe sie für besagte Hygienesituation, auch nicht für den Auftritt Gansers. Damit ist sie nicht allein.

Nach US-Organist Cameron Carpenter hat auch die argentinische Sängerin Lily Dahab hinsichtlich des Auftritts Gansers ihr Konzert abgesagt. Der Gitarrist Lars Kutschke, seit vielen Jahren Protagonist der "Blues Night" bei den Jazztagen, kündigte Forster die Zusammenarbeit. Auch Sponsoren springen ab. Er verzeichne augenblicklich einen Sponsoren-Verlust von 10.000 Euro, so Forster.

Der Intendant widerspricht den Vorwürfen, verteidigt Gansers Auftritt und das Hygienekonzept vom Sonntag. "Die Jazztage Dresden haben auf Grundlage der geltenden gesetzlichen Bestimmungen ... ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet und entwickelt, das geprüft und genehmigt wurde.

Die Veranstaltungen des Festivals finden NUR unter Einhaltung der dort festgelegten Bestimmungen statt", heißt es in einer "Klarstellung" der Jazztage.

Titelfoto: Andreas Weihs

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