Leidenschaftliche Schachspielerin kämpft seit Jahren gegen den Krebs

Von Thomas Gillmeister

Dresden - Wo nimmt diese Frau nur die Kraft her? Andrea Hafenstein (58) kämpft nach einem Hirntumor und einem Schlaganfall seit knapp 20 Jahren gegen eine aggressive Hautkrebsform. 33 Operationen retteten der Dresdnerin das Leben, das Schachspielen ihre Seele.

Das Schachspiel bietet Andrea Hafenstein (58) eine Ablenkung von ihrer Krankheit. Für sie ist es viel mehr als nur ein Zeitvertreib.
Das Schachspiel bietet Andrea Hafenstein (58) eine Ablenkung von ihrer Krankheit. Für sie ist es viel mehr als nur ein Zeitvertreib.  © Gabor Krieg/Picture Point

Als Andrea 1998 mit der Diagnose Hirnturmor konfrontiert und erfolgreich operiert wurde, dachte sie: Glück gehabt im Unglück. Ihre Therapien: Das Schreiben eines Buches ("Schach dem Tumor") und das Schachspielen.

Ihre große Leidenschaft, die sie bereits mit sechs Jahren entdeckte und seitdem sportlich auslebt. Früher sehr erfolgreich bei Meisterschaften, heute aus Spaß bei offenen Turnieren in aller Welt.

"Schach beruhigt, schärft die Sinne und schult das Denkvermögen", nennt Andrea die Vorteile. Nach einem Schlaganfall wurde sie 2001 mit der nächsten Diagnose konfrontiert: Merkelzell-Karzinom.

Ein sehr seltener und bösartig-aggressiver Hautkrebs, der dazu neigt, an verschiedenen Stellen des Körpers immer wieder zu kommen. "Viele Ärzte waren pessimistisch, gaben mir nur noch sechs Wochen", erinnert sich die chronisch Kranke an das düsterste Kapitel ihres Lebens. Aber sie nahm zusammen mit hoch spezialisierten Ärzten den Kampf auf.

Auch gegen Prominente wie Samuel Koch spielte Andrea schon Schach

Mit dem Schauspieler Samuel Koch traf sich Andrea in Dresden auf eine Partie Schach. Auch er hat ein schweres Schicksal zu ertragen.
Mit dem Schauspieler Samuel Koch traf sich Andrea in Dresden auf eine Partie Schach. Auch er hat ein schweres Schicksal zu ertragen.  © privat

Insgesamt 33 zum Teil sehr schwere Operationen musste sie bis heute über sich ergehen lassen. "So wurde mir beispielsweise ein neuer Nasenflügel geformt, weil der ehemalige mit einem Karzinom befallen war", erklärt Andrea.

Trotz der zahlreichen Operationen, der chronischen Schmerzen und der vielen Medikamente, die sie täglich einnehmen muss, hat die Optimistin nie ihren Lebensmut verloren. Halt findet sie bei ihrem Mann und den zwei Kindern sowie bei Schachfreunden. "Ich bin zwar eine Einzelkämpferin, doch ein harmonisches Familienleben ist gut für meinen inneren Frieden."

Am stärksten kann sie sich vom Feind in ihrem Körper ablenken, wenn sie ein Schachmatch beobachtet oder selbst spielt. 

Dafür ist ihr kein Weg zu weit. "Ich habe schon in Dubai, Stockholm und Wien an Turnieren teilgenommen", zählt sie auf. 

Auch gegen Prominente trat sie schon an, wie zum Beispiel nach dem letzten SemperOpernball gegen Samuel Koch, der nach einer missglückten Wette bei "Wetten, dass..?" querschnittsgelähmt ist.

Am Schachbrett kann sich die Dresdnerin stundenlang in Strategien vertiefen. "Ein Arzt sagte mir einmal, dass er nicht weiß, ob Schachspieler intelligenter als andere Menschen sind, aber sie denken anders", meint Andrea. Und genau diese Eigenschaft kommt ihr beim Bewältigen ihrer Krankheit zugute. Immer wieder kämpft sie sich Zug um Zug zurück ins Leben. Das soll auch das Thema ihres zweiten Buches werden, an dem sie derzeit arbeitet.

Mit dem Schreiben eines Buchs arbeitete Andrea Hafenstein die schweren Jahre ihres Krebsleidens auf.
Mit dem Schreiben eines Buchs arbeitete Andrea Hafenstein die schweren Jahre ihres Krebsleidens auf.  © Gabor Krieg/Picture Point
Schon 33 Operationen musste die Dresdnerin über sich ergehen lassen. Ein Kunststück, darüber nicht den Lebensmut zu verlieren.
Schon 33 Operationen musste die Dresdnerin über sich ergehen lassen. Ein Kunststück, darüber nicht den Lebensmut zu verlieren.  © privat

So aggressiv ist das Merkelzell-Karzinom

Das Merkelzell-Karzinom ist eine sehr seltene Form des Weißen Hautkrebses. Zwar gilt der Weiße Hautkrebs insgesamt - zurecht - als weitaus weniger gefährlich als der Schwarze Hautkrebs.

Das Merkelzell-Karzinom bildet hier jedoch die Ausnahme von der Regel: Es ist noch bösartiger und aggressiver (heißt: es wächst schnell und "streut") als das gefürchtete Melanom vom Schwarzen Hautkrebs.

Vom Merkelzell-Karzinom werden in der Regel ältere Patienten betroffen, das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren. Nur etwa ein Prozent aller Hautkrebs-Erkrankungen lassen sich auf dieses Karzinom zurückführen.

Titelfoto: Gabor Krieg/Picture Point

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