Museumschefin hofft nach Raub im Grünen Gewölbe auf Rückkehr der Juwelen

Dresden/Berlin - Knapp ein Jahr nach dem spektakulären Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe schlug diese Nachricht zu Wochenbeginn ein wie eine Bombe: Spezialkräfte der Polizei nahmen nach einer Großrazzia in Berlin-Neukölln drei Männer aus dem Berliner Clan-Milieu fest. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um Mitglieder der Remmo-Familie. Diese sind keine Unbekannten. Bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ist man nun guter Dinge, dass zumindest einige Stücke der unschätzbar wertvollen Juwelen ihren Weg zurück ins Grüne Gewölbe finden.

Knapp ein Jahr nach dem Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe hat die Polizei am Dienstagmorgen in Berlin drei Tatverdächtige festgenommen.
Knapp ein Jahr nach dem Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe hat die Polizei am Dienstagmorgen in Berlin drei Tatverdächtige festgenommen.  © Annette Riedl/dpa

Am 25. November 2019 stand die Dresdner Kunstwelt Kopf.

SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann (55) und das Grüne Gewölbe standen plötzlich weit über die Landesgrenzen hinaus im Fokus von Presse und Öffentlichkeit.

"Die Zeit unmittelbar nach dem Diebstahl war für mich hart", erinnert sich die Chefin. "Mir war es extrem wichtig, Verantwortung zu übernehmen, mich der Aufgabe öffentlicher Kommunikation in der Krise zu stellen und das auszuhalten."

Am Dienstag konnte Marion Ackermann schließlich aufatmen.

Zumindest ein bisschen. "Ich bin nach wie vor extrem froh, dass die Festnahmen gelungen sind", sagt sie. Die Festnahmen verbucht sie als ersten Erfolg.

"Dadurch, dass es nun konkreter zu werden scheint, sind die Polizei und wir dem Ziel, die Garnituren ganz oder partiell zurückzuerlangen, ein Stück näher gekommen."

Belege für Verkauf oder Zerstörung der Beute gibt es keine

Museums-Chefin Marion Ackermann (55) vor der leeren Vitrine im Juwelenzimmer. Sie hofft auf die baldige Rückkehr der Schmuckstücke.
Museums-Chefin Marion Ackermann (55) vor der leeren Vitrine im Juwelenzimmer. Sie hofft auf die baldige Rückkehr der Schmuckstücke.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Ackermann ist zuversichtlich, dass ein Teil der Beute wieder auftaucht.

"Es wurden viele potenzielle Beweisgegenstände der Tatverdächtigen beschlagnahmt. Die Auswertung wird eine Zeitlang dauern, aber es scheint fast unmöglich, keine Spuren zu finden."

Immerhin gebe es bisher keinen Beleg auf Verkauf oder Zerstörung der Juwelen. Das sei ohnehin so gut wie unmöglich. In ihrem Täterappell hatte Marion Ackermann betont, dass die Räuber aufgrund des speziellen historischen Schliffs und der Reinheit der Diamanten kein Geld mit der Beute machen können.

Nicht so wie im Fall des Münz-Diebstahls vor wenigen Jahren in Berlin. 2018 wurde eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze ("Big Maple Leaf") im Wert von 3,75 Millionen Euro aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen.

Die zuständigen Ermittler gehen davon aus, dass die Münze zerteilt und eingeschmolzen wurde.

Unschätzbarer Wert: Diese Juwelen kamen beim Diebstahl von 2019 abhanden.
Unschätzbarer Wert: Diese Juwelen kamen beim Diebstahl von 2019 abhanden.  © Jürgen Karpinski/Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa

Juwelendiebstahl oder Lockdown: Was hat die SKD schwerer getroffen?

Die Polizei fahndet noch nach den Zwillingen Abdul Majed Remmo (21, l.) und Mohamed Remmo (21)
Die Polizei fahndet noch nach den Zwillingen Abdul Majed Remmo (21, l.) und Mohamed Remmo (21)  © Polizeidirektion Dresden

Der Dresdner Einbruch geht offenbar auf das Konto des gleichen Clans wie der Diebstahl der Goldmünze.

"Dass es sich bei unseren Tatverdächtigen um Mitglieder des Berliner Remmo-Clans handelt, ist bedrückend. Man fragt sich, ob es hätte verhindert werden können", so Ackermann.

Nach dem spektakulären Diebstahl der Juwelen aus dem Grünen Gewölbe hagelte es Kritik am Sicherheitskonzept des Museums. Dieses wurde nach dem 25. November 2019 aufgerüstet, auf allen Ebenen wurde nachjustiert.

"Eine Expertenkommission hat uns bescheinigt, dass der Diebstahl so in dieser Form heute nicht mehr passieren kann.

"Vorerst bleibt die Vitrine im Grünen Gewölbe leer. "Es war uns wichtig, den 'Tatort' in der Ausstellung dieses Jahr als Ort zu erhalten, der die Geschichte erzählt und erinnert", sagt Marion Ackermann. Die Entscheidung, was nun passieren wird, wurde vorerst vertagt.

Juwelendiebstahl oder Lockdown - was hat die SKD im vergangenen Jahr schlimmer getroffen? Ackermann weiß darauf eine klare Antwort: "Das brutale Eindringen in das Historische Grüne Gewölbe, das wie eine Entweihung des Ortes war."

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Dresden Kultur & Leute:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0