"Ohne uns ist Stille": Hilfeschrei von Sachsens Event-Branche!

Dresden - Sie sind die Experten, wenn es darum geht, laut aufzudrehen. Nun leiden sie besonders unter der verordneten Stille: Konzertmacher, Künstler, Kulturschaffende. Eine ganze Branche, der Corona den Stecker gezogen hat. Am Freitag setzte sie in Dresden ein Zeichen.

Die Band "Silly" kam auch zum Protest auf dem Theaterplatz
Die Band "Silly" kam auch zum Protest auf dem Theaterplatz  © Petra Hornig

Große Bühne und tausend Stühle auf dem Theaterplatz. Auch die Band "Silly" ist anwesend, trotzdem stimmt hier etwas nicht: es ist verdammt still. Keine Musik, kein jubelndes Publikum. 

"Eigentlich würden wir hier zum Stadtfest auftreten, doch abgesagt", so Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker (59). Ein Beispiel für fast alle Konzerte und Events. In einem Videoclip äußert sich unter anderem auch die Bautzner Band Silbermond: "Es trifft besonders alle, die hinter den Kulissen tätig sind", so Frontfrau Stefanie Kloß (35).

Veranstalter, Bühnenbauer, Tontechniker & Co sind von der Krise hart getroffen. Etwa eine Mio. Menschen arbeiten deutschlandweit im Kulturbereich, ernähren damit ihre Familien. 

Während Förderungen für die Wirtschaft in Milliardenhöhe ausgezahlt werden, fühlt sich die Event-Branche nicht genügend wertgeschätzt. 

Konzerte im Internet sind kein Ersatz

Auf vielen Schildern zeigten Kulturmacher/innen, welche Berufe betroffen sind.
Auf vielen Schildern zeigten Kulturmacher/innen, welche Berufe betroffen sind.  © Petra Hornig

"Die Soforthilfe muss auch für den Lebensunterhalt genutzt werden dürfen", beklagt ein Kulturtreibender. Dies ist bisher in Sachsen nicht gestattet. "Mein Körper ist mein Arbeitsinstrument", begründet er sein Anliegen. Applaus von den rund 1000 anwesenden Branchenkollegen.

Sie halten Schilder hoch, auf denen die vielen Berufe geschrieben sind, die für ein buntes Kulturangebot sorgen: Sänger, Tänzer, Tontechniker, Elektriker, Requisiteure, Security, Regisseure, Gastronomen und viele mehr. 

Alles Berufe, bei denen die Überbrückungshilfen nicht genügen würden, sogar  Insolvenzen drohen. Vereinzelt wurde bereits Hartz 4 beantragt.

Bisher erlassene Regelungen wie zum Beispiel die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer sei nur ein zusätzlicher Aufwand an Bürokratie, sagt Steffen Schmidt, Mitbegründer der Protestaktion "Leere Stühle".

Die roten Stühle markieren die Plätze, die derzeit mit Gästen besetzt werden könnten.
Die roten Stühle markieren die Plätze, die derzeit mit Gästen besetzt werden könnten.  © Robert Michael / DPA

Veranstalter Rodney Aust (49) bekennt sich klar gegen "Konzerte vor Autos, im Internet oder mit Sicherheitsabstand." Er fordert mehr Vertrauen von der öffentlichen Hand und einen Gebührenerlass für Kulturschaffende, stellt dafür auch Millionenprojekte wie den Dresdner Fernsehturm infrage.

Vor Ort ist auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (54, CDU). Auf konkrete Forderungen will sie nicht eingehen, stellt dafür ein Paket in Höhe von 50 Mio. Euro in Aussicht, das in Kürze vom Kabinett verabschiedet werden soll und für Kultur und Tourismus gedacht ist. "Das Glas ist halb voll", sagt sie. Begeisterung löste diese Verkündung nicht aus. 

Kommt das Geld an den richtigen Stellen nicht an, bleibt es still. Für viele Betroffene auch nach der Coronakrise.

Titelfoto: dpa + Petra Hornig

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