Tolles Jubiläum: Zwingerbauhütte wird heute 30 Jahre alt

Dresden – Faun, Nymphe und Putto mit Fisch stehen schon bereit auf der Balustrade an der Westseite des Dresdner Zwingers. Gereinigt und konserviert warten die Skulpturen aus Sandstein darauf, wieder an ihren Platz auf dem Französischen Pavillon gehoben zu werden.

Die Zwingerbauhütte, verantwortlich für die fortlaufende Restaurierung und Instandhaltung des Dresdner Zwingers, begeht in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum.
Die Zwingerbauhütte, verantwortlich für die fortlaufende Restaurierung und Instandhaltung des Dresdner Zwingers, begeht in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Der aber ist noch eingerüstet, bis Jahresende wird gebaut. Das im 18. Jahrhundert angelegte Areal befindet sich in der sechsten Sanierung, wie Kai-Uwe Beger, der Zwingerbaumeister, sagt. Der Architekt ist Chef der Zwingerbauhütte, die auf den Tag genau seit 30 Jahren besteht.

Sie erhalte mit ihrer Handwerkskunst eines der bedeutendsten Baudenkmäler Europas, sagte Finanzminister Hartmut Vorjohann (58, CDU) beim Besuch zum Jubiläum am Freitag.

"Ohne ihre kontinuierliche Arbeit wäre der Zwinger nicht dieses Schmuckstück, das jedes Jahr Tausende Touristen aus aller Welt anlockt." Hier würden Tradition und Handwerk tagtäglich gelebt und von Generation zu Generation weitergegeben.

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"Das überzeugte letztlich auch die Unesco." So könne zugleich die Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe gefeiert werden.

Über die Geschichte der dritten Zwingerbauhütte informiert eine Open-Air-Ausstellung auf dem Zwingerwall bis zum 12. September.

Die erste Werkstatt dieser Art mühte sich von 1924 bis 1936, den Verfall zu stoppen. Wiedergegründet nach dem Zweiten Weltkrieg begleitete sie den Wiederaufbau der Anlage bis 1965, danach war eine Abteilung der Kunstsammlungen deren Hüterin.

"Der Zwinger ist eine ewige Baustelle"

Zwingerbaumeister Kai-Uwe Berger: "Der Zwinger ist eine ewige Baustelle, es gibt immer etwas zu tun."
Zwingerbaumeister Kai-Uwe Berger: "Der Zwinger ist eine ewige Baustelle, es gibt immer etwas zu tun."  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

"Es ist die einzige profane Werkstatt dieser Art neben den Dombauhütten", sagt Beger. "Der Zwinger ist ja quasi auch eine Kathedrale mit den Skulpturen, 1,2 Kilometer Brüstung und 15.000 Quadratmetern Fassadenfläche."

Im Unterschied zum Kölner Dom könne man hier herantreten "und sogar anfassen". Es sei Anspruch, "am Original zu bleiben, weil es jeder sieht". 24 Lehrlinge wurden nach Angaben der Staatlichen Bauverwaltung danach ausgebildet, und mit der Sensibilität für traditionelle Handwerkstechniken.

"Der Zwinger ist eine ewige Baustelle, es gibt immer etwas zu tun", sagt Beger. Denn der Elbsandstein sei ein sensibles Material.

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Elf Restauratoren, Bildhauer und Steinmetze der Hütte kümmerten sich um den Architekturschmuck an den sechs Pavillons sowie Bogen- und Langgalerien sowie Terrassen, Treppenanlagen sowie 698 Skulpturen, die überwiegend frei auf Balustraden, Attika, in Nischen und auf Konsolen stehen.

"Etwa zehn Prozent sind noch original."

Vandalismus gibt's im Zwinger zum Glück nur selten

Ein Bauzaun umgibt im Zwingerhof neben dem Kronentor (r) den Porzellanpavillon (M) sowie den Glockenspielpavillon (l).
Ein Bauzaun umgibt im Zwingerhof neben dem Kronentor (r) den Porzellanpavillon (M) sowie den Glockenspielpavillon (l).  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Sie halten zudem Brunnen und Wasserspiele instand, beugen Schäden und Verlusten vor. "Die Probleme sind dieselben wie vor 30 Jahren: Umweltverschmutzung, Staub und die Besucher, die die Flächen begehen und Verschleiß erzeugen."

Etwa 70 bis 80 Prozent der Figuren, Putten und Vasen haben schon eine Schutzbeschichtung. Dazu wird seit Jahren experimentiert mit dem Ziel einer langfristigen Konservierung.

Nach Angaben des Finanzministeriums investierte der Freistaat von 1991 bis 2020 mehr als 81,5 Millionen Euro in das barocke Juwel der Altstadt, das als Hauptwerk der europäischen Barockarchitektur gilt.

Es wurde 1709 bis 1728 im Auftrag von Kurfürst August dem Starken von Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann errichtet und von Bildhauer Balthasar Permoser ausgestaltet - und war nach Norden offen.

Der Zwinger war Ort der Repräsentation, höfischer Feste, Domizil herrschaftlicher Kunst - heute beherbergt er den Mathematisch-Physikalischen Salon und die Porzellansammlung.

Es gibt auch Vandalismus, aber selten. "Nur ein Mal hat sich jemand mit Hammer und Meißel an einer Figur zu schaffen gemacht", erzählt Beger.

Der Putto auf der Balustrade über dem Nymphenbad hat "Wunden" an Rücken und Gesicht – und dem Fisch unter seinem Arm fehlen Stücke der Schwanzflosse.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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